"Nachdem wir in drei Wettbewerben so weit gekommen sind, wollen wir am Ende auch etwas in Händen halten", sagte Trainer Martin Jol nach dem Erreichen des UEFA-Cup-Halbfinals und gab gleich die Marschroute für die bevorstehenden hanseatischen Fußball-Festwochen mit insgesamt vier Spielen gegen Werder Bremen in Europacup, DFB-Pokal und Meisterschaft aus: "Wir können schon jetzt sehr stolz auf das Erreichte sein, aber wir wollen mehr."

Trotz der 1:2 (1:1)-Niederlage im Viertelfinal-Rückspiel bei Manchester City, die dank des 3:1-Erfolgs aus der ersten Begegnung eine Woche zuvor zum Weiterkommen reichte, attestierte der Coach seinem Team eine erfolgreiche Reifeprüfung auf internationaler Bühne.

Im Mai muss etwas bei rumkommen

"Durch solche Spiele wird die Mannschaft stärker. Unsere Jungs haben gesehen, dass sie sich vor den großen Namen nicht verstecken müssen und auch in einer aufgeheizten Atmosphäre bestehen können", meinte Jol.

Doch Zeit zur Regeneration bleibt dem HSV kaum. Schon am Sonntag ist der Bundesliga-Dritte im Punktspiel gegen Hannover 96 erneut gefordert, um auch in der Meisterschaft die Titelchance zu wahren. Drei Tage später folgt das erste Duell mit Werder im Halbfinale des DFB-Pokals. "Da wollen wir natürlich ins Finale. Und würde man uns diesen Titel anbieten, würde ich nicht nein sagen", so der Niederländer: "Wichtig ist, dass wir im Mai nicht mit leeren Händen dastehen."

Besonderer Reiz

Die besondere Brisanz des Nordderbys - zumal in dieser Häufung - konnte auch HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer nicht ganz leugnen. "Wenn man das Europacup-Halbfinale erreicht, ist der Gegner eigentlich egal. Aber dass wir nun noch zweimal mehr auf Werder treffen, ist schon eine schöne Geschichte." Am 30. April steht das Hinspiel im Weserstadion an, ehe die Bremer im Rückspiel am 7. Mai nach Hamburg kommen. Nur drei Tage später (10. Mai) gastiert der HSV am 31. Bundesligaspieltag abermals beim Nordrivalen.

"Bremen ist natürlich ein ganz schwerer Gegner, aber der Derbycharakter gibt diesen Begegnungen nochmal einen besonderen Reiz", erklärte Hamburgs Nationalspieler Marcell Jansen. Er glaubt, dass die entscheidenden Partien in der Schlussphase auch eine Frage der Kraft werden könnten: "Auch wenn wir schon viel erreicht haben, dürfen wir uns jetzt nicht zurücklehnen, sondern müssen in jedem Spiel nochmal Extrakräfte mobilisieren", so der Abwehrspieler.

Glück erarbeitet

Die Dramatik der Partie in Manchester stellte dagegen eher Ansprüche an die mentale Verfassung der HSV-Spieler. Trotz der frühen Führung durch das vierte Tor von Paolo Guerrero (12. Minute) im laufenden Wettbewerb, waren die Gäste zu keinem Zeitpunkt wirklich Herr der Lage.

Der schnelle Ausgleich durch einen von Elano verwandelten zweifelhaften Handelfmeter (16.) und mehr noch das 2:1 durch Felipe Caicedo (50.) aus allerdings abseitsverdächtiger Position brachten die Hanseaten mächtig ins Schwimmen. "Wenn man davon absieht, dass beide Tore nicht ganz korrekt waren, haben wir auch reichlich Glück gehabt", räumte Jol ein.

Für den Trainer war das Erreichen des Semifinals auch eine späte Genugtuung für das unglückliche Scheitern mit seinem Ex-Club Tottenham Hotspur im UEFA-Cup-Viertelfinale gegen den FC Sevilla vor zwei Jahren. "Da habe ich kurz dran denken müssen und gehofft, dass es diesmal gut geht. Am Ende sind mir einige Steine vom Herzen gefallen."