Zusammenfassung

  • Im zweiten Spiel gelingt dem Hamburger SV der zweite Sieg

  • HSV-Boss Bruchhagen: "Wir können jetzt die zwei Wochen Pause genießen"

  • Dennis Diekmeier gelingt kuriosen Bundesliga-Rekord

Köln - Totgesagte leben bekanntlich länger. Diese alte Weisheit trifft wieder einmal auf den Hamburger SV zu. Nach Jahren des sportlichen Überlebenskampfes und einer Reihe von Rückschlägen haben die Hanseaten wieder einmal die passende Antwort gegeben. Nach dem 3:1-Auswärtssieg beim 1. FC Köln hat der Bundesliga-Dino einen blitzblanken Saisonstart mit sechs Punkten aus den ersten beiden Bundesliga-Partien hingelegt.

Der HSV bleibt ein Club der Extreme. Zwei Wochen nach dem Pokalaus von Osnabrück, als die Mannschaft von Markus Gisdol 72 Minuten in Überzahl spielte und trotzdem gegen den Drittligisten ausschied, stehen die Norddeutschen nun zumindest für 19 Stunden an der Tabellenspitze der Bundesliga. Die Fans entrollten prompt das passende Transparent und feierten mit den Spielern nach dem Abpfiff ausgelassen.

"Die Fans dürfen ihre Banner mit Spitzenreiter zeigen und das auch genießen. Aber wir wissen schon, wo wir stehen und was gut für uns ist. Sechs Punkte sind eindrucksvoll, vor allem wenn man an das letzte Jahr denkt", relativiertre HSV-Boss Heribert Bruchhagen die Momentaufnahme. Im Vorjahr gelang den Hamburgern erst am 13. Spieltag im Dezember der erste Dreier. Erst am letzten Spieltag erfolgte die Rettung.

Bruchhagen: "Wir können jetzt die Pause genießen"

In dieser Saison hofft Bruchhagen auf weniger Stress. "Es war nicht auszuhalten, wie wir in der Rückserie bei Heimspielen unter Druck standen und gewinnen mussten", erinnert er sich mit Schrecken. "Aber wenn ich jetzt sage, dass sich die Situation verändert habe, leiste ich der mangelnden Konzentration Vorschub. Dennoch sind sechs Punkte toll. Wir können jetzt die zwei Wochen Pause genießen."

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In Köln bot der HSV mit Ausnahme der gelb-roten Karte für Mergim Mavraj und einer theatralischen Schauspieleinlage des dafür zurecht wegen Unsportlichkeit verwarnten Kapitäns Kyriakos Papadopoulos eine tadellose Leistung. Zweikampfstark, kompakt und mit hoher Laufbereitschaft hielten die Hamburger ihren Gegner vom eigenen Tor fern. Und in der Offensive knipsten Andre Hahn und nach längerer Flaute auch Bobby Wood mit bemerkenswerter Effizienz.

Diekmeier stellt Bundesliga-Rekord auf

Das alles zusammen führte zu einem verdienten 3:1-Erfolg beim Europa-League-Teilnehmer. Und ganz nebenbei stellte auch der HSV-Profi Dennis Diekmeier einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Er ist mit seinen 183 Bundesliga-Spielen nun der Profi, der die meisten Partien ohne einen einzigen eigenen Treffer bestritten hat. "Heute bekomme ich noch ein paar Whatsapp-Nachrichten und ein paar Sprüche wegen des Rekords gesteckt", lachte der 27-Jährige, dessen Offensivdrang in Köln nach eigenen Angaben nur gestoppt wurde, weil die Mannschaft 40 Minuten in Unterzahl agieren musste.

Die neue Bestmarke hat er jetzt, sein Premierentor soll deshalb bald folgen. Zuzutrauen wäre es ihm, denn im Moment scheint in Hamburg alles möglich zu sein. "Jetzt haben wir die Wende geschafft und wollen weiter so positiv auftreten", frohlockte Diekmeier. "Die Länderspielpause kommt jetzt allerdings blöd. Wir hätten gerne sofort weitergemacht."

Gisdol hält den Ball flach

Sein Trainer sah das anders. "Es ist gut, dass jetzt Pause ist, sonst schwappt es wieder über", meinte Markus Gisdol. "Es tut uns richtig gut, dass wir sechs Punkte haben, die nimmt uns niemand mehr. Die Freude tut uns allen gut. Ich werde jetzt aber einen Teufel tun, und nach zwei Spieltagen die Gesamtsituation einordnen." Dazu kennt der Coach seine Mannschaft und das Umfeld in der Hansestadt einfach zu gut.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski