Malente - Er schlafe immer noch ruhig, und dann auch noch im Zimmer, das den Namen Uwe Seeler trägt. Bruno Labbadia strahlt Optimismus aus im Kurztrainingslager des Hamburger SV im malerischen Kurort Malente in der ostholsteinischen Schweiz. Zwei Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte (Duell-Vorschau HSV - S04) versucht der Trainer, die letzten paar Prozentpunkte aus der Mannschaft heraus zu kitzeln.

Am Mittwochmorgen machte sich der HSV-Tross auf den Weg ins 110 Kilometer entfernte Malente in Schleswig-Holstein. Malente, da war doch was? Schon die deutsche Nationalmannschaft suchte vor den Weltmeisterschaften 1974 und 1990 die Sportschule auf - und gewann anschließend jeweils den Titel. Der Erfolg lag auch am viel zitierten "Geist von Malente".

"In der Idylle total fokussieren"

Diesen Geist will jetzt auch der Bundesliga-Dino beschwören und in der Ruhe und Abgeschiedenheit die letzten Kräfte für das Saisonfinale am Samstag Zuhause gegen Schalke 04 mobilisieren. Dass es an den letzten Tagen vor dem Endspiel gegen die Königsblauen nicht mehr um Taktik und Spielerisches geht, ist für Labbadia ganz selbstverständlich.

"Wir haben viele Gespräche mit den Jungs geführt. Mit jedem Spieler aber anders und individuell. Das hätten wir natürlich auch in Hamburg machen können, aber wir wollten die Abgeschiedenheit und Idylle nutzen, um uns total zu fokussieren", so Labbadia.

Ein Wort, das der Trainer bei der improvisierten Pressekonferenz auf dem Rasen der Malenter Sportschule immer wieder sagte, war Geschlossenheit. Nur wenn der HSV diese an den Tag lege, sei die Rettung möglich. "Wir müssen als Einheit auf den Platz gehen und noch geschlossener auftreten", fordert Labbadia.

Labbadia hofft auf die Fans

In den vergangenen zwei Tage hatte der Trainer Zeit, seinen Spielern noch einmal die Bedeutung des Partie zu vermitteln - nicht nur für den Verein, sondern auch für die vielen Fans und die Stadt Hamburg. Gedanken darüber, dass er eventuell der Trainer sein wird, der zum ersten Mal mit dem HSV absteigt, macht sich Labbadia nicht. "Daran verschwende ich keine Sekunde. Es zählt nur Schalke."

Im Gegensatz zu den vor dem HSV platzierten Teams haben es die Hanseaten am Samstag nicht mehr selbst in der Hand. Ein eigener Sieg ist Grundvoraussetzung für den Klassenerhalt. "Wir wollen erst einmal unser Spiel gewinnen. Es nützt überhaupt nichts, auf die anderen Mannschaft zu schauen. Ich glaube, dass wir mit einem Erfolg gegen Schalke zumindest den Relegationsplatz schaffen werden."

Da ist er wieder der Optimismus. Im ausverkauften Heimspiel hofft der Trainer auch auf die Unterstützung der treuen Fans. "Die Zuschauer können ein Faktor werden. Allerdings müssen wir erst einmal unsere Leistung bringen, wir können keine bedingungslose Unterstützung von den Fans einfordern."

Knäbel nimmt Druck von der Mannschaft

Auch Peter Knäbel, der Direktor Profi-Fußball, hofft darauf, dass die Imtech Arena am Samstag zur Festung wird. "Ich erwarte, dass uns die Fans zu 100 Prozent unterstützen. Es wird bis zum Ende spannend bleiben." Für die Mannschaft, so Knäbel, sei es eine große Herausforderung und die Anspannung sei zu spüren. Trotzdem wollte Knäbel auch den Druck, der auf dem Team lastet, etwas senken. "Es ist eine riesengroße Aufgabe, aber am Ende ist es nur Sport."

Für das entscheidende Spiel am Samstag steht Torwart Jaroslav Drobny ausfallen. Der Tscheche verletzte sich an der Schulter und fällt zehn bis zwölf Wochen aus. Marcell Jansen konnte nur Lauftraining absolvieren und Mohamed Gouaida hat einen Pferdekuß abbekommen. Jansens Einsatz ist möglich, der von Gouaida eher unrealistisch. Sicher nicht zur ersten Elf gehören wird Rafael van der Vaart. Der Kapitän holte sich gegen den VfB Stuttgart die zehnte Gelbe Karte ab und ist gesperrt. Für den Niederländer hat Labbadia drei Vertreter: Petr Jiracek, Marcelo Diaz oder Lewis Holtby.

Für den erhofften guten Geist werden aber sowieso alle Spieler im Kader sorgen müssen...

Aus Malente berichtet Alexander Barklage

Live-Updates zum Abstiegskampf am Donnerstag

So können sich die Abstiegs-Kandidaten noch retten

Spielen Sie Schicksal im Tabellenrechner!