Haben am Montag den Matchball zum Aufstieg in der eigenen Arena: die Spieler des Hamburger SV - © IMAGO/O.Behrendt/IMAGO/Contrast
Haben am Montag den Matchball zum Aufstieg in der eigenen Arena: die Spieler des Hamburger SV - © IMAGO/O.Behrendt/IMAGO/Contrast
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Dem Hamburger SV fehlt nur noch ein Schritt zur Bundesliga

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Den ersten Schritt in Richtung Bundesliga hat der Hamburger SV am Donnerstag gemacht: Im Hinspiel der Relegation gewannen die Rothosen mit 1:0 bei Hertha BSC. Nach vier Jahren in der 2. Bundesliga ist damit die Rückkehr des ehemaligen Bundesliga-Dinos zum Greifen nahe. Das Team von Trainer Tim Walter hat eine tolle Entwicklung in dieser Saison vollzogen.

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In der 57. Minute kommt Ludovit Reis an den Ball. Der technisch versierte Niederländer, ausgebildet beim FC Groningen, wo auch Arjen Robben seine ersten Schritte gemacht hat, spielt nach links zu Miro Muheim und zündet selbst umgehend den Turbo: Reis läuft auf der linken Halbspur in die Tiefe und sein Schweizer Kollege spielt ihm den perfekt getimten Ball hinter die Abwehr von Hertha BSC. Mit einem Zuspiel hat der Hamburger SV gleich drei Berliner Gegner überbrückt und so hat der 21-jährige Reis freie Bahn für eine Flanke.

Die Kugel rutscht dem Niederländer aber komplett ab: Sie geht nicht zum kopfballstarken Robert Glatzel, der noch vor dem Torraum weilt. Die Hereingabe segelt in einer für den BSC-Keeper Oliver Christensen unhaltbaren Kurve dem rechten Innenpfosten entgegen und springt von dort zum 1:0 des HSV ins Netz.

"Ein Tor ist ein Tor. Es ist egal, wie ich es gemacht habe", sagte der Schütze des eher unbeabsichtigten, aber dennoch entscheidenden Treffers im Relegations-Hinspiel.

Hamburg absolvierte seine beste Saison in der 2. Bundesliga

"Es war ein wichtiger Sieg. Es war ein guter Schritt, aber wir haben noch ein weiteres Spiel", fuhr der Niederländer fort und wollte nach dem Auswärtssieg im Berliner Olympiastadion nicht zu sehr mit der Euphorie-Keule schwingen. Dennoch gibt es gehörigen Grund zur Freude für die Hanseaten: Die Mannschaft von Tim Walter war das bestimmende, das spielstärkere Team.

Nicht nur wegen des Treffers: Die Hamburger traten viel selbstsicherer und zielstrebiger auf als die Hertha, die die Bundesliga-Saison auf Platz 16 beendet hatte. Mehr Abschlüsse, mehr Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe und ein wenig mehr zurückgelegte Kilometer auf dem Platz: Der HSV zeigte am Donnerstag ein starkes Spiel und bewies damit eindeutig, dass nach vier Jahren in der 2. Bundesliga der Aufstieg mehr als nur möglich ist.

Alle Informationen zur Relegation

Diese Saison ist nicht nur wegen des erreichten Relegationsplatzes die beste des HSV in der 2. Bundesliga: 60 Zähler holten die Rothosen. In den Saisons zuvor waren es 56 (2018/19), 54 (2019/20) und 58 (2020/21) gewesen. Der HSV hat nur sechs Spiele in dieser Saison verloren, zudem wurde mit nur 35 Gegentreffern die beste Abwehr der 2. Bundesliga gestellt.

Ein verschworener Haufen: Die Spieler des Hamburger SV - IMAGO/O.Behrendt/IMAGO/Contrast

Die einstige Schwäche in der Crunch-Time wurde zur Stärke

Und anders als in den drei Saison zuvor brachen die Hamburger im Saisonendspurt nicht ein, im Gegenteil: Am 29. Spieltag verlor das Walter-Team mit 0:1 bei Holstein Kiel. Als Sechster fehlten den Hamburgern satte sieben Punkte auf Platz drei. Während viele schon zum Abgesang der Rothosen ansetzten, starteten die Mentalitäts-Monster von der Elbe eine Aufholjagd sondergleichen: Es folgten fünf Siege am Stück mit einem Torverhältnis von 16:4 - und der wohlverdiente Relegationsplatz. Und am Donnerstag nun auch noch die reife Leistung gegen die Hertha.

"Unsere Jungs haben sich immer gewehrt, waren immer überzeugt und immer mutig", sagt Coach Walter. Der Trainer hat im Endspurt der Saison nicht nur einen verschworenen Hamburger Haufen kreiert, sondern seine Mannschaft auch spielerisch enorm entwickelt. Die Hanseaten agieren sehr mutig, lösen sich immer wieder spielerisch aus Drucksituationen und agieren dabei immer wieder sehr variabel im Positionsspiel.

"Wir sind die jüngste Mannschaft in der 2. Liga und dann hier in Berlin so zu bestehen, das ist aller Ehren Wert. Wir haben vor der Saison einen Neuanfang ausgerufen und dieser braucht Geduld. Wir haben unsere Entwicklung genommen", zeigt sich Walter zu Recht stolz über das Entstandene an der Elbe - ohne eine Kampfansage an die Hertha abzugeben.

Ist für die beste HSV-Saison seit dem Abstieg 2018 verantwortlich: Tim Walter - Martin Rose/Getty Images

"Wir bleiben bei uns"

Wohin führt diese Entwicklung der Hamburger nun? Alles deutet auf eine Rückkehr in die Bundesliga hin. Doch nicht nur Tim Walter, sondern auch Spieler wie Ludovit Reis drücken noch ein wenig auf die Bremse - zumindest verbal: "Es war ein guter Schritt, aber wir haben noch ein weiteres Spiel. Wir müssen bei uns bleiben. Wir müssen den Fokus hochhalten für das nächste Spiel", sagt Reis.

"Wir freuen uns auf das zweite Spiel, weil wir solche Spiele genießen", sagt Walter, der in den vergangenen Wochen die Do-or-Die-Partien allesamt mit seinem Team gewonnen hat. Was noch für die Hamburger sprechen könnte: Der Club tritt zum dritten Mal in der Relegation an: 2014 und 2015 setzten sich die Rothosen jeweils durch und blieben in der Bundesliga. Die Hertha spielte bislang erste Relegation, stieg 2012 nach den Partien gegen Fortuna Düsseldorf ab.

Walter interessiert das alles eher weniger. "Wir bleiben bei uns. Wir haben Respekt vor jedem. Das werden wir auch in Zukunft tun." Ab der kommenden Saison ja eventuell dann in der Bundesliga.