Zusammenfassung

  • Jann-Fiete Arp ist Hamburgs neue Sturmhoffnung.

  • Der 17-Jährige trifft im dritten Spiel zum zweiten Mal.

  • Verantwortliche dämpfen Euphorie rund um das Talent.

Hamburg - Jann-Fiete Arp ist der neue Hoffnungsträger des Hamburger SV. Der 17-Jährige machte mit seinem sehenswerten Treffer zum 3:1 den ersten Sieg des HSV nach zuletzt acht sieglosen Spielen endgültig klar. Der Kapitän der deutschen U17-Nationalmannschaft hat sich nach nur drei Bundesliga-Partien schon in die Herzen der HSV-Fans gespielt. Trainer Markus Gisdol will die Erwartungshaltung rund um Arp aber nicht ins Unermessliche ansteigen lassen.

>>> Alles zu #HSVVFB im Matchcenter

Auf einen Satz zu seiner tollen Leistung und seinem zweiten Tor im dritten Spiel warteten alle Journalisten in der Mixed-Zone des Volksparkstadions am Samstag vergebens. Jann-Fiete Arp nahm den Hinterausgang und sagte kein Wort. Nicht weil er nicht wollte, sondern weil er nicht sollte. "Wir wollen die Erwartungshaltung bei dem Jungen dämpfen. Deshalb sollte man Verständnis haben, dass er aktuell für Interviews nicht zur Verfügung steht", erklärte Trainer Gisdol den Maulkorb. Aber auch ohne eigenes Statement stand Arp nach dem 3:1-Sieg im Fokus. "Fiete hat es heute natürlich sehr gut gemacht. Er ist ein absoluter Vollblutstürmer und es macht aktuell sehr viel Spaß mit ihm", lobte Jens Todt den Youngster. Der Hamburger Sportdirektor hatte im Sommer anscheinend eine Vorahnung, welches Potenzial in Arp steckt und verlängerte den Vertrag vorzeitig bis Juni 2019.

Video: Arps erstes Bundesligator in Berlin

Arp schreibt früh Geschichte

Der in Bad Segeberg unweit von Hamburg geborene Arp durfte gegen den VfB Stuttgart zum ersten Mal von Beginn an spielen. Sein Teamkollege Bobby Wood musste für ihn seinen Platz im Sturmzentrum räumen. Schon am vergangenen Spieltag hatte der HSV-Youngster sein erstes Bundesliga-Tor beim 1:2 in Berlin geschossen und löste damit Heung-Min Son als jüngsten HSV-Torschützen der langen Vereinshistorie ab. Arp hatte schon bei seiner späten Einwechslung beim Nordderby gegen Bremen am 7. Spieltag Geschichte geschrieben. Er avancierte mit seinem Debüt zum ersten Bundesliga-Spieler des Jahrgangs 2000 und zum zweitjüngsten Spieler in der Bundesliga-Geschichte des HSV (hinter Jonathan Tah).

>>> Hier geht's zum Spielbericht der Partie #HSVVFB

Gegen den VfB agierte Arp als einzige Spitze und musste sich immer wieder gegen seine Gegenspieler Benjamin Pavard und Timo Baumgartl behaupten. Nach 25 Minuten setzte er eine erste Duftmarke als er eine Flanke von Aaron Hunt mit der Brust annahm, sich gegen seine beiden Widersacher durchsetzte und abzog. VfB-Keeper Zieler war allerdings dieses Mal noch auf dem Posten. "Fiete ist ein gutes Talent. Wenn er weiter hart an sich arbeitet, dann kann er ein guter Spieler werden. Natürlich lebt er gerade seinen Traum, aber er ist auch erst 17 Jahre alt, hat mit der Schule andere, wichtigere Dinge im Kopf und wir tun gut daran, ihn nicht zusätzlich zu pushen. Ich kenne das ja selbst in jungen Jahren aus meiner Zeit in Bremen", mahnte Mitspieler Aaron Hunt den neuen HSV-Hoffnungsträger zur Besonnenheit. Hunt debütierte 2004 bei Werder Bremen als 18-Jähriger und galt damals auch als großes Talent, konnte die hohen Erwartungen aber nie vollends erfüllen.

Im Nordderby gegen Bremen feierte Arp sein Bundesliga-Debüt
Im Nordderby gegen Bremen feierte Arp sein Bundesliga-Debüt © imago / Ulmer

Nächstes Jahr steht das Abitur an

Arp, der im nächsten Jahr sein Abitur machen wird, ist mit seinen zwei Toren jetzt schon der treffsicherste HSV-Spieler und das, obwohl der Angreifer erst 125 Bundesliga-Minuten auf dem Buckel hat. Die restlichen acht der zehn Hamburger Saisontore verteilen sich auf acht verschiedene Spieler. Übrigens, nur der Dortmunder Christian Pulisic und der damalige Stuttgarter Timo Werner erzielten ihre ersten beiden Bundesliga-Tore in einem noch jüngeren Alter als Arp.

>>> Jann-Fiete Arp zwischen Profifußball und Schule

Der Hochgelobte hat sich unheimlich schnell an das Tempo in der Bundesliga gewöhnt und ist schnell zu einer echten Sturmalternative beim HSV gereift. "Fiete ist jetzt seit ein paar Monaten bei uns. Er hatte zu Beginn Schwierigkeiten im Männerfußball, aber wird mittlerweile von Training zu Training besser und stellt auch den Körper besser dazwischen. Dazu hat er natürlich ohnehin einen sehr guten und gefährlichen Abschluss. Den hätte ich auch gern", lachte Teamkamerad Dennis Diekmeier. Der Rechtsverteidiger hätte am Samstag seine Torlos-Serie von 191 Spielen beenden können, doch es sollte wieder einmal nicht sein. Dennoch spielte Diekmeier stark und legte zwei der drei Hamburger Tore auf.

Arp: "Das war ein geiles Spiel"

Zu später Stunde am Samstagabend meldete sich Jann-Fiete Arp dann übrigens doch noch über die vereinseigene Homepage des HSV zu Wort und erklärte: "Das war ein geiles Spiel und ich bin überglücklich, dass wir endlich drei Punkte geholt haben. Der Ball rollte bei meinem Tor noch ewig lange und ich dachte schon, er geht nur an den Pfosten... Aber er ist reingesprungen und die Nordtribüne ist explodiert. Ein übertrieben guter Moment." Solche Momente wird es für Arp noch des Öfteren geben, denn die Zukunft gehört zweifelsohne dem jungen Hamburger, der sich aber norddeutsch nüchtern gibt. "Ich habe hier eine riesige Chance und freue mich total ein fester Bestandteil des Bundesliga-Kaders zu sein. Der Rummel wird mir ehrlich gesagt schon etwas unheimlich. Ich möchte mich momentan einfach nur auf den Fußball konzentrieren."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage