Köln - Fünf Monate sind eine lange Zeit im Profifußball. In diesem Zeitraum können die Transfer-Pläne eines Vereins oftmals Wendungen von 180 Grad nehmen. Nicht so, wenn es um den Transfer von Bakery Jatta geht. Auf ihn hat der Hamburger SV fünf Monate gewartet.

Gerade einmal ein Jahr lang ist Jatta jetzt in Deutschland. Und doch hat er schon für großes Aufsehen gesorgt. Kaum war er hier, da hatte er schon das Interesse mehrerer Bundesliga-Vereinen geweckt. Etwa von Werder Bremen, wo er zu Probe trainierte. Doch der Verein, der letztlich das Rennen um seine Dienste gewann, war der HSV.

Beachtlich, dass dieser Junge schon mit 17 Jahren mehrere Bundesliga-Verantwortliche in Verzückung versetzen konnte. In seiner Heimat Gambia, so heißt es, hat er schließlich nie in einem Fußballverein gespielt. Vor seiner Ankunft in Deutschland hatte er zudem keine leichte Zeit zu bewältigen. Jatta, der ohne Eltern aufwuchs, legte tausende Kilometer zurück, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. "Ich wusste, dass ich diesen schwierigen und gefährlichen Weg der Flucht auf mich nehmen musste, wenn ich die Chance auf eine Zukunft haben wollte", erklärte er in einem Interview, das der HSV anlässlich seiner Verpflichtung veröffentlichte.

Als Jatta in Deutschland ankam, wurde er in der Akademie von Lothar Kannenberg aufgenommen. Der ehemalige Boxer hilft in seiner Jugendhilfeeinrichtung nicht nur kriminellen Jugendlichen bei der Resozialisierung, sondern unterstützt auch Flüchtlinge bei ihrer Eingliederung in eine für sie fremde Gesellschaft.

In Kannenbergs Akademie steht Sport auf dem täglichen Programm. Und dort fiel Jattas großes Talent für den Fußball schnell auf. Praktisch, dass Kannenberg auch einige Kontakte in den Fußball hat. So kam Jatta zu einem eigenen Berater, der ihm zum Probetraining in Bremen und Hamburg verhalf.

"Besondere Atmosphäre gespürt"

Beim HSV fühlte sich Jatta schnell wohl. "Als ich das erste Mal in Hamburg und beim HSV war, habe ich eine sehr besondere Atmosphäre gespürt", berichtet Jatta. "Dietmar Beiersdorfer und Bruno Labbadia waren freundlich, hilfsbereit, interessiert – und all das, obwohl ich noch nicht ein einziges Mal mit der Mannschaft trainiert hatte."

Trainer Labbadia und der Vorstandsvorsitzende Beiersdorfer waren sich schnell einig, dass sie Jatta unter Vertrag nehmen wollen. FIFA-Statuten erlaubten eine Verpflichtung allerdings erst mit Erreichen der Volljährigkeit. Und so dauerte es noch bis zum Juni, ehe Jatta 18 wurde und seinen Vertrag unterschreiben konnte. Beiersdorfer war erfreut, den Transfer unter Dach und Fach gebracht zu haben: "Wir sind von seinen Fähigkeiten überzeugt und werden ihm alle Unterstützung geben, die er benötigt, um sich sportlich und sozial in Hamburg und beim HSV einzubringen und die ersten Schritte im Profifußball zu machen."

Jattas neue Heimstätte im Video:

Wo auf dem Feld Jatta in Zukunft spielen soll, ist noch nicht klar. Eine genaue Position wird noch zu bestimmen sein. Klar ist bisher nur, dass Labbadia ihn in der Offensive einplant. Passend, schließlich nannte Jatta gegenüber der Süddeutschen Zeitung den Brasilianer Neymar sein "Idol". Auch Mario Götze habe ihm imponiert, als dieser damals den Sprung aus der Jugend von Borussia Dortmund zu den Profis schaffte, ließ Jatta wissen.

Nun will er selbst durchstarten. Die Zeit des Wartens ist vorbei. Wenn die neue Bundesliga-Saison am 26. August beginnt, bekommt er die Chance zu zeigen, dass sich Geduld auszahlt.

Tim Müller

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