Das Wundenlecken nach der Pleite bei Borussia Dortmund fällt beim Hamburger SV diesmal kürzer aus. Der Blick geht nach vorn - und das liegt nicht zuletzt am prominenten Neuzugang. Ruud van Nistelrooy elektrisiert die ganze Hansestadt, bevor er überhaupt da ist.

Natürlich war die 0:1-Niederlage gegen den BVB ein Thema. Natürlich ärgerten sich die Spieler, ausgerechnet bei einem direkten Rivalen die Punkte gelassen zu haben, dem man nun obendrein noch den vierten Platz überlassen muss.

"Man sollte uns nicht abschreiben"

"Wir waren nicht konzentriert genug, haben ein dummes Gegentor kassiert und auch keine gute Mannschaftsleistung gezeigt", schüttelte Dennis Aogo enttäuscht den Kopf.

Zu viele Fehler hatte Bruno Labbadia bei seiner Elf ausgemacht, die in der Summe zur ersten Auswärtsniederlage der "Rothosen" in dieser Saison führten. "Uns haben diesmal die spielerischen Mittel gefehlt. Und mit Gewalt ging s auch nicht", kritisierte der Trainer.

Aber so richtig wollten die Spieler die Köpfe nicht hängen lassen. "Man sollte uns nicht abschreiben, nur weil wir ein Spiel verloren haben", warnte Jerome Boateng. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass die lange Durststrecke mit etlichen Ausfällen sich langsam dem Ende zuneigt.

Hoffen auf den "königlichen" Neuzugang

Gegen Dortmund konnte Eljero Elia sein Comeback feiern, Boateng war nach seiner Rotsperre wieder dabei und auch Jonathan Pitroipa stand nach dem Abenteuer Afrika-Cup wieder auf dem Rasen.

Vor allem aber ist nicht nur bei den Fans, sondern auch in der Mannschaft die Vorfreude auf einen Mann unverkennbar, dem der Ruf einer eingebauten Torgarantie vorauseilt - Ruud van Nistelrooy.

Ob in Eindhoven, Manchester oder Madrid - der Niederländer war in allen europäischen Top-Ligen Torschützenkönig mit beeindruckender Quote. Dass ausgerechnet er die Sturmmisere des HSV lösen soll - es ist ein Coup, der die ganze Liga in Aufruhr versetzt.

"Ein Idol, zu dem man aufschaut"

Und auch wenn van Nistelrooy erst am Montag in Hamburg erwartet wird - der 33-jährige Stürmer ist seit der Bekanntgabe des Transfers am Samstagabend das beherrschende Thema. "Er steht für absolute Weltklasse und verfügt über einen unglaublichen Torriecher", freute sich Mladen Petric, der auch persönlich von dem Transfer zu profitieren hofft: "Die Verteidiger werden sich jetzt nicht mehr nur auf mich konzentrieren."

Für Kapitän David Jarolim ist van Nistelrooy "ein Instinktfußballer, der ganz genau weiß, wo das Tor steht". Und junge Spieler wie Botang sehen in dem welterfahrenen Niederländer schlicht "ein Idol, zu dem man aufschaut".

Mit dem Stürmerstar erhoffen sich die Hanseaten einen neuen Schub für die Bundesliga und die Europa League. Die Fans jedenfalls ordern schon jetzt Trikots mit der Nummer 22 und auch in der Mannschaft geht der Blick - trotz der Niederlage bei den "Schwarz-Gelben" - wieder nach vorn.

Top-Transfer soll "neue Kräfte" freisetzen

"Mit van Nistelrooy", meint Mladen Petric, "unterstreichen wir unseren Anspruch, dass wir in die Champions League wollen. Und so ein Transfer sorgt auch für neue Kräfte."

Wunderdinge sollte man von "Van the Man" oder "Van Gol", wie sie ihn in England und Spanien getauft haben, allerdings nicht erwarten, warnte Labbadia. "Er ist ein Top-Stürmer, aber wir müssen ihn jetzt erst einmal richtig fit bekommen."

Nach einer Meniskusoperation musste van Nistelrooy in diesem Jahr lange pausieren musste und quälte sich zuletzt mit einer Zerrung. Für Real Madrid kam er in dieser Saison daher nur zwölf Minuten zum Einsatz - und erzielte dabei ein Tor.

Labbadia will van Nistelrooy langsam ranführen

Beim HSV soll der 33-Jährige nun behutsam aufgebaut werden. In der Startelf gegen den VfL Wolfsburg wird er am Freitag auf keinen Fall stehen, legte sich der Trainer schon fest: "Wir werden es nicht übertreiben, er wird zunächst Teileinsätze bekommen."

Mittelfristig aber, davon ist auch Labbadia felsenfest überzeugt, "wird van Nistelrooy uns ganz sicher weiterhelfen". Oder um es mit den Worten von Frank Rost in Anspielung an die Auftritte von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong und Co. zu sagen: "Ein Holländer in Hamburg, das passt doch immer ganz gut." Der HSV hat wieder einen Hoffnungsträger.

Dietmar Nolte