Hamburg - Der Hamburger SV will sich mit dem drohenden Abstieg in die 2. Bundesliga einfach nicht abfinden. Zum wiederholten Male in dieser Saison rettete der Bundesliga-Dino die Chance auf den Klassenerhalt und kämpfte sich trotz eines Rückstandes zurück in die Partie gegen den Karlsruher SC.

Diesmal war es Ivo Ilicevic, der dem HSV Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt macht. Durch das 1:1 im Hinspiel gegen den KSC, wird die Spannung in der Relegation in höchstem Maße hoch gehalten.

Ausgerechnet Ilicevic

Ruhig und sachlich schilderte Ivo Ilicevic den vielen Journalisten in der Mixed-Zone der Hamburger Imtech Arena wie es zu seinem Ausgleichstor gekommen war. "Ich habe immer an meine Chance geglaubt", so Ilicevic. Der Kroate wurde zur Winterpause ausgemustert und durfte nicht einmal mit ins Wintertrainingslager des HSV im Januar nach Dubai fahren. Stattdessen spielte er in der Regionalliga-Mannschaft und sollte sich dort die nötige Spielpraxis holen.

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Der 28-Jährige haderte aber nicht mit seinem Schicksal und nahm die Situation an. „"Jetzt hat er vielleicht das wichtigste Tor seiner Karriere geschossen", erklärte HSV-Kapitän Johan Djourou nach dem Spiel. Auf der HSV-Bank hatten die Ersatzspieler auch schon eine Vorahnung, dass Ilicevic treffen würde. "Wir haben auf der Bank gesagt, Ivo ist gut drauf, über ihn könnte etwas gehen", so der eingewechselte Dennis Diekmeier. Auch Sportchef Peter Knäbel freute sich über das Tor des Kroaten. "Ivo war der mutigste und effizienteste HSV-Spieler."

Hennings-Treffer lähmt HSV-Spiel

Der Karlsruher SC spielte schnell den "Partycrasher". Ausgerechnet der Ex-HSV-Spieler und ehemaliger St. Pauli-Spieler Rouwen Hennings besorgte die Gäste-Führung nach nur vier Minuten mit einem satten Linksschuss. "Die Lähmung des frühen Gegentreffers hat lange angehalten", konstatierte Knäbel und auch Heiko Westermann, der im Rückspiel gelbgesperrt fehlen wird, gab zu, "dass der Schock tief saß und wir am Ende mit dem 1:1 zufrieden sein müssen." Man sah den Rothosen förmlich die Angst an, denn besonders in der ersten Hälfte spielte der HSV alles andere als souverän. Viele Fehlpässe kennzeichneten in den ersten 45 Minuten das Spiel der Norddeutschen. Bis auf eine gute Kopfballchance von Ivica Olic gleich zu Beginn fand der HSV in der Offensive nicht statt.

"Es war richtig, dass das Trainerteam in der Halbzeit nicht auf die Jungs eingeprügelt hat, sondern sie an das erinnert hat, was gut gelaufen ist", so Knäbel. Und in der Tat wurde das Spiel der Hamburger in der zweiten Halbzeit besser. Riesenglück hatten die Hanseaten allerdings in der 52. Minute, als zunächst Manuel Torres aus fünf Metern nur die Latte traf und kurz danach Dimitrij Nazarov aus der Distanz nur den Querbalken malträtierte. "Wir sind geduldig geblieben und haben dann noch den Ausgleich gemacht, das war sehr wichtig", erklärte Djourou und freute sich besonders, dass Ilicevic den Treffer markierte. "Er hat mit sehr viel Mut gespielt und er hat sich nie hängen lassen."

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Labbadia trifft in der Halbzeit den richtigen Ton

Trotz des mageren 1:1 und der leicht besseren Ausgangslage für den Karlsruher SC gehen die Hamburger mit Selbstvertrauen ins Rückspiel am kommenden Montag. "Wir sind die bessere Mannschaft und haben es immer noch in der eigenen Hand", so der Schweizer Djourou. "Jetzt haben wir ein Endspiel. In Karlsruhe wollen wir dann in Führung gehen und das Spiel lange offen gestalten", erklärte Westermann. Er wird im Rückspiel wahrscheinlich von seinem Teamkollegen Dennis Diekmeier ersetzt. "Wir hatten katastrophale Ballverluste und bei einem dieser Ballverluste habe ich mir die Gelbe Karte eingehandelt. Das ist bitter, aber Dennis wird mich gut vertreten."

Auch Gojko Kacar wird im Wildpark fehlen. Eine Chance für Rafael van der Vaart? Der Niederländer machte sich fast die gesamte zweite Halbzeit an der Torauslinie warm und wartete vergebens auf seinen Einsatz. Vielleicht wird er zum Retter seines HSV im seinem definitiv letzten Spiel für den Club.

Trainer Bruno Labbadia sagte auf der abschließenden Pressekonferenz: "Wir liegen immer am Boden, stehen immer auf, deshalb sollte man uns nicht abschreiben." Der Bundesliga-Dino lebt noch und will seine allerletzte Chance am Montag beim Schopfe packen.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage