"Van the Man" absolvierte in der spanischen Primera División für Real Madrid 68 Partien und erzielte 46 Tore
"Van the Man" absolvierte in der spanischen Primera División für Real Madrid 68 Partien und erzielte 46 Tore
Bundesliga

Hamburg wartet weiter auf den Edel-Knipser

Die Hansestadt ist im "Van the Man"-Fieber: Bei der Vorstellung des neuen HSV-Stürmerstars Ruud van Nistelrooy waren im Pressekonferenzraum der HSH Nordbank Arena mehr als 200 Medienvertreter anwesend, um sich ein erstes Bild vom Niederländer zu machen.

Auf den ersten Einsatz des neuen Knipsers müssen sich die HSV-Fans zwar noch etwas gedulden. "Ruud wird, wenn niemand mehr ausfällt, in Hamburg bleiben. Die gewonnene Woche wird ihm gut tun, er sieht es ähnlich. Noch haben wir keine englischen Wochen. Wir sollten diese Phasen der geringeren Belastung nutzen", begründete HSV-Trainer Bruno Labbadia seine Entscheidung vor der Partie beim 1. FC Köln am Samstag.

Titel um Titel

Wenn van Nistelrooy dann aber erstmals das Trikot der Hanseaten überzieht, wird er versuchen, seiner imposanten Karriere ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.E hat vor allem eine Aufgabe: Tore schießen!

Und, dass er genau weiß, wo das Tor steht, das bewies der Angreifer bei seinen bisherigen Stationen mehr als eindrucksvoll. Drei Mal war Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij, wie der Niederländer mit vollem Namen heißt, Top-Torjäger der Champions League (2002, 2003 und 2006).

Nicht nur seine Leistungen in der europäischen "Königsklasse" waren außergewöhnlich, auch seine sonstigen Erfolge können sich mehr als sehen lassen: Torschützenkonig in den Niederlanden, in England und in Spanien und damit als einziger Spieler Gewinner der Torjägerkanone in drei europäischen Top-Ligen. Zudem zweifacher niederländischer Meister mit dem PSV Eindhoven, ein Mal englischer Meister mit Manchester United, sowie zwei Mal spanischer Meister im Trikot von Real Madrid.

Verstärkung für den drittbesten Angriff der Bundesliga

Der nächste Karriereschritt führt den Stürmer nun also nach Hamburg: "Der HSV hat eine gute, eine junge Mannschaft, die sich noch sehr weiterentwickeln kann. Und ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass hier nach langer Zeit wieder ein Titel gewonnen wird", erklärte van Nistelrooy seine Ambitionen bei der ersten Pressekonferenz.

Einen wie ihn, können die Hamburger gebrauchen, auch wenn der HSV gemeinsam mit dem Nord-Rivalen Werder Bremen die drittbeste Offensivreihe der Bundesliga stellt. 37 Mal trafen die Spieler mit der Raute auf der Brust in dieser Saison bereits ins gegnerische Netz.

Mangelware Stürmertore

Allerdings jubelte der Traditionsverein im letzten Heimspiel gegen Wolfsburg erst in der Schlussminute - zuvor in Dortmund blieben die "Rothosen" sogar gänzlich torlos. Zudem wurden nur zwei der vergangenen neun HSV-Tore von einem Stürmer erzielt. Tunay Torun markierte in Nürnberg am 16. Spieltag das 3:0, Mladen Petric traf zum 2:0 beim Rückrundenauftakt gegen den SC Freiburg.

Auffällig ist weiterhin, dass die Hamburger nur drei ihrer 37 Treffer per Kopf markierten. Van Nistelrooy könnte hier mit seinen 1,88 Meter Körpergröße sicher Abhilfe schaffen - für ManUtd erzielte er 20 seiner insgesamt 150 Pflichtspieltore per Kopf.

Strafraumstürmer van Nistelrooy

Auch die Chancenverwertung der "Rothosen" - mit 15,6 Prozent immerhin viertbester Wert im Ligavergleich - erscheint im Vergleich mit der Effizienz des Niederländers jedoch schier verschwenderisch: Van Nistelrooy münzte in seinen vier Spielzeiten für Real Madrid immer mindestens 30 Prozent seiner Schüsse, die aufs Tor kamen, auch in Treffer um. Seine Schussgenauigkeit lag jeweils bei erstaunlichen 70 Prozent. Zwei weitere Wahnsinnsquoten, die die Statistiken für den 33-Jährigen ausweisen!

Die "Rauten-Kicker" schossen mit zwölf Toren ligaweit die meisten Treffer aus der Distanz - damit war fast jedes dritte HSV-Tor ein Schuss von außerhalb des Strafraums. Tore im Sechzehner sind dagegen die große Qualität vom neuen Knipser van Nistelrooy. Die "Tormaschine" erzielte in der Zeit bei Manchester United von 2001 bis 2006 in 219 Pflichtspielen schier unglaubliche 150 Tore - aber nur eines aus der Distanz. Klingt nach einer optimalen Kombination und einer perfekten Ergänzung für das Spiel des Tabellenfünften.

"Ein sensationeller Spieler, der uns ungemein hilft"

Die Frage nach dem wann genau "Van Goal" das erste Mal in der Bundesliga auf Torejagd geht, bleibt noch offen. Am Dienstag stand zumindest die erste Einheit mit der Mannschaft auf dem Programm, nachdem er sich zuvor alleine fit halten musste.

HSV-Trainer Bruno Labbadia war zuerst einmal froh, seinen neuen Star im Mannschaftstraining begrüßen zu können, schränkte dennoch ein: "Wir lassen uns die Zeit, die wir brauchen. Wir müssen nun sehen, wie Ruud die eine oder andere Einheit verkraftet, wie der Körper reagiert."

Die Mitspieler zeigten sich trotz der Euphoriebremse des Trainers erfreut über ihren neuen Kollegen im Mannschaftstraining: "Ruud macht einen unglaublich positiven Eindruck auf mich, wirkte schon erstaunlich spritzig. Wie auch Zé Roberto ist er ein sensationeller Spieler, der uns ungemein hilft", sagte Marcell Jansen.

Köln oder Stuttgart - Hauptsache Bundesliga

Und auch van Nistelrooy zeichnete bei seiner Vorstellung vor den 200 Reportern ein positives Bild von sich: "Jetzt habe ich einen neuen Start hier in Hamburg. Meine Ambitionen passen zum HSV. Es wird eine schöne Erfahrung, in der Bundesliga zu spielen, einer der stärksten Ligen Europas."

Die einzige Frage, die den Fans des HSV und der Bundesliga noch bleibt, ist wann "Van the Man" das erste Mal im Trikot mit der Raute auf dem Rasen aufläuft - doch schon am Samstag gegen Köln, in der Woche darauf in Stuttgart oder muss die Premiere noch weiter verschoben werden?

Sebastian Bisch