Nach dem lockeren Sieg 3:0-Erfolg beim NEC Nijmegen richtet der Hamburger den Blick gleich wieder auf die Wochen der Wahrheit im Titelrennen der Bundesliga.

"In dieser Saison wird es noch schwer genug. Da ist es gut, dass wir das Spiel so souverän über die Bühne gebracht haben", sagte Keeper Frank Rost. Im HSV-Lager wollte man sich nicht lange aufhalten mit dem ungleichen Duell beim Tabellenneunten der Ehrendivision, schließlich steht am Sonntag schon das weitaus schwierigere Aufeinandertreffen mit dem Meisterschaftsrivalen Bayer Leverkusen vor der Tür.

HSV noch in drei Wettbewerben im Rennen

"Das wird ein heißes Spiel. Dort müssen wir genauso die Einstellung auf dem Platz bringen, um was zu holen", äußerte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer und forderte volle Konzentration auf das Gastspiel in Düsseldorf.

Schließlich winkt bei einem Sieg unter Umständen sogar der Sprung an die Tabellenspitze, doch beim HSV ist man hungrig auf mehr. "Am Ende der Saison fragt niemand, wer am 21. Spieltag Tabellenführer war. Schöner ist es, zum Schluss oben zu stehen", sagte Torjäger Mladen Petric und meldete Titelambitionen an.

In der Tat ist die Aussicht auf einen Titel so groß wie seit 22 Jahren nicht. Meisterschaft, DFB-Pokal, UEFA-Pokal - der HSV tanzt auf drei Hochzeiten. Doch Trainer Martin Jol dämpft die hohen Erwartungen: "Realistisch ist, dass wir im DFB-Pokal was holen können. Im UEFA-Pokal sind so viele starke Mannschaften. Da kann man viel verlieren." Aber auch Geld verdienen, wie Aufsichtsratschef Horst Becker anmerkte: "Jetzt bringt jede Runde zwei Millionen Euro."

NEC sieht sich chancenlos

Und dass der HSV beim Rückspiel am kommenden Donnerstag das Achtelfinale erreicht, darüber gibt es keine Zweifel. Dafür waren die Niederländer viel zu schwach. Die Treffer von Piotr Trochowski (41.), Alex Silva (45.) und Ivica Olic (75.) waren vor 12.500 Zuschauern im ausverkauften Goffertstadion die logische Folge eines einseitigen Spiels und bedeuteten den ersten Auswärtssieg des früheren Europapokalsiegers in den Niederlanden seit dem 30. September 1981.

"Wenn das noch schiefgehen sollte, wäre das Doofheit. In den letzten Wochen waren wir schon doof genug, wir haben unsere Lehren aus dem Karlsruhe-Spiele gezogen", sagte Collin Benjamin und erinnerte an die 2:3-Niederlage beim KSC nach einer 2:0-Führung.

Große Gegenwehr ist aber nicht mehr zu erwarten. "Es ist erledigt. Vier Tore in Hamburg zu schießen, ist nicht realistisch. Wir können unsere CD's rausholen und auf die Reeperbahn gehen", meinte NEC-Coach Mario Been. Dabei war die Vorfreude in der 162.000 Einwohner zählenden Stadt so groß, dass sogar schon ein Lied für das Spiel gegen den HSV komponiert worden war.