"Wir holen den UEFA-Cup und wir werden Deutscher Meister", skandierten die HSV-Fans in der 85. Minute im Spiel gegen Manchester City. Gerade auf europäischer Bühne ist dieser Gesang bei den Anhängern deutscher Vereine eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch im Falle des HSV könnten die Prophezeiungen Wirklichkeit werden.

Mit einem beeindruckenden und souverän herausgespielten 3:1 gegen ManCity hat der HSV das Tor zum Halbfinale im UEFA-Pokal weit aufgestoßen. Und in der Bundesliga können die "Rothosen" mit einem Sieg in Stuttgart (ab 16:30 Uhr im Live-Ticker und Liga-Radio) mit Tabellenführer VfL Wolfsburg gleichziehen.

"Unser Selbstvertrauen ist unglaublich"

In der Hansestadt ist der Titelhunger groß. Denn der letzte große Erfolg liegt schon 22 Jahre zurück. 1987 gewann die Mannschaft um Trainer Ernst Happel mit einem 3:1 gegen die Stuttgarter Kickers den DFB-Pokal.

Nach dem fünften Pflichtspielsieg in Folge träumen die Spieler und die Fans vom großen Coup. "Unser Selbstvertrauen ist unglaublich. Es ist so groß, dass wir glauben, dass wir kein Spiel mehr verlieren werden - sondern nur noch gewinnen", sagte Abwehrchef Joris Mathijsen.

Der Sieg gegen Manchester hatte für den Niederländer sogar etwas Magisches. "In diesem Spiel ist mit uns etwas Besonderes passiert. Man kann es kaum beschreiben. Wir gehen auf den Platz und machen - und dann gelingt es", schwärmte Mathijsen nach dem Spiel.

Gegentreffer ohne Wirkung

Die Fans des Hamburger SV sind längst reif für den Titel. Den Gegentreffer von Manchester gleich in der ersten Minute der Partie schienen die Anhänger überhaupt nicht wahrgenommen zu haben. Frenetisch peitschten sie das Team von Trainer Martin Jol nach vorne. Die sonst als lautstark gefürchteten Anhänger der "Citizens" wurden förmlich niedergebrüllt.

Einer, der trotz des Erfolges weiterhin sachlich und ruhig analysiert, ist Trainer Jol. Mit dem Niederländer haben die HSV-Verantwortlichen vor der Saison allem Anschein nach genau den richtigen Mann geholt.

Vorzeitige Vertragsverlängerung?

Die Suche nach einem Nachfolger für Huub Stevens hatte zwar auch 177 Tage gedauert. Aber diese Geduld zahlt sich immer mehr aus. Kein Wunder, dass eine Vertragsverlängerung im Raum steht. "Wir ziehen die letzten Wochen der Saison jetzt durch. Dann setzen wir uns hin und regeln die Zukunft. Der Trainer weiß, wie sehr wir ihn schätzen", sagte Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

Jol baut beim HSV also schon nach kurzer Zeit an seinem Denkmal. Mit einem Sieg in Stuttgart kann er ein weiteres Stückchen hinzufügen und die Euphorie in Hamburg weiter schüren.

Michael Reis