Der ehemalige Nationalverteidiger Guido Buchwald ist Mitglied des Präsidiums der Stuttgarter Kickers
Der ehemalige Nationalverteidiger Guido Buchwald ist Mitglied des Präsidiums der Stuttgarter Kickers
Bundesliga

"Hätte nicht gedacht, dass der VfB schon so weit ist"

Stuttgart - Am vergangenen Wochenende war Guido Buchwald selbst im Stadion und genoss den Auftakt in die neue Bundesliga-Saison als Zuschauer der Begegnung Stuttgart gegen Schalke. bundesliga.de de hat sich mit dem Weltmeister von 1990 über den Start und über den erstaunlich starken Auftritt der Schwaben unterhalten und ihn um seine Einschätzungen vor dem Spitzenspiel Mönchengladbach gegen den VfB gebeten.

bundesliga.de: Herr Buchwald, die Bundesliga ist in ihre 49. Saison gestartet. Wie bewerten Sie den 1. Spieltag?

Guido Buchwald: Das war ein sehr positiver Start in die neue Bundesliga-Saison. Die Stadien waren voll, die Stimmung war gut, und es wurde guter Fußball geboten. Dazu gab es dicke Überraschungen wie den Sieg der Mönchengladbacher bei den Bayern. Das Niveau der Spiele war gut, das Drumherum, die Atmosphäre wie immer auch. Besonders imponiert haben mich die Dortmunder. Sie sind beinahe sensationell gut drauf. Das macht Laune, das macht Spaß und ist schön anzuschauen. Man muss neidlos anerkennen, dass sie im Moment tolle Fußballer in ihren Reihen haben. Der Start hat insgesamt gehalten, was man sich von ihm versprochen hat. Das macht Appetit auf mehr.

bundesliga.de: Auch Ihr ehemaliger Club, der VfB Stuttgart konnte positiv überraschen. War damit zu rechnen?

Buchwald: Nein, auch mit dem Sieg des VfB Stuttgart gegen Schalke 04 war nicht ohne weiteres zu rechnen. Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass er so auftrumpfen würde. Ich hatte wie viele andere auch so meine Bedenken, auch nachdem ich den VfB in der Vorbereitung beim 1:1 im Spiel gegen meine Kickers gesehen habe. (Buchwald gehört derzeit dem Präsidium der Stuttgarter Kickers an, die Red.) Da agierte die Mannschaft noch sehr schwerfällig. Gegen Schalke hat der VfB sehr schönen Fußball geboten. Die Leistung war sehr positiv. Ich hätte nicht gedacht, dass die Stuttgarter schon so weit sind.

bundesliga.de: Wie haben Sie die Leistung der beiden Stuttgarter Neuzugänge in der Startelf gesehen? Und wie gut hat die Mannschaft den Abgang von Christian Träsch verkraftet?

Buchwald: Die Neuzugänge Maza und William Kvist haben beide solide gespielt und ihre Leistung abgerufen. Es ist aber noch zu früh, nach einem Spieltag ihr Leistungsvermögen einzuschätzen. In diesem einen Spiel hat der VfB den Abgang von Christian Träsch gut kompensieren können. Er wurde nicht vermisst. Aber erst nach zehn, zwölf Spieltagen kann man das abschließend beurteilen.

bundesliga.de: Mit dem Spiel wurde auch das umbebaute Stutgarter Stadion eingeweiht. Wie hat Ihnen die Mercedes-Benz Arena gefallen?

Buchwald: In dem Stadion hätte ich auch gerne gespielt. Es herrschte eine tolle Atmosphäre in dem reinen Fußballstadion. Ich war vor dem Anpfiff im Innenraum und habe es genossen. Mit dem Publikum kann die Arena eine Festung werden. Ich habe mich von der Stimmung anstecken lassen.

bundesliga.de: Bei seinen bisherigen Stationen blieb VfB-Trainer Bruno Labbadia den Nachweis schuldig, langfristig erfolgreich arbeiten zu können. Gelingt ihm das nun in Stuttgart?

Buchwald: Ich traue Bruno Labbadia zu, dass er langfristig in Stuttgart arbeiten kann. Er wird von Fredi Bobic zu 100 Prozent unterstützt. Das Verhältnis zwischen Trainer und Management passt.

bundesliga.de: Kommen wir auf den Stuttgarter Gegner am Samstag zu sprechen. Wie beurteilen Sie die Borussia?

Buchwald: Lucien Favre hat aus den vorhandenen guten Spielern eine Mannschaft geformt. Sie spielt sehr diszipliniert und macht wenig Fehler. Da ist für mich eine klare Handschrift erkennbar. Er baut dort etwas Positives auf, er bringt die Mannschaft weiter.

bundesliga.de: Auch im vergangenen Jahr starteten die "Fohlen" gut und stürzten ab. Besteht die Gefahr, dass sich das wiederholt?

Buchwald: Der Sieg kann die Mannschaft tragen, er kann aber auch gefährlich sein, wenn sie jetzt nachlässt, weil sie glaubt, dass sie stärker ist als im Vorjahr. Aber es gibt einen Unterschied zum 6:3-Auswärtssieg in Leverkusen am 2. Spieltag des vergangenen Jahres. Diesmal hat die Borussia "nur" 1:0 gewonnen. Sie hat kein Gegentor bekommen. Und das ist die Basis für erfolgreichen Fußball.

bundesliga.de: Wie überraschend kam für Sie die Niederlage der Bayern?

Buchwald: Die Niederlage der Bayern hat mich sehr überrascht, weil die Mannschaft mit überragenden Einzelspielern gespickt ist. Das ist eine sensationelle Mannschaft. Daher bin ich überzeugt, dass sie sich schnell von der Pleite erholen und sich in der oberen Tabellenhälfte einreihen wird. Nach dem 1. Spieltag ist noch nichts passiert, erst nach sechs Spielen kann man eine erste Zwischenbilanz ziehen. Dann weiß man ungefähr, wo man sich einreihen wird.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski