München - Hannover 96 blickt auf einen Traumstart zurück. Nach sieben Spielen steht das Team von Trainer Mirko Slomka auf einem fantastischen 3. Platz. Am Samstag, im Spiel beim Rekordmeister FC Bayern (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio), erwartet das Überraschungsteam aus Niedersachsen nun aber eine echte Reifeprüfung, die zeigen wird, ob sich 96 nur in einem Zwischenhoch befand oder sich wie Mainz möglicherweise sogar auf Dauer oben halten kann. Ein fester Bestandteil der derzeitigen Erfolgself ist Außenverteidiger Konstantin Rausch.

Für Rausch, der schon zwei Treffer in der aktuellen Saison erzielte, ist der wichtigste Grund für den Höhenflug vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit. "Der Hauptpunkt ist, dass wir als Mannschaft einfach gut zusammen agieren. Wir sind fit, jeder rennt für den anderen."

"Das schnelle Spiel nach vorne ist unser Plus"

Bei der Partie gegen die kriselnden Münchner wollen Rausch und seine formstarken Defensivkollegen mit allen Mitteln verhindern, dass es zu einer ähnlichen Blamage wie in der vergangenen Saison kommt. Beim Auswärtsspiel in der Allianz Arena erlebte 96 eine seiner dunkelsten Stunden und ging mit 0:7 unter.

In der aktuellen Spielzeit steht Hannover auch dank Rausch hinten sicher (erst 8 Gegentore, der drittbeste Wert ligaweit) und baut auch taktisch auf diese Defensivstärke. Die Niedersachsen lassen den Gegner das Spiel machen und versuchen dann, eiskalt zuzuschlagen. "Wir stehen zwar mehr defensiv, aber wenn wir den Ball bekommen, kontern wir sehr gut. Das schnelle Spiel nach vorne ist unser Plus."

Im Idealfall kann Hannover seinen einzigen Erfolg bei den Bayern aus dem Jahr 2006 wiederholen, als 96 durch ein Huszti-Tor alle drei Punkte aus der bayerischen Landeshauptstadt entführte. Eine solche Sensation würde den Double-Gewinner der Vorsaison noch tiefer in den Schlamassel stürzen. Rausch weiß, dass das nicht einfach wird. "Wir fahren als Außenseiter nach München. Aber wenn wir aggressiv spielen, auf dem Platz wieder füreinander laufen und kämpfen und ein bisschen Glück haben, ist auch dort etwas zu holen", glaubt der 20-Jährige aber an die Stärke seines eigenen Teams.

Situation für einen Überraschungserfolg scheint optimal

Ein Blick auf die Tabelle, die vor der Saison wohl niemand in dieser Form erwartet hat, zeigt die vermeintlich "Kleinen" wie Mainz, Hannover und Freiburg, die den "Großen" wie Schalke oder dem FCB ordentlich den Rang ablaufen. "Es ist schon ein bisschen besser, zum jetzigen Zeitpunkt gegen die Bayern zu spielen. Sie werden sich über kurz oder lang sowieso wieder fangen und irgendwann wieder auf den ersten Plätzen stehen", schätzt Rausch die Lage ein. Die Möglichkeit also für Hannover, die Bayern gerade jetzt ärgern zu können?

Die Situation scheint denkbar günstig. Für Rausch lässt sich am jetzigen Tabellenbild auch ein längerfristiger Trend ausmachen: "Die kleineren Mannschaften haben einfach aufgeholt. Das hat sich im vergangenen Jahr schon angedeutet." Der vorsichtige Blick soll, geht es nach dem Abwehrspieler, allerdings immer zuerst nach unten gehen. "Die 'Großen' darf man nicht abschreiben, die werden immer zurückkommen. Wichtig ist, dass die 'Kleinen' bis dahin ihre Punkte gesammelt haben."

Denn selbst falls die 96er wirklich etwas Zählbares aus Bayern mitnehmen würden, ist es für Rausch "das Allerwichtigste, dass wir so schnell wie möglich die 40 Punkte erreichen." Eine Last-Minute-Entscheidung am letzten Spieltag soll es in dieser Saison nicht mehr geben; die Leistungen von Hannover sind dafür im Moment auch zu konstant.

"Wir machen unser eigenes Ding in München"

Dabei weiß auch Rausch, dass sich der Erfolg bei Hannover nicht von heute auf morgen eingestellt hat. Vor dem ersten Bundesligaspiel sah es sogar ganz und gar nicht gut aus bei 96: "Wir haben eine sehr harte Vorbereitung absolviert. Dann kam der Rückschlag durch das Pokal-Aus. Danach haben die wenigsten damit gerechnet, dass wir so einen guten Saisonstart hinlegen. Aber durch unsere Fitness und das Denken von Spiel zu Spiel kamen die Punkte."

Am Montag lief Rausch zusammen mit den Mainzer Überfliegern Lewis Holtby und Andre Schürrle für Deutschlands U21 auf und holte im Unterhachinger Generali Sportpark gegen die Ukraine einen 2:1-Erfolg. Wie man in München Punkte holt, weiß der Linksfuß jetzt. Auf die Frage, ob er sich von den Mainzer Kollegen, die bei Bayern einen 2:1-Sieg feiern konnten, Tipps geholt hat, wie dieses Husarenstück in der Bundesliga zu bewerkstelligen sei, verneint er lachend. "Die Jungs sind natürlich super drauf, aber wir sind als Mannschaft sehr gut aufgestellt und machen unser eigenes Ding in München."

Tim Tonner und Christoph Gschoßmann