Dortmund - Probleme mit der Chancenverwertung sind für den BVB nichts Neues. Meistens ist es trotzdem gut gegangen - dieses Mal aber hat Arsenal die Dortmunder hart bestraft und ihnen ein Musterbeispiel für Effizienz geliefert. "Es fühlt sich ungerecht an, aber Fußball ist eben ein Ergebnissport", haderte Jürgen Klopp nach der 0:1-Niederlage irgendwie ein bisschen mit seinen Spielern und dem Glück gleichermaßen. In den letzten beiden Gruppenspielen der Champions League steht die Borussia jetzt unter Zugzwang.

Als Mesut Özil nach 62 Minuten in den Dortmunder Strafraum flankte, standen für den BVB elf Torschüsse zu Buche. Für Arsenal nicht einer. Sekunden später hieß es nach Girouds Kopfballverlängerung und Ramseys Tor 0:1. "Pech beim Gegentor und bei zwei, drei eigenen guten Situationen kein Glück", bilanzierte Jürgen Klopp später. "Dann endet so etwas als gebrauchter Tag." Und der bescherte der Borussia die erste Heimpleite in der Königsklasse nach zuvor sieben Siegen in Folge.

BVB fehlt die letzte Konsequenz



Natürlich wäre Klopp kein guter Trainer, wenn er seiner Mannschaft nicht auch eigene Versäumnisse aufzeigen würde. Etwa die Tatsache, "dass wir es nicht konsequent zu Ende geführt haben. Wir hatten sehr gute Momente, haben es aber nicht geschafft, daraus die gleiche Anzahl an guten Torabschlüssen zu kreieren." Ähnlich sah es auch Roman Weidenfeller, der die fehlende Zielstrebigkeit in manchen Situationen anprangerte: "Da wollten wir es zu schön machen."

Zu keinem Zeitpunkt hatte der BVB dieses Mal so richtig sein gefürchtetes Offensivfeuerwerk zünden können wie noch vier Tage zuvor beim 6:1-Sieg über Stuttgart. Vielen Angriffen fehlte die Präzision im Passspiel, der Blick für den freien Mann oder auch die Konzentration im Abschluss. Das lag auch daran, dass nicht jeder Borusse gegen Arsenal seinen besten Tag erwischt hatte. Bei Marco Reus etwa war eher das krasse Gegenteil der Fall - ihm fehlte es an Kreativität und Durchsetzungsvermögen gleichermaßen. Auch Henrikh Mkhitaryan war dieses Mal eher Mitläufer als Ideengeber.

Klopp hofft - Alles noch möglich



Auf der andere Seite agierte Arsenal nicht nur als Meister der Effizienz, sondern vor allem defensiv sehr kompakt. "Die standen teilweise mit acht Mann 30 Meter vor dem eigenen Tor", wunderte sich Neven Subotic noch nach der Partie. Anders als im Hinspiel, als der BVB den Spitzenreiter der englischen Premier League zweimal überrascht hatte, hatte Arsene Wenger seiner Mannschaft dieses Mal ein Höchstmaß an Stabilität und Konzentration verordnet. "Es kam darauf an, keinen Fehler zu machen", stellte der Trainer nach dem Spiel fest. Genau das taten die Gunners auch nicht. Der BVB in der 62. Minute aber eben schon.

Die gute Ausgangsposition nach dem Sieg in London hat Dortmund jetzt verspielt. Arsenal und Neapel sind mit jeweils neun Zähler davon gezogen, der BVB stagniert bei sechs Punkten. Ein wenig schwang daher auch das Prinzip Hoffnung mit, als Jürgen Klopp über die Perspektiven seiner Mannschaft sprach: "Die positivste Nachricht ist, dass wir mit zwei Siegen in die nächste Runde einziehen. Dass dies nicht wahnsinnig leicht ist, ist uns auch bewusst, aber es ist möglich!"

Sahin: "Letzten beiden Spiele gewinnen"



Zuhause gegen die Italiener und auswärts in Marseille muss die Borussia noch antreten. "Wenn wir die beiden letzten Gruppenspiele gewinnen, dann sind wir durch. Das ist auch unser Anspruch", versuchte Nuri Sahin alle Zweifel zu verscheuchen. Und schickte dem gerade siegreichen Gegner noch einmal schöne Grüße hinterher: "Auch Arsenal muss die letzten beiden Spiele gewinnen, um weiterzukommen."

Arsene Wenger ist das durchaus bewusst, zumal Dortmund dank des 2:1-Sieges in England am Ende bei Punktgleichheit zumindest im direkten Vergleich die Nase vorn hätte. Neapel, Arsenal oder der BVB also? "Eine dieser drei Mannschaften wird in der Gruppe einen hohen Preis zahlen müssen", stellte Wenger mit Stirnrunzeln fest, "ich hoffe, dass das nicht wir sind." Ein Satz, den Jürgen Klopp so auch sofort unterschreiben würde.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte