"Wir wollen wieder mit Vollgas durch die Liga jagen", hat Jürgen Klopp vor der Saison angekündigt. Das hat bislang noch nicht wirklich gut funktioniert. Erst ein Sieg nach vier Spieltagen und fünf Punkte auf dem Konto sind nicht das, was man sich in Dortmund erhofft hatte.

Was gerade für einen emotionalen Menschen wie Klopp aber noch schwerer wiegt - der BVB ließ es zuletzt beim eher glücklichen 1:1 in Frankfurt an Leidenschaft fehlen.

"Die letzte Gier hat gefehlt"

"Uns hat die letzte Gier gefehlt", musste der Trainer erkennen. Bei der Eintracht habe man nach dem Ausgleich gemerkt, "dass da ein Schalter umfiel und die Jungs den Sieg wollten". Bei seinen eigenen Spielern hingegen, so Klopp, "war man nur darauf bedacht, das Remis zu verteidigen."

Vollgasfußball aber lässt sich ohne ein Höchstmaß an Leidenschaft, Laufbereitschaft und Einsatz nur schwer umsetzen. Das will der Coach seinen Spielern bis zur nächsten Partie deutlich vor Augen führen.

Und das hat in diesen Tagen auch der Sportdirektor seinen Profis noch einmal ins Stammbuch geschrieben. "In Frankfurt hat die Mannschaft zu wenig investiert. Man hat den Eindruck, alle Spieler denken, das macht der andere schon und ich muss mich nicht zu hundert Prozent engagieren."

Zu viele Gegentore

Mit mehr Temperament und neuer Begeisterung soll und will die Borussia in die Erfolgsspur zurückkehren. Und damit auch spielerische Defizite ausgleichen, die sich zum Saisonstart gezeigt haben.

Dabei liegt der Fokus vor allem auf der Abwehr, die in der Vorsaison noch das Prunkstück des BVB war. Nur 37 Gegentore kassierte die zweitbeste Defensive aller Clubs, zudem spielte die Borussia gleich 14 Mal zu Null. Jetzt stehen nach vier Spieltagen schon sechs Gegentreffer zu Buche. Eine höhere Anzahl verhinderte manches Mal nur Keeper Roman Weidenfeller.

Der kapitän wird schmerzlich vermisst

Dass der Dortmunder Defensive die Stabilität fehlt, liegt auch am langen Ausfall von Sebastian Kehl. Mit dem verletzten Kapitän fehlt eine Schlüsselfigur vor der Abwehr, die genau das verkörpert, was der Trainer in diesen Tagen so dringend sucht.

"Wenn er fit ist, hat er automatisch die Gier, am oberen Limit zu trainieren. Und wenn er fit ist, geht er brutal vorne weg", hat Jürgen Klopp im Gespräch mit bundesliga.de gelobt.

Die Bayern kommen

Aber auch in der Kreativabteilung hakt es noch; vieles bleibt Stückwerk. Die Mittelfeldraute mit Tamas Hajnal als Regisseur konnte bislang nur selten die nötigen Impulse geben und den Gegner anhaltend unter Druck setzen. Und auch in der Sturmspitze gibt es neben Licht auch Schatten.

Zwar ließ Nelson Valdez mit zwei Treffern lang ersehnte Torjägerqualitäten aufblitzen. Doch Lucas Barrios, als Welttorjäger aus Chile für die Frei-Nachfolge verpflichtet, wartet noch immer auf sein erstes Bundesligator.

Die nächste Chance dazu bekommt er wohl am 12. September. Dann kommen die Bayern.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte