Berlin - Chefcoach Markus Babbel von Hertha BSC war nach dem 2:2 gegen Mit-Aufsteiger Augsburg eher mäßig zufrieden mit der Leistung seiner Hauptstädter: "Uns ist es erst in der zweiten Halbzeit gelungen, mehr Druck aufzubauen. Nachdem wir sehr schlecht ins Spiel gekommen sind, war das auch nötig. Wir haben gelernt, dass wir am Anschlag spielen müssen, sonst gewinnen wir keine Spiele."

Nach dem frühen 0:1-Rückstand kämpfte sich die Hertha ab Wiederanpfiff ins Spiel zurück, die Torschützen zu zwischenzeitlichen Führung der Berliner hießen Christian Lell und Tunay Torun. Trotz allem sprang am Ende nur ein Punkt für die Gastgeber heraus. Torschütze Torun spricht im exklusiven bundesliga.de-Interview über die Sorgen eines Aufsteigers und seinen Wechsel von Hamburg nach Berlin.

bundesliga.de: Herr Torun, haben Sie sich schon eingelebt in Berlin?

Tunay Torun: Ja, die Mannschaft hat mich gut aufgenommen und Berlin ist auch eine tolle Stadt.

bundesliga.de: Nach dem Sieg in Dortmund heute nur 2:2 gegen Augsburg. Wie haben Sie die Partie gesehen?

Torun: Wir haben gerade in der ersten Halbzeit zu verhalten gespielt. Nach der Pause haben wir dann das 0:1 sehr schnell zum 2:1 gedreht. Da hätten wir nachsetzen müssen. Stattdessen haben wir ein dummes Tor zum 2:2 kassiert. Wir haben zwei Punkte verschenkt. Diese Nachlässigkeiten müssen wir abstellen.

bundesliga.de: Auch Sie wurden in der zweiten Halbzeit stärker. Es fiel auf, dass Hertha vor der Pause fast ausschließlich über die rechte Seite gekommen ist. Da hatten Sie auf ihrer linken Seite nicht allzu viele Ballkontakte.

Torun: Der Trainer hat uns darauf eingestellt, Augsburg über die Außenbahnen zu knacken. In der ersten Halbzeit sind wir vielleicht wirklich zu sehr oft über die rechte Seite gekommen. Da waren wir leichter auszurechnen als nach der Pause. Ab da haben wir variabler gespielt.

bundesliga.de: Sie haben zuletzt in Dortmund und gegen den VfB Stuttgart gewonnen. In beiden Partien diktierte der Gegner das Spiel. Hat die Hertha damit noch Schwierigkeiten?

Torun: Das scheint im Moment der Fall zu sein. Wenn der Gegner aufmacht, kommt das unserem Kombinationsspiel entgegen. Wir überbrücken das Mittelfeld schnell und haben vorne gefährliche Stürmer, die immer für ein Tor gut sind. Aber wir dürfen uns nicht allein auf unsere Konterstärke verlassen. Darauf können sich die Gegner einstellen. Wir müssen in der Lage sein, gerade vor eigenem Publikum das Spiel zu machen. Aber ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg. Wir lernen von Woche zu Woche dazu und haben noch viel Luft nach oben. Man darf nicht vergessen: Wir sind ein Aufsteiger.

bundesliga.de: Hertha hat 9 Punkte nach sechs Spieltagen. Sind Sie mit dem Saisonauftakt zufrieden?

Torun: Sehr. Weniger wegen der guten Tabellensituation. Dazu ist die Saison noch zu jung. Aber die Ergebnisse machen Mut. Spätestens seit dem Sieg in Dortmund wissen wir, dass wir uns vor niemandem fürchten müssen.

bundesliga.de: Also haben Sie keine Angst vor dem Spiel am kommenden Samstag in Bremen? Der Club ist ja nach dem Unentschieden in Nürnberg noch immer Tabellenzweiter.

Torun: Angst sowieso nicht. Wir haben beim Meister gewonnen und sind heute nach einem Rückstand zurückgekommen. Das müssen wir mitnehmen. Wir wissen, dass wir jeden Gegner schlagen können. Dafür müssen wir natürlich immer ans Limit gehen.

bundesliga.de: Sie haben ihren Treffer zum 1:2 sehr ausgelassen bejubelt.

Torun: Meine Mutter und mein Bruder waren extra aus Hamburg gekommen, um mich spielen zu sehen. Da habe ich mich wahnsinnig gefreut, dass ich bei ihrem Besuch im Stadion getroffen habe.

bundesliga.de: Sie sind in Hamburg geboren und haben seit der A-Jugend für den HSV gespielt. Haben Sie noch Kontakt zum Ex-Verein?

Torun: Natürlich, ich bin in Hamburg aufgewachsen und hatte eine sehr schöne Zeit beim HSV. Daher will ich dem Verein nichts schlechtes wünschen.

bundesliga.de: Der HSV hat gegen Mönchengladbach verloren, steht mit nur einem Punkt am Tabellenende. Kommt er aus dem Tabellenkeller wieder raus?

Torun: Da bin ich ganz sicher. Der Kader hat eine hohe Qualität. Den Jungs fehlt nur mal ein Erfolgserlebnis.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs