Etwa 1.750 verschiedene Fußballstadien hat Ansgar Spiertz schon selbst gesehen. In 83 Ländern, von Ägypten bis Zypern. Ansgar Spiertz ist Groundhopper, also ein Fußballfan mit dem Hobby, möglichst viele Spiele in verschiedenen Stadien zu sehen. Jedes seiner Spiele beschreibt und bebildert Spiertz ausführlich auf seiner Webseite groundhopping.de.

2006 führt ihn der Weg nach Südafrika, in das Ausrichterland der WM 2010. "Eigentlich wollte ich mit meiner Frau Almut und einem Bekannten in den nahen Osten nach Syrien und Libanon. Das hat sich zerschlagen und so haben wir uns für Südafrika entschieden. Zumal zu der Zeit auch die afrikanische Champions League stattfand. Aber wir hatten vorher gewisse Sicherheitsbedenken", erzählt Spiertz.

"Es gab überhaupt keine Probleme"

Bedenken, die sich während der zweiwöchigen Reise als unbegründet herausstellen sollten. "Wir haben Südafrika als sehr gastfreundlich erlebt. Überall wurde uns geholfen, es gab überhaupt keine Probleme. Natürlich haben wir uns auch an Empfehlungen gehalten, welche Orte man besser meiden sollte." Im Auswärtigen Amt hieß es in den Sicherheitshinweisen: "Südafrika verzeichnet eine hohe Kriminalitätsrate einschließlich hoher Gewaltkriminalität, vor allem in Großstädten."

Den ersten Spielbesuch erleben die drei Groundhopper zusammen mit 4.000 anderen Besuchern in Johannesburg. Im Spitzenspiel der 2. Liga "Mvela Golden League" treffen die Gastgeber BidVest Wits auf Vasco Da Gama aus dem gut 1.600 Kilometer entfernten Kapstadt.

Vuvuzelas und Tänze im Stadion

"Das ganze Spiel hörte man die langen südafrikanischen Tröten, die Vuvuzelas, die überall zu kaufen sind. Es wird auch nicht so angefeuert wie in der Bundesliga. Einmal fingen die Heimfans sogar an, zu einem getragenen Rhythmus fast gospelartig zu singen und zu tanzen", erinnert sich Spiertz. Genauso wie an den kuriosen Halbzeitdialog zwischen Stadionsprecher und Fans zur Halbzeit: "Do you enjoy the game?" - "No!" - "I promise it will be better in the second half! I promise you!" ("Gefällt Euch das Spiel?" - "Nein!" - "Ich verspreche Euch, dass es in der zweiten Halbzeit besser wird, ich verspreche es!").

Im benachbarten Swasiland, zwischen Südafrika und Mosambique gelegen, sehen die drei ein Spiel der Champions League. Den südafrikanischen Club Orlando Pirates unterstützen viele Gästefans aus dem etwa 600 Kilometer entfernten Johannesburg. Eine strikte Trennung der Fans sieht Spiertz nicht, auch Fans mit Trikots anderer Clubs oder in phantasievoller Ausstattung sind keine Seltenheit in den Stadien.

Besuch eines WM-Stadions

Die Verpflegung in den südafrikanischen Stadien haben die drei Deutschen als üppig und lecker erlebt. In großen Töpfen schmoren dicke Fleischstücke, dazu wird eine Art fester Grießbrei als Beilage und eine sehr würzige Soße gereicht.

Sportlicher Höhepunkt ist zweifellos der Besuch eines Erstligaspiels in einem der Stadien für die WM 2010: dem Loftus-Versfeld-Stadion in Pretoria. Allzu eilig haben es viele der 18.000 Fans allerdings nicht, die Partie zwischen Supersport United und den Orlando Pirates vollständig zu sehen; die Hälfte kommt in einem ständigen Strom erst bis kurz vor Anpfiff der zweiten Hälfte.

"Organisation wird viel straffer sein"

Das Loftus-Versfeld-Stadium präsentiert sich bereits 2006 in Top-Zustand. Der höchste Teil der Anlage ist die unüberdachte, doppelstöckige Gegenseite. Die ebenso wie die Hauptseite überdachten Hintertor-Tribünen verfügen sogar über fünf Ränge, auch von außen ist die Anlage mit ihren auffälligen Aufgängen ein Blickfang.

"Insgesamt sind deutlich mehr Schwarze als Weiße in den Stadien. Fußball ist in Südafrika eher ein Sport der Schwarzen. Ich habe aber nirgends Schwarze und Weiße so oft zusammen sitzen gesehen wie im Stadion. In Restaurants oder auf öffentlichen Plätzen habe ich das anders erlebt", meint Spiertz.

Ob 2010 eine ähnliche Atmosphäre herrschen wird, wie er sie Anfang 2006 in Südafrika empfunden hat, hält Ansgar Spiertz für fraglich: "Die Eintrittspreise der WM werden sich viele Einheimische sicher nicht leisten können. Die Organisation wird ganz sicher viel straffer sein und typisch südafrikanische Eigenheiten kaum zulassen."

Stefan Kusche