Hamburg/München - Für den Hamburger SV, und speziell für Paolo Guerrero, läuft es nach einer kurzen Schwächephase wieder wie am Schnürchen. Der HSV-Stürmer war beim 1:0-Sieg in Mainz, mit dem die Hanseaten den Spitzenreiter entthronten, der Matchwinner.

Im Interview mit bundesliga.de verrät der 26-Jährige, warum er sich bei seiner Tor-Ankündigung gegen Mainz so weit aus dem Fenster lehnte, wie er sich auf den Kracher gegen den FC Bayern einstellt und warum für ihn die Systemfrage keine Rolle spielt.

bundesliga.de: Herr Guerrero, Sie hatten vor dem Spieltag angekündigt, dass der HSV gegen Mainz gewinnen werde. Mit Ihrem Treffer hat es dann ja auch tatsächlich geklappt. Wieso waren Sie sich so sicher, dass die Punkte nach Hamburg gehen würden?

Paolo Guerrero:So wirklich sicher war ich natürlich nicht, das ist man nie. Zumal Mainz wirklich ein tolles Team hat. Die stehen nicht zufällig da oben. Es können auch so viele Dinge passieren während eines Spiels. Ich wollte mit meinen Aussagen nur unser Selbstvertrauen demonstrieren. Wir wissen, dass wir an einem guten Tag gegen jede Mannschaft bestehen können. Es war wichtig, dass den Worten auch Taten gefolgt sind.

bundesliga.de: Nach einer kleinen Schwächephase ist der HSV mit zwei Siegen in Folge gegen Kaiserslautern und Mainz wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Wie hat die Mannschaft die Trendwende geschafft?

Guerrero: Ich möchte gar nicht unbedingt von einer Schwächephase reden. Gegen Wolfsburg und Bremen haben wir ganz sicher nicht schlechter gespielt als zu Saisonbeginn gegen Schalke und Frankfurt. Nur die Ergebnisse stimmten nicht. Gegen Wolfsburg hatten wir 21 Torchancen, haben aber nur ein Mal getroffen. In Bremen haben wir einen 0:2-Rückstand aufgeholt, am Ende dann noch etwas unglücklich verloren. Wir haben große Qualität im Kader. Wir müssen es als komplette Mannschaft nur schaffen, sie auch regelmäßig abzurufen. Das ist das ganze Geheimnis.

bundesliga.de: Am Freitag steigt in Hamburg das Duell gegen den FC Bayern, der für seine Verhältnisse schlecht in die Saison gestartet ist, zuletzt gegen Hannover aber einen souveränen Sieg eingefahren hat. Befürchten Sie, dass die Münchner ausgerechnet jetzt durchstarten werden?

Guerrero: Warum sollte ich mich fürchten? Die Spiele gegen Bayern München gehören immer zu den Höhepunkten der Saison. Völlig egal, ob die vorher gerade zwei Mal gewonnen oder drei Mal verloren haben. Über die Form der Bayern mache ich mir vorher keine Gedanken. Wir werden am Freitag schon sehen was passiert. Wir haben jedenfalls richtig Lust auf das Spiel.

bundesliga.de: Bevor Sie zum HSV wechselten, standen Sie beim FC Bayern unter Vertrag. Haben Sie noch Kontakt zu einem Spieler aus dem aktuellen Bayern-Kader?

Guerrero: Natürlich gibt es noch Kontakte, aber nicht regelmäßig. Ich bin ja jetzt auch schon vier Jahre in Hamburg und habe hier meine Freunde. Trotzdem freue ich mich immer, die alten Jungs zu sehen. Die, die noch da sind. Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm. Ansonsten hat sich die Mannschaft im Laufe der Jahre ja auch nahezu komplett verändert.

bundesliga.de: Ist es ein zusätzlicher Anreiz, gegen sein Ex-Team zu spielen?

Guerrero: Spiele gegen Bayern machen besonders viel Spaß, das ist klar. Aber an meine Vergangenheit denke ich dabei nicht mehr.

bundesliga.de: Während der HSV zum Saisonbeginn meist mit nur einer echten Spitze agierte, ging man zuletzt zwei Stürmern in die Partien. Kommt Ihnen persönlich dieses System besser gelegen?

Guerrero: Für mich spielt das keine große Rolle. Beides hat Vor- und Nachteile. In der Spitze bist du logischerweise näher am Tor, kommst zu mehr Chancen. Etwas weiter hinten hat man die Möglichkeit das Spiel zu gestalten, der Weg in den Strafraum ist dann weiter. Es geht doch auch gar nicht so sehr ums System. In Mainz mussten wir durch verletzungsbedingte Ausfälle mit einer Raute im Mittelfeld spielen. Das konnten wir aufgrund der Abstellungen für die Nationalmannschaften nur einen Tag trainieren. Trotzdem haben wir unser bestes Saisonspiel gemacht, weil alle Gas gegeben haben.

bundesliga.de: Was trauen Sie dem HSV in dieser Saison, in der viele Top-Clubs schwächeln, zu? Ist vielleicht sogar der Meistertitel noch drin?

Guerrero: Leute, es geht doch gerade erst los. Die Preise werden erst am Ende der Rückrunde vergeben. Diese Erfahrung haben wir in den letzten Jahren doch leidvoll gemacht.

Die Fragen stellte Johannnes Fischer