"Zwei Minuten Hoffnung", beschrieb Armin Veh die Stimmung beim VfL Wolfsburg nach dem 1:3 gegen Manchester United im abschließenden Spiel der Champions-League-Gruppe B: "In Istanbul stand es noch 1:1, als bei uns Schluss war. Ein Tor für Istanbul, und wir sind weiter. Aber dann traf Moskau...".

"Wir hatten unsere Möglichkeiten, aber Manchester war einfach zu abgezockt. Die machen ihre Tore aus dem Nichts. Das macht eine große Mannschaft aus. Natürlich war das 0:1 kurz vor der Pause bitter, aber wir haben uns gesagt, wir spielen so weiter, wie in der ersten Hälfte. Wir waren doch gut", sagte Sascha Riether gegenüber bundesliga.de.

Keine Infos in der Pause

Dass ZSKA Moskau zur Pause bei Besiktas Istanbul 1:0 führte, erfuhren die VfL-Profis nicht. "Warum sollte ich sie nervös machen. Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit kontrolliert. Es gab keinen Grund, blind nach vorne zu stürmen, denn Istanbul hätte ja immer noch ausgleichen können", erklärte Veh.

Die Ordner seien zum Schweigen verdonnert worden, denn "wir wollten weiter kontrolliert offensiv spielen - und den Engländern nicht ins offene Messer laufen."

Überlegenheit nicht in Tore umgemünzt

Und die Statistik sprach für die Niedersachsen: Die Abwehr stand sicher und stellte die Spieler des englischen Meisters immer wieder ins Abseits. Der zu Recht nicht anerkannte Treffer von Daniel Welbeck in der 30. Minute war die 34. Abseitsentscheidung gegen Manchester - so häufig stand kein Team in der aktuellen Champions-League-Saison im Abseits.

22 der 29 Tore in der Liga erzielten die "Wölfe" in der zweiten Halbzeit. Entsprechend kam Hoffnung auf, als Edin Dzeko in der 56. Minute zum 1:1 traf.

Mit 10:1 Ecken und 9:4 Torschüssen hatte der Deutsche Meister am Ende in der Statistik die Nase vorn. Aber Michael Owens zeigte sich vor dem Tor eiskalt und schoss die "Wölfe" mit seinen drei Treffern ganz alleine ab.

"Vielleicht ja wieder eine deutsche Mannschaft"

"Es war sehr wichtig, dass wir hier den Gruppensieg klargemacht haben. Jetzt müssen wir warten, was uns das Los bringt. Vielleicht ja wieder eine deutsche Mannschaft", freute sich Darren Fletcher nach dem Spiel.

"Besonders unsere jungen Leute konnten zeigen, dass sie da sind, wenn es auf sie ankommt", lobte der 25-Jährige die "B-Elf", bei der Sir Alex Ferguson neben den Verletzten wie Edwin van der Sar, den Ex-Bundesliga-Profis Owen Hargreaves und Dimitar Berbatov sowie Abwehrchef Rio Ferdinand auch auf Stars wie Top-Torjäger Wayne Rooney und Gary Neville verzichtete.

"Der Rückstand hat viel Kraft gekostet"

"Wir sind sehr enttäuscht", beschrieb Torwart Benaglio die Stimmung in der Mannschaft: "Wir müssen die Niederlage schnell verarbeiten und uns ganz auf das Spiel gegen Dortmund konzentrieren."

"Ich bin überzeugt, dass wir gewonnen hätten, wenn wir in Führung gegangen wären. So mussten wir viel Aufwand betreiben, dem Rückstand hinterherzulaufen. Das hat viel Kraft gekostet", analysierte Veh.

"Außer der zweiten Halbzeit in Moskau haben wir in jedem Spiel stark gespielt. Wir müssen nur unsere Chancen besser nutzen und hätten viel mehr Punkte holen müssen. Wir sind tief enttäuscht", räumte der Coach ein, der aber auch positive Seiten sah: "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können.

Lob von Sir Alex

"Die Champions League ist abgehakt. Jetzt gilt es, neue Ziele zu setzen. Wir wollen in der Europa League weit kommen und auch in der nächsten Saison wieder international spielen, denn nur von den stärksten Mannschaften kann man lernen", blickte Veh nach vorne.

Und bekommt ein Lob aus berufenem Munde mit auf den Weg: "Bis vor ein paar Monaten habe ich nicht gewusst, wo Wolfsburg ist. Sie haben gut gespielt, und wir haben glücklich gewonnen", verabschiedete sich Manchesters Team-Manager Alex Ferguson aus der VW-Stadt.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs