Köln/Augsburg - Der FC Augsburg ist die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Die Schwaben stehen nach zuletzt vier Siegen in Folge sensationell auf Platz 3 und fordern nun im Topspiel Spitzenreiter Bayern München heraus (ab 15 Uhr im Live-Ticker).

Vor dem Derby spricht FCA-Kapitän Paul Verhaegh im Interview mit bundesliga.de über die Stärken seiner Mannschaft, die Ziele und die Chancen gegen den Rekordmeister.

bundesliga.de: Paul Verhaegh, der FC Augsburg steht nach 14. Spieltagen in der Bundesliga auf Platz 3. Mit welchen Gefühlen schauen Sie sich momentan die Tabelle an?

Paul Verhaegh: Das ist ein schönes Gefühl. Mit 24 Punkte nach 14 Spieltagen kann man durchaus zufrieden sein. Wir sind auf einem guten Weg, um unser Ziel 40 Punkte zu erreichen. Alles andere schauen wir dann später an.

bundesliga.de: Wie zufrieden waren Sie mit der Leistung beim jüngsten Sieg in Köln?

Verhaegh: Wir hatten am Ende das Quäntchen Glück, um dieses Spiel in der 90. Minute zu gewinnen. Wir haben uns anfangs schwer getan. Köln hat gut gestanden und viel Dampf gemacht. Wir haben uns im Laufe des Spiels aber immer mehr gesteigert, die nötige Passsicherheit bekommen und dann in der zweiten Halbzeit dominant gespielt. Wir waren viel am Ball, haben dann auch den verdienten Ausgleich gemacht. Am Ende waren wir der glückliche Sieger. Aber über 90 Minuten war der Sieg aber auch nicht unverdient. Wir wollten unbedingt etwas aus Köln mitnehmen und den Abstand auf Köln behalten.

"Kompensieren vieles über den Kampf und die Bereitschaft"

bundesliga.de: Der FCA hat nun vier Spiele in Folge gewonnen. Was macht die Stärke der Mannschaft aus?

Verhaegh: Wir spielen einfach unser Spiel. Ein Großteil der Mannschaft ist schon lange zusammen. Einige schon seit dem Aufstieg vor über drei Jahren. Wir sind daher eine eingespielte Truppe. Und man sieht auch, dass bei uns eine Mannschaft auf dem Platz steht. Ich habe das schon öfter angesprochen: Wenn man alle Mannschaften realistisch anschaut, sind wir nicht die Mannschaft mit der meisten individuellen Qualität. Ganz klar. Aber wir kompensieren vieles über den Kampf und die Bereitschaft, dem Mitspieler zu helfen. Wir haben uns fußballerisch in den Jahren enorm entwickelt. Deshalb können wir so auftreten wie in der zweiten Halbzeit in Köln und das Spiel in die Hand nehmen. Das ist unsere Spielauffassung.

bundesliga.de: Die Mannschaft wirkt gereift, spielt einen guten Fußball. Sie hat viele verschiedene Torschützen in dieser Saison, ist schwer ausrechenbar und taktisch flexibel. Wann wird die Zeit kommen, sich neue, höhere Saisonziele zu setzen?

Verhaegh: Erst wenn wir die 40 Punkte geholt haben. Vorher brauchen wir das Thema nicht ansprechen. Das Ziel für den Verein bleibt der Klassenerhalt. Wir sind immer noch ein kleiner Verein in der Bundesliga. Die Leistungen sind im Moment sehr gut. Alles andere kommt erst, wenn wir die 40 Punkte haben.

"Wollen in den letzten drei Spielen noch weiter punkten"

bundesliga.de: Augsburg hat nun vor den noch ausstehenden schweren Spielen gegen die Bayern, Hannover und Mönchengladbach bereits 24 Punkte auf dem Konto. War die Hinrunde schon jetzt erfolgreicher als erwartet?

Verhaegh: Es sind noch neun Punkte zu vergeben. Wir haben jetzt gegen die Bayern ein schönes Derby vor uns, in dem wir nichts zu verlieren haben. Für die Fans, die Stadt und natürlich auch für uns Spieler ist das ein Highlight. Wir haben das Vertrauen, wissen aber auch, dass wir für das Spiel einen überragenden Tag brauchen und die Bayern einen schlechten erwischen müssen, damit wir ein Ergebnis erzielen können. Wir nehmen das Spiel gerne an. Wir wollen in den letzten drei Spielen noch weiter punkten. So viel Selbstvertrauen haben wir. Die 24 Punkte bringen uns Ruhe. Aber wir sind eine Mannschaft, die sich nie ausruhen will. Wir wollen einfach so weiter spielen und noch Punkte holen.

bundesliga.de: In der letzten Saison konnte Augsburg die Bayern schlagen. Unmöglich ist es also nicht.

Verhaegh: Genau, da haben wir es geschafft und auch ein gutes Spiel gemacht. Es ist alles zusammengekommen. Wir brauchen nicht großartig über die Bayern zu reden. Jeder kennt die Mannschaft und weiß, welche Qualität sie hat. Wir brauchen einen Supertag, an dem alles passt. Nur dann haben wir eine Chance, dann können wir den Bayern das Leben schwer machen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski