Gelsenkirchen - Mit seinem Doppelpack hat Klaas-Jan Huntelaar nicht nur seine monatelange Torflaute beendet - der Stürmer brachte den FC Schalke 04 gegen den VfB Stuttgart vor allem auch auf die Siegerstraße zurück, als die Stimmung auf dem Platz und auf den Rängen gerade zu kippen drohte.

Nach dem 3:2-Erfolg sprach Huntelaar in der Mixed-Zone über seine persönliche Durststrecke, den psychologisch so wichtigen Moment seines zweiten Treffers und die Aussichten der Schalker auf die Europa League.

"Große Gedanken habe ich mir nicht gemacht"

Frage:Klaas-Jan Huntelaar, Sie haben endlich wieder getroffen. Wie wichtig war Ihr erster Treffer?

Klaas-Jan Huntelaar: Es war sehr gut, so ein schnelles Tor zu machen. In unserer Situation war es wichtig, dass wir in Führung gehen und vorne sind. Man hat gesehen, dass uns das gut getan hat. Trotzdem lagen wir in der zweiten Halbzeit plötzlich wieder hinten. Es war dann eine ganz schwierige Sache. Aber die Mannschaft hat einen super Charakter gezeigt und das Spiel noch gedreht.

Frage: Aber wie war es für Sie ganz persönlich, nach über fünf Monaten wieder zu treffen (Topdaten zum Spiel FC Schalke 04 - VfB Stuttgart)? Wie groß waren die Zweifel in den letzten Wochen?

Huntelaar: Große Gedanken habe ich mir in dieser Zeit nicht gemacht. Ich weiß, dass der Erfolg irgendwann zurückkommt, wenn du nicht aufgibst und immer weitermachst. Am liebsten will man natürlich, dass alles immer noch viel schneller geht.

Frage: Haben Sie sich zu sehr unter Druck gesetzt?

Huntelaar: Nein, zu sehr nicht. (lacht) Ich setze mich immer unter Druck, in jedem Spiel.

"Der Ausgleich war enorm wichtig"

Frage: Sie haben gleich wieder einen Doppelpack geschnürt. War der zweite Treffer noch wichtiger?

Huntelaar: Ja, mein zweites Tor war ganz klar das wichtigere. Die Mannschaft brauchte dieses Tor in dieser Situation noch mehr als das 1:0. Die ganze Atmosphäre auf den Rängen und auch auf dem Platz war in diesem Moment nicht wirklich gut, darum war dieser Treffer so enorm wichtig. Der Ausgleich war letztlich für uns der Schlüssel zum Sieg.

Frage: Haben Sie deswegen auch so demonstrativ vor der Schalker Kurve gejubelt?

Huntelaar: Die Stimmung im Stadion war etwas speziell. Die Kurve hatte sich von uns ein wenig abgewendet. Wir brauchten in diesem Spiel unbedingt ein Erfolgserlebnis. Das ist natürlich einfacher, wenn du die Unterstützung der Kurve und der Fans hast.

Frage: Am Ende konnte dann wieder gemeinsam gefeiert werden. Das war sicherlich befreiend, oder?

Huntelaar: Nach dem Ausgleich standen die Fans wieder hinter uns und haben uns geholfen. Der Ausgleich war für uns psychologisch enorm wichtig. Danach haben wir weiter nach vorne gespielt, sind auf den Siegtreffer gegangen. Stuttgart hatte allerdings auch gute Chancen. Man hat dem Spiel angemerkt, dass ein Unentschieden für beide Mannschaften nicht genug war.

"Wir dürfen jetzt nicht nachlassen"

Frage: Haben Sie mal gezweifelt, ob Schalke das Spiel noch drehen kann?

Huntelaar: Ich habe immer daran geglaubt, dass wir noch ein oder zwei Tore schießen. Und nach dem Ausgleich habe ich gewusst, wir können auch den Sieg noch schaffen. Das hat man unserem Spiel dann auch angesehen, auch wenn nicht alles super war. Aber wir hatten gute Aktionen und am Ende zählt nur das Erfolgserlebnis.

Frage: Welchen Anteil hatte denn das Traininglager unter der Woche an diesem Erfolgserlebnis?

Huntelaar: Das ist schwierig zu sagen. Man hat ja keinen Vergleich, wie dieses Spiel ohne Trainingslager gelaufen wäre. Das Wichtigste ist das Erfolgserlebnis, das Wichtigste sind die drei Punkte. Wenn du die holst, dann ist am Ende alles richtig gewesen, was du gemacht hast.

Frage: Apropos alles richtig: Wäre es für Sie das perfekte Spiel gewesen, hätten Sie nicht noch die Gelbe Karte kassiert?

Huntelaar: Es ist natürlich schade, dass ich jetzt gesperrt bin. Aber am Ende zählt nur, dass Schalke die Europa League erreicht. Darauf konzentriere ich mich. Das ist das, was wirklich zählt für uns.

Frage: Wie groß ist nach diesem Sieg die Überzeugung, dass Schalke dieses Ziel erreicht?

Huntelaar: Überzeugt bin ich noch nicht. Sicher darfst du erst sein, wenn du am Ende auch auf einem solchen Platz stehst, der für die Europa League reicht. Wir haben noch drei schwere Spiele vor uns, da müssen wir auch erfolgreich sein. Wir müssen uns weiter voll konzentrieren und dürfen jetzt nicht nachlassen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte