München - Niedergeschlagen und ratlos: Wie sich die Spieler des Hamburger SV spätestens in der Schlussphase der Partie beim FC Bayern München auf dem Rasen präsentiert hatten, so war auch ihre Stimmung nach dem bitteren 0:6 in den Katakomben der Allianz Arena.

Einer der wenigen HSV-Profis, die Rede und Antwort standen, war Dennis Aogo. Als Linksverteidiger hatte er, der mit 82 Prozent gewonnenen Zweikämpfen noch der bissigste Akteur seines Teams war, die Schmach in voller Länge miterlebt - und dennoch keine wirkliche Erklärung für den Auftritt.

Baustellen beim HSV

Aogo wollte im Interview die jüngsten Turbulenzen rund um den Bundesliga-"Dino" nicht als Ausrede gelten lassen. Der 24-Jährige, der mit seinen Kollegen den Bayern nur zu Beginn der Partie Paroli bieten konnte, spricht stattdessen die Baustellen auf dem Platz an.

Frage: Herr Aogo, am Ende steht auf der Anzeigetafel ein 0:6. Haben Sie schon realisiert, was da in den 90 Minuten passiert ist?

Dennis Aogo: Fakt ist, dass am Ende ein ernüchterndes Ergebnis steht. Wir haben definitiv gut angefangen, kriegen dann aber das zweite Tor kurz nach der Halbzeit. Das war unser Genickbruch. Wir gehen letztlich wieder einmal unter. Wir dürfen nicht so offen stehen und so eine Klatsche bekommen. Wir haben es wieder einmal nicht geschafft, auf bestimmte Situationen zu reagieren.

Frage: In der ersten halben Stunde hat das ganz gut ausgesehen, Sie hatten einige Möglichkeiten. Was fehlt der Mannschaft, um dann bei den Bayern in Führung zu gehen?

Aogo: In manchen Situationen fehlt einfach auch das Quäntchen Glück. Wir hatten ordentliche Chancen in der Offensive, ein Tor hätte uns Sicherheit gegeben. Ich sehe die Defizite aber darin, dass wir keine Reaktion gezeigt haben auf dem Platz. Trotz eines Rückstandes haben wir auch in dieser Saison schon gezeigt, dass wir kompakter stehen können. In diesem Bereich haben wir unsere Probleme - und die müssen wir natürlich schnellstmöglich lösen.

Frage: Haben Sie Hoffnung, dass Ihnen das auch gelingt?

Aogo: In dieser Phase ist das schwierig, wir stehen am Ende der Saison. Aber wir können nichts weiter machen als alles zu versuchen.

Frage: Frank Rost hat in einem Fernseh-Interview die Unruhe im gesamten Verein als Grund für die Leistung genannt. Sehen Sie das ähnlich?

Aogo: Im Großen und Ganzen sehe ich das ähnlich. Aber ich will das nicht als Ausrede gelten lassen. Wenn man 0:6 in München verliert, haben wir Spieler als Team einfach versagt. Man kann hier verlieren, aber nicht so.

Frage: Wie war die Stimmung in der Kabine. Hat der Trainer schon zu Ihnen gesprochen?

Aogo: Nein. Aber wir sprechen nie direkt nach dem Spiel. Die Analyse folgt erst in den nächsten Tagen.

Aus der Allianz Arena berichtet Tim Tonner