Es war, als hätte die Presseabteilung des FC Bayern schon etwas geahnt, als sie für den obligatorischen Pressetermin am Mittwoch ausgerechnet Philipp Lahm und Arjen Robben einteilte.

Beide Spieler lieferten sich am Dienstag im Training des Rekordmeisters eine kleine Rangelei, nun standen sie nacheinander den Medienvertretern Rede und Antwort. FCB- Pressechef Michael Hörwick war sich der ironischen Note durchaus bewusst, stellte aber gut gelaunt klar, dass beide Spieler bereits vor den Geschehnissen auf dem Trainingsplatz für den Termin ausgewählt worden waren.

"So etwas ist gut für die Stimmung"

Und auch die Protagonisten hatten den kleinen Disput schon längst abgehakt. "Das war gar nichts. So etwas ist gut für die Stimmung, wenn alles mit Respekt passiert. Philipp ist ein Kollege und Freund", sagte Flügelstürmer Robben.

Und auch Verteidiger Lahm richtete den Blick nur auf den anstehenden Gegner Werder Bremen: "Die Geschichte ist abgehakt. Wenn im Training Fünf gegen Fünf spielen ist immer Zug drin. Jeder will gewinnen. Und Aggressivität braucht man immer, etwa am Wochenende gegen Werder Bremen."

Alle Mannschaftsteile blühen auf

Dass beim deutschen Rekordmeister seit einigen Wochen ordentlich Zug drin ist, bestätigt der Blick auf die Zahlen: Sieben Pflichtspielsiege in Folge, 17 geschossene Tore aus den jüngsten fünf Bundesligapartien bei nur vier Gegentreffern.

Die Abwehr um Daniel van Buyten und Martin Demichelis steht sicher und erzielt regelmäßig Tore, das Mittelfeld ist geordnet, variabel und torgefährlich. Mit dem genesenen Franck Ribery kehrt zudem am Samstag eine weitere kreative Komponente ins Spiel der Bayern zurück. Und auch die Stürmer Miroslav Klose, Ivica Olic, Mario Gomez und Thomas Müller tragen sich regelmäßig in die Torschützenliste ein.

Vergangenen Freitag war es Klose, der sich im Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim eindrucksvoll zurückmeldete und den 2:0-Endstand markierte. "Wenn es gut läuft ist die Stimmung immer gut. Bei uns hat es sich nach dem Spiel gegen Juventus verändert. Das Vertrauen ist da. Wir müssen konzentriert bleiben, dann können wir fast alle Gegner schlagen", beschrieb Robben in bestem Deutsch die Stimmung im Team.

Lahm warnt vor Werder

Und auch die Laune von Trainer Louis van Gaal dürfte blendend sein: Seit der Winterpause hat er in Größe und Qualität seinen Wunschkader zusammen und kann gegen Bremen auf alle Spieler zurückgreifen. Die neue Konstanz spiegelt sich in der Tabelle wieder, wo die Bayern mit zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen und einen Zähler hinter dem FC Schalke 04 auf Platz 3 rangieren.

So rollt der Bayernzug mit Schwung gen Norden, wo am Samstag der Tabellensechste aus Bremen wartet. Im Hinspiel trennten sich die Teams 1:1. Doch während die Münchner immer besser in Tritt kommen, schwanken die Ergebnisse von Werder. Zuletzt gab es in der Liga drei Niederlagen in Folge.

Angeschlagene Gegner sind allerdings unberechenbar und gefährlich, gibt Philipp Lahm zu bedenken: "Werder hat eine gute Mannschaft und gewarnt ist man immer. Aber wir wollen unsere Serie so lange wie möglich aufrecht erhalten. Wir sind gefestigter und das merken auch die Gegner."

Lahm: "Wir können beides spielen"

Die Standfestigkeit der Bayern ist für den Nationalspieler eine Folge aus den "großen Umstellungen" zu Saisonbeginn: "Es hat sich eine Mannschaft gefunden. Es steht ein Kern."

In welcher taktischen Aufstellung - ob 4-4-2 oder 4-3-3 - sich die Mannschaft um dieses Gerüst herum aufbaut, ist für Lahm eher zweitrangig. "Wir haben so viel Qualität, dass wir beides spielen können. Ich bin mir sicher, dass wir am Ende oben sind", sagte er auf Nachfrage von bundesliga.de.

Robben rät Ribery von Wechsel ab

Arjen Robben freut sich unterdessen jetzt schon auf die anstehende Wiedervereinigung der torgefährlichen Flügelzange "Robbery", vielleicht schon in Bremen. "Ich bin sehr froh darüber. Franck ist ein Weltklassespieler", erklärte er mit Blick auf den Genesenen Franck Ribery.

Einen Wechsel zu Real Madrid würde Robben dem Franzosen nicht empfehlen: "Ich hoffe, dass er hier bleibt. Bayern und Real sind große Vereine. Hier ist er ein großer Star, dort ist er einer von vielen."

Es wäre denn auch zu viel der Ironie, wenn Ribery nach Madrid abwanderte. Da ist Robben schließlich gerade erst hergekommen.

Vom FC Bayern berichtet Barnabas Szöcs