Bruno Labbadia war in der Bundesliga ein gefürchteter Torjäger. In 328 Spielen machte er 103 Tore, wurde mit Kaiserslautern 1991 und mit dem FC Bayern München 1994 Deutscher Meister, war zweifacher Nationalspieler und ist der einzige Fußballer, dem es gelang, sowohl in der Bundesliga als auch in der 2. Bundesliga mehr als 100 Tore zu erzielen.

2003 wechselte Labbadia ins Trainergeschäft. Seine erste Station hieß Darmstadt. Vergangene Saison trainierte er die SpVgg Greuther Fürth, ehe er im Sommer das Traineramt bei Bayer Leverkusen übernahm. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 42-Jährige über seine ersten Monate in Leverkusen, seine Ziele, die attraktive Spielweise seiner Mannschaft und über seine Passion - das Laufen!

bundesliga.de: Herr Labbadia, wie hat Ihnen die Hinrunde ihrer Mannschaft gefallen?

Bruno Labbadia: Die Mannschaft hat sehr viel Freude gemacht, hat mit großer Begeisterung gespielt und ich glaube einfach, dass sie auch die Zuschauer mitgerissen hat mit ihrem schönen Fußballspiel.

bundesliga.de: Sie waren sehr erfolgreich als Stürmer bei Bayern München, Werder Bremen, in Köln, Bielefeld, Karlsruhe und Kaiserslautern. Inwieweit hat das Auswirkungen auf ihre Philosophie als Trainer, dieses Dasein als Stürmer früher?

Labbadia: Entscheidend ist einfach die Art und Weise, die ich in meinem Kopf habe, wie ich Fußball spielen lassen möchte. Ich habe von vielen Trainern gute Dinge mitgenommen, aber auch viele Dinge, die ich während meiner Fußballzeit beobachtet habe, die mir nicht gefallen - die ich anders machen möchte. Der größte Antrieb für mich persönlich ist, dass eine Mannschaft das, was ich in mir drin habe - wie ich Fußball sehe - irgendwann umsetzt.

bundesliga.de: Bayer Leverkusen ist seit dem vergangenen Sommer ihre erste Trainerstation in der Bundesliga. Läuft es denn so, dass sie zufrieden sind?

Labbadia: Ja, natürlich muss ich gerade als Neuling zufrieden sein, wenn man wie wir auch das eine oder andere Mal an erster Stelle gestanden hat, wir auch eine sehr, sehr junge Mannschaft haben. Aber ich bin nie zufrieden, weil ich einfach in mir den Antrieb habe, dass wir uns ständig verbessern wollen und dass wir das natürlich auch nachhaltig - sprich auf Dauer - so zeigen.

bundesliga.de: Sie und ihr Sportdirektor Rudi Völler haben die Fans von ihrer kämpferischen Art und Weise immer begeistert. Wie bekommen sie diese Einstellung in ihre Mannschaft hier in Leverkusen?

Labbadia: Das ist nicht schwer, weil ich den Fußball einfach liebe. Ich bin dem Fußball sehr, sehr dankbar, weil ich dadurch ein ganz anderes Leben führen durfte und weil ich dieses Spiel liebe. Das versuche ich einfach jeden Tag zu verkörpern und ich glaube, die Mannschaft kann es annehmen.

bundesliga.de: Sie gehen jeden Morgen vor der eigentlichen Arbeit eine Stunde laufen. Ist das wichtig für Sie?

Labbadia: Ja, das ist einfach für meinen Kopf sehr wichtig. Ich denke sehr viel nach in dieser Zeit - auch über Fußball, aber auch über andere Dinge. Dann ist es ein Stück Selbstachtung - nämlich dass mein Körper einigermaßen fit bleibt. Und die letzte Sache ist einfach, dass ich für mein Gefühl einfach dieses Körperbewusstsein beibehalten muss.

bundesliga.de: Warum wird Bruno Labbadia auf Dauer ein erfolgreicher Bundesliga-Trainer sein?

Labbadia: Weil ich glaube, dass sich gute und intensive Arbeit immer auszeichnet - zumindest versuche ich das meiner Mannschaft zu vermitteln - wenn man beharrlich und nachhaltig ist.

bundesliga.de: Sie haben über sich gesagt, dass sie gierig nach Siegen sind. Wie verarbeiten sie denn dann Niederlagen?

Labbadia: Da arbeite ich gerade dran - es ist aber besser geworden!

Das Gespräch führte Thomas Mörs