Köln - Viele Kinder warten Jahr für Jahr sehnsüchtig auf den ersten Schnee. Dann werden die warmen Sachen aus dem Schrank geholt und es geht raus auf die Straße. Erst eine Schneeballschlacht und hinterher noch einen Schneemann bauen - was kann es Schöneres geben?

Ob Kevin Großkreutz im verschneiten Freiburger Stadion beim Auslaufen nebenbei mit Möhre und Zylinder noch einen schulbuchmäßigen Schneemann gebaut hat, ist nicht überliefert, aber zuvor bot der Dortmunder Offensivarbeiter im Breisgau eine große Schlacht im Schnee. Es sah so aus, als gäbe es für ihn kein schöneres Fußballwetter. 12,7 km war der unermüdliche Großkreutz unterwegs. Rang vier der Spieltagswertung. Mit 27 Sprints (8. Platz) hatte er seinen Anteil an den 199 Tempoverschärfungen des BVB. Seine Höchstgeschwindigkeit von 34,9 km/h blieben an diesem Wochenende unübertroffen. Außerdem startete der Nationalspieler im Wartestand in Freiburg 90 intensive Läufe. Die Tore der Borussia erzielten in Freiburg andere, aber der Ur-Dortmunder Großkreutz spielte den Schneepflug für den enorm wichtigen Sieg des BVB.

Spieltag der starken Österreicher



Etwas weniger stark schneite es in Fürth, wo Werder Bremen zu Gast war. Werders Österreicher Zlatko Junuzovic überkamen beim plötzlichen Wintereinbruch offensichtlich Heimatgefühle, denn der spielstarke Mittelfeldspieler zeigte eine tolle Leistung. Das von Thomas Schaaf zum "Sechser" umgeschulte Laufwunder legte mit 13,1 km die drittlängste Strecke des Wochenendes zurück. Außerdem gewann kein Spieler mehr Zweikämpfe (23). Insgesamt entschied Junuzovic starke 69,7 Prozent seiner direkten Duelle für sich. Auf Fürther Seite warf sich Sercan Sararer unermüdlich in die Zweikämpfe. Auch er ging 23 Mal als Sieger hervor. Die Franken konnten sich beim 1:1 gegen Werder über das erste Tor und den ersten Punkt im eigenen Stadion freuen. Für Bremen war das Unentschieden nach einer über weite Strecken überlegen geführten Partie und einer Laufleistung von 120,4 km zu wenig.

Am Sonntag überzeugte mit Martin Harnik ein weiterer Österreicher. Der Stuttgarter Außenstürmer absolvierte 92 intensive Läufe - der beste Wert des Spieltages. Außerdem sorgte er mit 34 Sprints immer wieder für Unruhe in der Frankfurter Abwehr. Auch seine Teamkollegen zogen mit: Die 200 Sprints der Stuttgarter waren der Topwert des Wochenendes. Auch deshalb gewann der VfB mit 2:1. Harniks Sprintwerte wurden nur - wie könnte es an diesem Wochenende anders sein - von einem weiteren Österreicher übertroffen. Bayerns David Alaba spurtete gleich 38 Mal die linke Seitenlinie entlang. Geholfen hat es gegen Leverkusen nicht. Der FC Bayern München kann doch noch verlieren. Für Bayer war es ein historischer Triumph. Zuletzt gewann die "Werkself" im Oktober 1989 bei den Bayern. Auch damals wurden die Münchner übrigens von Jupp Heynckes trainiert.

Bayer Leverkusen mit unermüdlichem Einsatz



Der Schlüssel zum Bayer-Sieg war die enorme Laufbereitschaft und Effektivität, die die Schützlinge von Samy Hyypiä und Sascha Lewandowski in der Allianz Arena an den Tag legten. Ganze fünf Torschüsse benötigte die Leverkusener Offensive für ihre zwei Treffer. Darüber hinaus hatten sie mit Stefan Reinartz und Lars Bender die Top-Dauerläufer des Spieltages in ihren Reihen. Bender legte 13,3 km, Reinartz sogar 13,6 km zurück. Das Mittelfeld-Duo lief immer wieder die entstehenden Lücken zu. Insgesamt war Bayer in München 125,5 km unterwegs. Kein anderes Team ging so weite Wege.

Keine 23 Jahre, aber immerhin 22 Spiele war Hannover 96 in der Bundesliga zu Hause ungeschlagen. Die letzte Niederlage im eigenen Stadion mussten die "Roten" im April 2011 gegen Borussia Mönchengladbach hinnehmen. Marco Reus erzielte damals den 1:0-Siegtreffer. Der Nationalspieler spielt zwar mittlerweile für die andere Borussia, aber dafür hatten die Gladbacher einen Juan Arango in Topform auf dem Feld. Der Venezolaner war am ersten Tor der Borussen beteiligt, bereitete das zweite vor und erzielte das dritte selbst. Mehr geht eigentlich nicht.

Wolfsburgs Brasilianer trotzen der Kälte



Weite Wege gingen bereits am Freitag die Akteure des Hamburger SV. Die Mannschaft von Thorsten Fink glänzte in Augsburg keineswegs, zeigte aber mit einer zurückgelegten Strecke von 123,8 km enormen Einsatzwillen. Milan Badelj (12,7 km) und Rafael van der Vaart (12,0 km) ragten läuferisch aus einer kompakten HSV-Elf heraus. Der FC Augsburg gewann zwar mehr Zweikämpfe (52,3 Prozent) und hatte das Torschussverhältnis auf seiner Seite (19 zu 11), blieb aber letztendlich ohne das nötige Fortune. Am Quäntchen Glück mangelt es dem Mainzer Adam Szalai momentan sicher nicht. Der Ungar erzielte beim 3:0-Erfolg des 1. FSV Mainz 05 gegen 1899 Hoffenheim alle Tore. Es war das erste Mal, dass dem kantigen Mittelstürmer in der Bundesliga drei Treffer gelangen. Gerade einmal vier Torschüsse benötigte er für seinen Dreierpack. In der Torjägerliste liegt er mit sieben Treffern nur ein Tor hinter Bayerns Mario Mandzukic.

Nach schwierigen Wochen gelang dem VfL Wolfsburg beim 4:1-Triumph in Düsseldorf ein Befreiungsschlag. Die "Wölfe" legten bei der Fortuna 117,2 km zurück und hatten mit 56,8 Prozent die beste Zweikampfquote des Wochenendes. Allen voran an Abwehrchef Naldo gab es kein vorbeikommen. Der Neuzugang aus Bremen gewann 83,3 Prozent seiner direkten Duelle. Mit Josue und Diego prägten noch zwei weitere Brasilianer das Wolfsburger Spiel. Lorenz-Günther Köstner wird froh gewesen sein, dass es in der Esprit Arena nicht geschneit hat. Einen Österreicher hatte der Wolfsburger Trainer nämlich nicht auf dem Feld. Und einen Großkreutz auch nicht.

Florian Reinecke

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