Dortmund - Mit seinem Führungstor war Lucas Barrios der "Türöffner" zum 2:0-Erfolg des BVB über den FC Bayern. Von der Meisterschaft sprechen will der Stürmer aber noch nicht.

Das Tor gegen die Bayern war für Barrios bereits der vierte Treffer in der Liga - und für den BVB der sechste Sieg im siebten Spiel. Warum der Erfolg diesmal ein schweres Stück Arbeit war, wie er seine eigene Leistung einschätzt und was er von Konkurrent Mainz 05 hält, verrät Lucas Barrios im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Lucas Barrios, zur Pause sah es noch nicht unbedingt nach einem Dortmunder Erfolg aus. War der Sieg gegen die Bayern diesmal vor allem eine Willensleistung?

Lucas Barrios: Es war diesmal sehr schwierig, aus dem Unentschieden zur Pause noch einen Sieg zu machen. Es war vor allem sehr kraftaufwändig nach dem schweren Europapokalspiel vom Donnerstag gegen Sevilla. Wir waren ein bisschen platt. Aber im Moment haben wir einfach einen Lauf und das nötige Selbstbewusstsein, bis zum Ende an unsere Chance zu glauben.

bundesliga.de: Was hat am Ende den Unterschied ausgemacht? Hat der BVB das nötige Glück gehabt?

Barrios: In der 1. Halbzeit war es eher ein ausgeglichenes Spiel, in dem die Bayern auch sehr gute Chancen zur Führung hatten. Vielleicht war da auch etwas Glück bei, nicht in Rückstand zu geraten. Aber in der zweiten Hälfte waren wir klar besser und haben uns nach dem Tor immer mehr hineingesteigert. Es war ein großes Spiel. Es war ein verdienter Sieg für uns, der uns wieder einen großen Schritt nach vorne bringt. Man sieht, dass wir uns als junge Mannschaft von Woche zu Woche mehr festigen.

bundesliga.de: Und Sie selbst haben auch wieder getroffen, nachdem es gegen Sevilla trotz guter Chancen nicht geklappt hatte.

Barrios: Mein Tor ist in diesem Fall nicht so wichtig - die ganze Mannschaft hat sich diesen Sieg mit großem Einsatz verdient. Wichtig ist es, dass du als Stürmer immer die Ruhe bewahrst und ganz gelassen bleibst - auch, wenn du mal nicht triffst. Dann bekommst du deine Chance im nächsten Spiel und dann klappt's auch wieder.

bundesliga.de: Sie glänzen in dieser Saison als Torjäger und Vorbereiter und überzeugen auch läuferisch und kämpferisch. Ist das der beste Lucas Barrios aller Zeiten?

Barrios: Gott sei Dank läuft es zurzeit tatsächlich fast optimal für die Mannschaft und für mich. Das Zusammenspiel klappt hervorragend. Wir finden von Spiel zu Spiel besser zusammen. Für mich ist es auch ein schönes Gefühl, dass ich nicht nur selbst treffe, sondern Assists geben kann für meine Mitspieler. In Colo Colo in Chile hatte ich auch schon eine sehr gute Zeit. In Dortmund habe ich ein paar Monate gebraucht, aber schon Ende der letzten Saison lief es für mich sehr gut. Daran kann ich jetzt anknüpfen.

bundesliga.de: Die Fans träumen schon von der Deutschen Meisterschaft. Träumen Sie mit?

Barrios: Erst einmal bin ich unheimlich froh, dass wir den Fans mit unserer Leistung etwas von der fantastischen Unterstützung zurückgeben konnten. Dieser Sieg war auch ein Dankeschön an unsere Fans. Und so wie sie freuen auch wir uns riesig über den Erfolg gegen die Bayern. Aber als Spieler müssen wir auf dem Boden bleiben und von Spiel zu Spiel denken. Dann sehen wir, was am Ende dabei heraus kommt. Lasst uns jetzt noch nicht von der Meisterschaft sprechen!

bundesliga.de: Der größte Konkurrent in der Liga heißt zurzeit Mainz 05 - ebenfalls eine junge, hungrige Mannschaft. Wie schätzen Sie die Mainzer und die Situation an der Tabellenspitze ein?

Barrios: Mainz hat auch einen sehr guten Start in die Saison erwischt. Sie verfügen über eine sehr gute Mannschaft, sind laufstark und treten sehr kompakt auf. Da hat man es als Gegner immer schwer. Man muss abwarten, ob sie diese Leistung so beibehalten können. Zurzeit ist die Bundesliga sehr gemischt. Die Ergebnisse zeigen, dass praktisch jeder jeden schlagen kann.

bundesliga.de: Sie selbst gehen jetzt nicht auf Länderspielreise mit Paraguay, sondern bleiben in Dortmund.

Barrios: Ich spiele immer sehr gerne in der Nationalmannschaft und freue mich über jede Nominierung. Aber ich habe mit unserem Nationaltrainer Gerardo Martino gesprochen und er hat mir geraten, mal eine Auszeit zu nehmen. Und ehrlich gesagt freue ich mich jetzt auch darauf, es mal etwas ruhiger angehen lassen zu können und wieder richtig frisch zu werden.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte