Mönchengladbach – Gladbach befreit sich aus der Mini-Krise. Durch einen 3:2-Arbeitssieg gegen Hertha BSC Berlin hat Borussia Mönchengladbach nach zuvor drei Bundesliga-Niederlagen in Folge wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden. Mit neuem Schwung und harter Arbeit wollen die Fohlen nun die nächsten Aufgaben angehen.

"Wir wollten unbedingt eine Reaktion zeigen. Für unsere Fans und unser Selbstvertrauen. Das ist uns gelungen, auch wenn es nicht immer schön aussah", sagte Granit Xhaka, der nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder ins Team zurückgekehrt war. "Wir wissen, dass wir immer an unsere Grenzen gehen müssen, um die Spiele zu gewinnen. Zweikämpfe annehmen und füreinander laufen, das hat vielleicht zuletzt ein wenig gefehlt", erklärte der Schweizer. Gegen ein Erfolgserlebnis ohne den ganz großen spielerischen Glanz hatte diesmal auch niemand etwas einzuwenden. "Der Sieg tut einfach gut, denn drei Niederlagen in Folge hat man schon im Kopf", sagte Patrick Herrmann.

Favre: "Drei Niederlagen nicht das Ende der Welt"

Trainer Lucien Favre indes wollte auch nach den drei unglücklichen Partien in Dortmund (0:1), gegen Frankfurt (1:3) und in Wolfsburg (0:1) der wachsenden Durststrecke keine allzu große Bedeutung beimessen. Lediglich ein paar Prozentpunkte hätten gefehlt, um auch in diesen Spielen zu punkten. "Es gibt viele gute Mannschaften und es liegt oft nur an Details", so seine Erklärung. "Wir haben drei Mal verloren. Das ist nicht das Ende der Welt. Jetzt haben wir wieder gewonnen und ich bin sehr zufrieden." Man könne schließlich nicht immer siegen oder unentschieden spielen, sagte der 57-Jährige.

Was wenige Wochen vorher noch ganz anders aussah, als seine Mannschaft mit 18 ungeschlagenen Pflichtspielen in Folge einen neuen Vereinsrekord aufgestellte. Entsprechend stieg auch die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit. Doch dass nach dem furiosen Saisonbeginn früher oder später die Leistungskurve etwas abfallen würde, kommt aus Sicht der Beteiligten nicht völlig unerwartet.

Kramer: "Irgendwann fehlt auch mal die Power"

"Dass es so nicht weitergehen würde, war uns klar. Nach vielen englischen Wochen fehlt dann auch einfach mal die Power, auch wenn man es nicht wahrhaben will", sagte Weltmeister Christoph Kramer. Vor allem das für Gladbach typische schnelle Umschaltspiel kommt dann nicht mehr zur vollen Entfaltung. Entsprechend wurde gegen Berlin die Grundausrichtung leicht verändert. "Unser Ziel war es, kompakt zu stehen, geduldiger zu spielen und nicht zu schnell auf die Entscheidung zu drängen", erklärte Xhaka. Gegen harmlose Herthaner war es am Ende nur eine Frage der Zeit, bis Gladbach seine Qualitäten ausspielen würde. In der Offensive tat sich dabei Thorgan Hazard besonders hervor. Der Belgier bereitete das 1:0 vor und erzielte das 3:1 kurz vor Schluss selbst. Für die zwischenzeitliche 2:1-Führung hatte Raffael (drittes Saisontor) gesorgt, der letztlich das Duell gegen seinen Ex-Klub und Bruder Ronny für sich entscheiden konnte.

Europa League: "Endspiel" gegen Zürich

Wenn der FC Zürich am Donnerstag zum Endspiel ums Weiterkommen in der Europa League im Borussia Park gastiert, trifft der Brasilianer erneut auf einen seiner ehemaligen Vereine.  Ein Unentschieden reicht bereits für die Qualifikation zur K.o.-Phase, doch "wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen, um die Gruppe als Erster abzuschließen", so der Stürmer, der 13 seiner 18 Tore für Borussia Mönchengladbach in der heimischen Arena erzielte. Gute Voraussetzungen also für einen erfolgreichen Europapokal-Abend. "Die Ausgangslage ist klar. Gegen Zürich haben wir ein Endspiel. Danach gibt es keine Ausreden", so Xhaka.

Patrick Herrmann sieht seine Mannschaft  für die Aufgabe gut gerüstet. "Wir haben die Möglichkeit zu rotieren. Auch wenn wir mehr Spiele und einige Reisestrapazen haben, sind wir noch fit genug." Um in den entscheidenden Momenten nochmal an die Grenzen zu gehen und Vollgas zu geben. Und wenn es am Ende "nur" für einen weiteren Arbeitssieg reicht.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann