Mönchengladbach - Der Knoten ist geplatzt! Borussia Mönchengladbach hat im ersten Spiel unter Interimstrainer André Schubert 4:2 gewonnen. Die Erleichterung bei den Fohlen ist groß. Granit Xhaka, der beim 4:2 gegen den FC Augsburg als Kapitän auflief, spricht im Interview über den ersten Saisonsieg der Gladbacher, Lucien Favre und Interimstrainer Anré Schubert.

Frage: Granit Xhaka, Glückwunsch zum ersten Saisonsieg. Wie war das Spiel aus Sicht des Kapitäns?

Granit Xhaka: Ich habe erst kurz vor dem Spiel erfahren, dass ich als Kapitän auflaufen würde. Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, hier im Borussia Park für diesen großen Verein Kapitän sein zu dürfen. Nach einem solchen Sieg werde ich das auch nicht so schnell vergessen.

"Eine gute Mannschaft steht wieder auf"

Frage: Wie haben Sie die letzten turbulenten Tage erlebt und haben Sie noch etwas von Lucien Favre gehört?

Xhaka: Herr Favre hat jeden einzelnen Spieler von uns noch angerufen und hat sich bedankt.  Ich war von der Entwicklung sehr überrascht. Es ist immer schade, wenn ein Trainer geht, der dem Verein viele schöne Jahre und Erfolge bereitet hat. Es war schwer zu akzeptieren, weil wir nichts beeinflussen konnten. Ohne ihn zu trainieren war ganz anders, aber André Schubert hat es auch hervorragend gemacht.

Frage: Was hat André Schbert denn mit der Mannschaft gemacht, dass sie so einen Start hinlegt?

Xhaka: Es ist ja nicht so, dass wir das Fußballspielen verlernt haben. Er hat nur ein paar wenige Dinge verändert, vor allem im mentalen Bereich. Er hat uns mitgegeben, dass wir auch Fehler machen dürfen und mutig spielen sollen. Wir haben zwar Fehler gemacht, aber auch das Spiel 4:2 gewonnen. Er wollte, dass wir enorm viel Druck machen und nach Ballverlust direkt draufgehen. Davon war Augsburg in den ersten 30 Minuten wohl überrascht. Vielleicht dachten sie, dass wir angeschlagen sind, aber wir haben eine gute Reaktion gezeigt. Ich habe vor dem Spiel auch mehrfach gesagt: eine gute Mannschaft, die am Boden liegt, steht wieder auf.

Frage: Mit Blick auf das Spiel in Stuttgart, wieviel Kraft setzt der Erfolg frei?

Xhaka: Enorm viel. Es ist nicht so einfach, wenn man sechs Spiele hintereinander verliert und davon in vier Spielen keine Torchance hat. Heute waren praktisch die ersten vier Schüsse drin und wir hätten sogar noch mehr Tore machen können. Stuttgart hat auch gewonnen, es wartet eine schwere Aufgabe. Wir werden wieder versuchen den Gegner unter Druck zu setzen.

"Es hat endlich wieder geklappt"

Frage: Wie gut tut der Sieg nach der langen Durststrecke?

Xhaka: Sehr gut und ich hoffe, dass es jetzt so weiter geht. Wir sind zum ersten Mal in dieser Saison in Führung gegangen. So bekommt man Vertrauen und Ruhe ins eigene Spiel. Dass wir so schnell mit weiteren Toren nachlegen, hat uns natürlich Sicherheit gegeben.

Frage: Warum hat sich die Körpersprache im Vergleich zum letzten Spiel so stark verändert?

Xhaka: Wir waren alle heiß, weil der Trainer uns heiß gemacht hat. Das hat Lucien Favre auch gemacht, aber am Montag fing alles wieder bei Null an. Wir müssen die letzten Wochen vergessen und nicht mehr so viel darüber nachdenken. Die Körpersprache war deshalb heute enorm wichtig. Hinzu kam, dass einige Spieler, die zuletzt verletzt waren, zurückgekommen sind.

Frage: Würden Sie nach so einem Spiel sagen, dass man gewisse Dinge im Fußball einfach nicht erklären kann? 

Xhaka: Es spielt sich einfach sehr viel im mentalen Bereich ab. Wenn man in Spielen ständig hinterherlaufen muss, züruck liegt und mehrere Spiele in Serie verliert verliert, wird es immer schwerer. Mit unserer Qualität in mehreren Partien keine Torchancen herausgespielt zu haben, war absolut ist enttäuschend. Heute hat es endlich wieder geklappt.

Frage: Und wie. Was haben Sie gedacht, als es nach 20 Minuten 4:0 stand?

Xhaka: Niemand hätte das vor dem Spiel gedacht. Gut, dass es nicht anders gelaufen ist. Man stelle sich vor, wir geraten wieder in Rückstand. Die Führung hat uns deshalb enorm gut getan. Das hat man gesehen.

"18 und 22 Jahre sind 40 Jahre Erfahrung"

Frage: Ein Wort zu den zwei Elfmetern. 

Xhaka: Es ist immer unglücklich, Gegentore durch Elfmeter zu bekommen. Das ist uns jetzt schon häufiger passiert. Das müssen wir abschalten und dürfen uns nicht so viele Elfer einfangen. Daraus müssen wir lernen.

Frage: War Ihre Auswechlung auch eine Vorsichtsmaßnahme, um keinen Platzverweis zu riskieren?

Xhaka: Ich hätte bei der Elfmeter-Situation schon die gelb-rote Karte kassieren können. Da habe ich Glück gehabt. Die Auswechslung war daher nicht so schlecht.

Frage: Wie haben Sie das Zusammenspiel mit Mahmoud Dahoud erlebt? Wächst da etwas zusammen?

Xhaka: Wir haben heute gut harmoniert. Ja, es wachsen ein 18-Jähriger und ein 22-Jähriger zusammen. Das sind 40 Jahre Erfahrung pur (lacht). Im Ernst, der Junge hat Qualität und er hat verdient zu spielen, so wie er in den letzen Wochen trainiert hat. Es macht Spaß, wenn man einen solchen Mitspieler hat.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann