Berlin – Beim 4:1-Auswärtssieg der Borussia bei Hertha BSC war er mal wieder einer der besten Mönchengladbacher: Granit Xhaka. Von André Schubert zum neuen Kapitän gemacht, stand der Schweizer Nationalspieler im Zentrum des VfL-Spiels. Mit 134 Aktionen am Ball war Xhaka Dreh- und Angelpunkt der Partie, nicht nur beim Elfmeter in der 54. Spielminute übernahm er die Verantwortung.

Im Interview spricht Xhaka über wiedergewonnenes Selbstvertrauen bei der Borussia nach dem Trainerwechsel, darüber, was sich am Spiel seines Teams geändert hat und warum nun der 23-Jährige die Gladbacher Elfmeter schießt.

Frage: Herr Xhaka, Glückwunsch zum Sieg in Berlin. Sie als Anführer bringen Gladbach nach vorne, kann man das so sagen?

Granit Xhaka: Ich glaube, die erste Halbzeit war fast perfekt. Hertha hatte enorm viel Respekt, die standen die eigentlich nur hinten drin. Wir haben 15 Minuten gebraucht, bis wir verstanden haben, wo wir die Lücken finden. Dann haben wir zwei Mal schnell zugeschlagen. Nach der Pause wussten wir, dass Hertha kommen muss. Aber wir haben gut dagegen gehalten und dann kam sofort das 3:0 - da war das Spiel eigentlich gegessen.

"Wir glauben wieder an uns"

Frage: Hatte Hertha zu viel Respekt oder hat Ihre Mannschaft dem Gegner einfach keine Chance gelassen?

Xhaka: Hertha weiß natürlich, dass wir enorm stark sind, wenn wir Räume kriegen. Wir haben auch die dafür notwendige Qualität. Deshalb wollten die Berliner das Spiel eng machen, defensiv stehen und vielleicht in der zweiten Halbzeit etwas mehr kommen - ich weiß es nicht. Aber wir haben sofort zugeschlagen und sie kalt erwischt.

Frage: Heute haben Sie den Elfmeter zum 3:0 geschossen, vorher gab es in dieser Saison bereits vier andere Borussen, die vom Punkt angetreten sind. Sind Sie jetzt der neue Schütze bei Strafstößen?

Xhaka: Die Leute, die mich kennen, wissen natürlich, dass ich immer mal einen Spruch mache. Diesmal habe ich zu Raffael gesagt: Tut mir leid, aber du hast gegen Manchester City verschossen. Lars Stindl hatte gegen Schalke die Möglichkeit und hat nur im Nachschuss verwandelt. Tja, und jetzt war ich dran. Ich wollte mal zeigen, wie man es macht – ohne, dass die Mannschaft zittern muss.

Frage: Jetzt hat Mönchengladbach die letzten sechs Bundesliga-Spiele in Folge allesamt gewonnen, davor fünf Mal verloren. Wie ist so etwas möglich?

Xhaka: Das hätte wohl niemand geglaubt. Die ersten fünf Spiele haben wir verschlafen. Es war ja nicht so, dass wir das Fußballspielen verlernt hatten. Jetzt glauben wir wieder an uns. Wir spielen wieder riskante Bälle, wir halten die Bälle gut. Kurz: Wir spielen guten Fußball. So macht es wieder Spaß. Wir pressen auch viel höher. Wir erobern die Bälle viel höher, so dass der Weg zum Tor viel kürzer ist. So schlagen wir zu. Das ist einfach eine Qualität, die wir haben.

"Jedes Spiel beginnt bei null"

Frage: Sechs Siege in Serie, dabei im Schnitt 3,5 Tore pro Partie - muss die Liga langsam Angst vor der Borussia haben?

Xhaka: Im Moment läuft es gut. Aber wir dürfen nicht ein Prozent nachlassen. Unsere Spielweise kostet viel Kraft. Wir laufen sehr viel, auch intensive Läufe und Sprints. Man sieht, wenn man da nachlässt, wird es schwer. Das hat man die erste Halbzeit im DFB-Pokal gegen Schalke gesehen. Wir müssen hungrig bleiben, gierig bleiben. Jedes Spiel beginnt bei null. Jetzt freuen wir uns auf das nächste Spiel gegen Juventus Turin in der Champions League, danach in der Bundesliga gegen den FC Ingolstadt.

Frage: Muss Juve am Dienstag die Borussia fürchten?

Xhaka: Es wird natürlich ein anderes Spiel als in Berlin. Juve hat nochmal eine ganz andere Qualität. Das hat man auch im Hinspiel gesehen. Aber wenn wir so spielen wie in Berlin, vielleicht sogar noch ein bisschen mutiger nach vorn, können wir auch so eine große Mannschaft wie Juventus Turin ärgern. Ziel ist in der Gruppe jetzt erstmal der dritte Platz. Wenn wir den zweiten oder sogar den ersten mitnehmen können, machen wir das gerne.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo