Köln - Vor dem wichtigen Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Schalke 04 am Freitagabend (ab 20 Uhr im Liveticker) sprach bundesliga.de exklusiv mit Borussias Mittelfeldmotor Granit Xhaka über den Rückrundenstart, seine Vertragsverlängerung, Trainer Lucien Favre und sein Zusammenspiel mit Christoph Kramer.

bundesliga.de: Granit Xhaka, zwei Spiele, zwei Siege - die Rückrunde hätte für Borussia Mönchengladbach nicht besser beginnen können (zur Tabelle)!

Granit Xhaka: Absolut, und genau so haben wir es uns vorgenommen. Wir haben den Rückrundenauftakt in den letzten zwei Jahren jeweils verhauen, deswegen wollten wir dieses Mal unbedingt einen guten Start hinlegen. Zwei Mal 1:0 gewonnen, sechs punkte nach zwei Spielen - besser hätten wir es uns nicht wünschen können.

"Freiburg war die stärkere Mannschaft"

bundesliga.de: Was macht Gladbach so stark?

Xhaka: Die Mannschaft ist reifer geworden, das ist offensichtlich. Gegen Freiburg haben wir nicht am Limit gespielt. Aber in der Vergangenheit haben wir schon bessere Leistungen gezeigt und trotzdem nur einen Punkt geholt oder sogar verloren. Freiburg war die stärkere Mannschaft, trotzdem haben wir den Sieg geholt. Das zeigt, dass wir inzwischen viel abgeklärter sind.

bundesliga.de: Die knappen Ergebnisse deuten an, dass die Borussia auch defensiver als früher spielt.

Xhaka: Schon in der Hinrunde hatten wir die zweitbeste Defensive, in der Hinsicht sind wir echt stark. Vorne müssen wir aber effizienter werden. Gegen Freiburg hätten wir das Spiel in den ersten 25 Minuten entscheiden müssen, da hatten wir drei, vier hundertprozentige Chancen. Schon in der Hinrunde war unsere Chancenverwertung nicht gut genug. Aber wenn wir bis zum 34. Spieltag alle Spiele 1:0 gewinnen, werden wir uns nicht beklagen.

"Jeder träumt von etwas Großem"

bundesliga.de: Was ist also drin für Gladbach in dieser Saison?

Xhaka: Ich denke jeder Spieler, auch der Verein, träumt von etwas Großem. Allerdings ist die Saison noch lang, wir müssen jedes Wochenende hart arbeiten, müssen immer an unsere Grenzen gehen. Jedes Spiel ist eng.

bundesliga.de: Der große Traum, wie sieht der aus? Wollen Sie mit Gladbach in die Champions League?

Xhaka: Klar, jeder möchte mal in der Champions League spielen, davon träumt jeder Spieler! Wer sich das nicht wünscht, sollte mit dem Fußballspielen aufhören. Wir sind auf dem richtigen Weg unseren Traum zu verwirklichen, hoffentlich wird er nach 34 Spieltagen wahr.

"Gegen Schalke wird es ein Highlight-Spiel"

bundesliga.de: Welche Teams sind auf diesem Weg die größten Gegner?

Xhaka: Wolfsburg ist richtig gut drauf, Leverkusen und Schalke auch. Augsburg darf man nicht vergessen, die haben so viele überrascht in dieser Saison. Auf die vier Teams werden wir achten müssen. Am Freitag haben wir jetzt ein echtes Highlight-Spiel gegen Schalke. Da könnte sich zeigen, in welche Richtung es geht.

bundesliga.de: Schalke ist in guter Form momentan...

Xhaka: Klar sind sie gut drauf, aber das sind wir auch. Wir haben Schalke schon zuhause geschlagen. Auf Schalke ist es enorm schwer zu punkten, das wissen wir. Unter Di Matteo spielen sie ein anderes System, bei dem sie zu dritt hinten stehen, oft sogar zu fünft. Es wird schwer, aber dort zu gewinnen ist sicher nicht unmöglich.

"Ich bin richtig angekommen"

bundesliga.de: War Gladbachs gute Form für Sie der Anlass, Ihren Vertrag zu verlängern?

Xhaka: Nein, das war keine Bauchentscheidung. Ich bin hier mittlerweile richtig angekommen, habe hier ein gutes Umfeld. Mönchengladbach ist meine zweite Heimat geworden. Ich bin kein Typ, der nach drei, vier Jahren den Verein wechselt. Wenn es passt, dann passt es, und momentan ist das hier so. Ich bin glücklich hier, und das zählt.

bundesliga.de: Angeblich waren viele Clubs an Ihnen interessiert. Haben Sie sich mit Angeboten beschäftigt?

Xhaka: Klar gibt es immer Angebote und Gerüchte. Aber beides hat mich nicht interessiert. Ich habe Max Eberl gleich geantwortet, dass ich bleiben will, als er mir mitteilte, dass der Verein verlängern möchte. Die Bedingungen haben gestimmt, und deswegen bin ich glücklich, dass die Thematik jetzt erledigt ist.

"Ich weiß, dass meine Entwicklung noch nicht zu Ende ist"

bundesliga.de: Mönchengladbachs und Ihre persönliche Entwicklung scheinen Hand in Hand zu gehen. In den zweieinhalb Jahren seit Ihrer Ankunft hat sich die Borussia stetig verbessert.

Xhaka: Das ist nicht erst so, seitdem ich hier bin. Seit vier Jahren, im Grunde seitdem der Trainer hier ist, ist eine klare Philosophie zu erkennen. Die Borussia spielt seit vier Jahren fast immer international, ist immer oben dabei. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

bundesliga.de: Lucien Favre hat nach Ihrer Vertragsverlängerung gesagt, im Grunde müssten Sie wie bisher weitermachen, damit wäre der Verein zufrieden. Klingt einfach...

Xhaka: (lacht) Ja, das lässt sich einfach sagen, aber das verlangt viel Arbeit, viele Extra-Schichten. Der Trainer kennt mich gut, meine Qualitäten und die Bereiche, in denen ich noch arbeiten muss. Ich bin erst 22, und ich weiß, dass meine Entwicklung noch nicht zu Ende ist. Deswegen werden wir weiter hart arbeiten.

"Der Abschluss ist eine meiner Stärken"

bundesliga.de: Viele mag es überraschen, dass Sie trotz Ihres starken linken Fußes erst zwei Bundesliga-Treffer erzielt haben. Feilen Sie im Training an Ihrem Torabschluss?

Xhaka: Ja, ganz klar. Der Abschluss ist eine meiner Stärken, allerdings wissen das auch die Gegner, das macht es schwer. Wer die Tore macht, ist mir aber auch nicht wichtig. Klar, es würde mich freuen, wenn ich in der Rückrunde auch so treffen sollte wie in der Hinrunde. Da habe ich in allen Wettbewerben zusammengerechnet drei Tore geschossen, das wäre super.

bundesliga.de: Auf welches Element legen Sie im Training Ihren Hauptfokus?

Xhaka: Eigentlich auf alle Bereiche. Wie gesagt, ich bin 22 und kann noch viel lernen. Das werde ich hier bei der Borussia mit diesem Trainer auch, weil er einer ist, dem Details auffallen. Mit ihm sind wir auf dem richtigen Weg.

"Der Trainer ist ein Perfektionist"

bundesliga.de: Ist Favre wirklich so akribisch, wie häufig berichtet wird?

Xhaka: Der Trainer ist ein Perfektionist. Ihm fallen die kleinen Dinge auf, die heute im Fußball von großer Bedeutung sein können. Wir können wirklich froh sein, dass wir bei der Borussia so einen Trainer haben.

bundesliga.de: Profitiert Gladbach in dieser Saison auch von den vielen Neuzugängen?

Xhaka: Keine Frage, sie haben unseren Kader breiter und stärker gemacht. Wir können jetzt problemlos rotieren und jeder kann mithalten. Bei 50 Spielen im Jahr muss der Trainer durchwechseln und dabei es gibt keinen Qualitätsverlust.

"Man erreicht seine Ziele nur als Mannschaft"

bundesliga.de: Vor allem im Angriff hat die Borussia im Sommer zugeschlagen. Gibt es einen Spieler, der Ihnen in Trainingsduellen besondere Schwierigkeiten bereitet?

Xhaka: Im Training bist du bei uns immer stark beansprucht, aber ich spiele generell gegen jeden gerne, egal ob Kollege oder Gegner. Alle Neuen haben Qualität, jeden macht etwas anderes stark. Das macht uns so variabel.

bundesliga.de: Wer war in der Bundesliga bisher Ihr stärkster Gegner?

Xhaka: In der Bundesliga ist es immer schwer, egal auf welchen Verein oder welchen Spieler du triffst. Ich bin keiner, der einzelne Spieler hervorhebt. Man erreicht seine Ziele nur als Mannschaft.

"Jeder gönnt Christoph den Titel"

bundesliga.de: Im zentralen Mittelfeld hat Gladbach mit Ihnen und Christoph Kramer zwei starke Persönlichkeiten. Wer gibt die Anweisungen, wer ist der Chef?

Xhaka: Bei uns ist die ganze Mannschaft der Chef. Ich harmoniere hervorragend mit Chris Kramer. Wir laufen beide enorm viel, holen viele Bälle, sind fußballerisch auch gut. Das harmoniert, das passt einfach. Wir diskutieren viel miteinander, auf und neben dem Platz.

bundesliga.de: Hat sich die Hierarchie nicht verändert, seitdem Kramer Weltmeister ist?

Xhaka: Nein, dafür ist er nicht der Typ. Jeder gönnt ihm den Titel, aber er hebt deswegen nicht ab oder denkt, er muss plötzlich mehr zeigen. Er ist immer noch der Gleiche und denkt nicht, er müsste plötzlich den Chef spielen. Wir erledigen alles zusammen und bisher ist das gutgegangen.

"Verantwortung kann man nur übernehmen, wenn die Leistung stimmt"

bundesliga.de: Werden Sie noch mehr Verantwortung übernehmen müssen, wenn Kramer im Sommer zu Bayer Leverkusen wechselt?

Xhaka: Verantwortung kann man nur übernehmen, wenn die Leistung stimmt. Es ist schade, dass Chris Kramer gehen wird. Aber es werden vielleicht neue Spieler kommen, außerdem haben wir Havard Nordtveit oder Mahmoud Dahoud, der noch jung ist und kommen wird. Ich mache in der Hinsicht überhaupt keine Sorgen.

Das Gespräch führte Felix Seaman-Höschele