Köln - Granit Xhaka gibt alles für die Champions League-Teilnahme. Bereits seit einigen Wochen spielt der Mittelfeld-Chef von Borussia Mönchengladbach mit einer gebrochenen Rippe. Vor dem Duell mit Bayer Leverkusen (Samstag, ab 15:00 Uhr im Liveticker) spricht er im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über die Risiken, über Bayers Stärken und Schwächen und über womöglich drohende Schwergewichte in der Champions--League-Qualifikation.

bundesliga.de: Herr Xhaka, kürzlich wurde bekannt, dass Sie sich eine Rippe gebrochen haben. Eine Verletzung, die Ihnen seit Wochen Probleme bereitet. Keine idealen Voraussetzungen für den wohl knochenharten Fight gegen Bayer Leverkusen.

Granit Xhaka: Wir wollten das eigentlich nicht öffentlich machen. Vor einigen Tagen haben Journalisten mich aber darauf angesprochen. Keine Ahnung, wie sie das heraus bekommen haben. Jedenfalls war ich ehrlich und habe gesagt: 'Ja, es stimmt. Ich habe mir Ende März im Länderspiel gegen Estland eine Rippe gebrochen'. In den ersten Spielen danach habe ich deshalb mit einem Karbon-Panzer gespielt. Der hat mich aber so sehr beim Atmen gestört, dass ich zuletzt lieber darauf verzichtet habe.

"Ich will gar nicht wissen, wie es um die Rippe steht"

bundesliga.de: Klingt nicht ganz ungefährlich...

Xhaka: Eigentlich sollte in der vergangenen Woche ein MRT gemacht werden. Ich habe mich letztlich aber dagegen entschieden, weil ich jetzt gar nicht wissen will, wie es genau steht um die Rippe. Damit warte ich lieber bis nach Saisonschluss. Klar könnte es passieren, dass ich im Zweikampf unglücklich einen Schlag auf diese Stelle bekomme. Dann wäre Schluss für mich. Aber ich bin kein Spieler, der so negativ denkt. In den vergangenen Spielen ist es ja auch gut gegangen.

bundesliga.de: Borussia hat in den vergangenen zehn Bundesliga-Spielen 18, Bayer gar 25 Tore erzielt. Glauben Sie an ein Spektakel oder eher an ein taktisch geprägtes Spiel?

Xhaka: Wir haben die bessere Ausgangslage, weil wir zwei Punkte vor Leverkusen stehen. Bayer muss also kommen, wenn man uns noch abfangen will. Trotzdem werden wir nicht nur hinten drin stehen. Das ist nicht unser Spiel, vor allem nicht zuhause. Vor eigenem Publikum wollen wir offensiv agieren. Allerdings nicht um jeden Preis. Wir müssen das Spiel auch nicht nach ein paar Minuten oder noch in der ersten Halbzeit entscheiden. Uns bleiben 90 Minuten. Und ich bin überzeugt, dass wir es sind, die nach diesen 90 Minuten lachen können.

"Ich sehe echte Chancen für uns"

bundesliga.de: "Bayer muss kommen", Bayer hat allerdings auch das dazu notwendige Offensiv-Potenzial...

Xhaka: Keine Frage, das ist ihre große Stärke. Schon im Hinspiel hat man gesehen, dass Bayer ein enormes Pressing aufziehen kann. Umso mehr dürfte es sie schmerzen, dass Bellarabi wegen seiner fünften gelben Karte ausfällt. Defensiv sehe ich allerdings echte Chancen für uns. Die Mannschaft steht bisweilen sehr hoch, so dass wir uns mit unserem sicheren Kurzpassspiel und unserer Schnelligkeit gute Chancen erarbeiten sollten.

"...die Entscheidung wäre gefallen"

bundesliga.de: Borussia und gerade auch Sie selbst scheinen vor Selbstvertrauen zu strotzen. Kann darin auch eine Gefahr liegen?

Xhaka:Das glaube ich nicht. Ich halte es sogar für wichtig, dass wir diese Zeit in vollen Zügen genießen. Drei Spieltage vor Schluss haben wir 60 Punkte auf dem Konto und stehen auf Platz drei - das ist eine überragende Bilanz, die uns die Kraft geben sollte, am Samstag vielleicht schon den vorentscheidenden Schritt in Richtung Champions League zu machen.

bundesliga.de: Bei einem Sieg hätte Borussia fünf Punkte Vorsprung auf Bayer...

Xhaka: ...und aus meiner Sicht wäre die Entscheidung dann gefallen. Diesen Vorsprung würden wir uns in den verbleibenden zwei Spielen nicht mehr nehmen lassen.

bundesliga.de: Falls aber doch Bayer gewinnen sollte?

Xhaka: Daran glaube ich nicht. Sollte es aber wider Erwarten doch so kommen, hätte Bayer gerade einmal einen Punkt Vorsprung auf uns, so dass wir durchaus noch Chance hätten, sie abzufangen.

"Platz vier wäre eine Enttäuschung"

bundesliga.de: Oscar Wendt hat kürzlich gesagt, dass auch Platz vier herausragend wäre. Für Sie auch?

Xhaka: Ich weiß natürlich, was Oscar meint, und er hat es ja auch vor zwei Wochen gesagt. Wenn es am Ende nicht für den dritten Platz reichen würde - vielleicht sogar nur wegen eines einzigen Punktes weniger - hätten wir dennoch eine tolle Saison gespielt. Aber ganz ehrlich, für mich persönlich wäre Platz vier jetzt eine dicke Enttäuschung. Denn ich bin überzeugt, dass wir den dritten Platz wirklich verdient hätten. Auch Leverkusen spielt eine klasse Saison. Aber wenn man drei Spieltage vor Schluss auf Platz drei steht und vielleicht sogar noch Vize-Meister werden kann, muss man alles geben, um mindestens diesen dritten Platz zu halten. Umso mehr, weil uns als Vierter in der Qualifikation Teams wie Manchester United drohen würden. Und auf solche Kaliber könnte ich zu diesem Zeitpunkt gut verzichten.

bundesliga.de: Ihr Tipp für Samstag?

Xhaka: Borussia gewinnt 2:0!

Das Gespräch führte Andreas Kötter