Berlin - Die Leidenszeit ist vorbei. Ein Jahr nach seinem letzten Länderspiel ist der WM-Held Mario Götze von Borussia Dortmund wieder im Kreise der Nationalmannschaft.

Mario Götze ließ sich Zeit. Als letzter aller 25 Nationalspieler stieg der Rückkehrer in Berlin aus dem Bus, erfüllte lachend die Wünsche der Autogrammjäger und tätschelte das Bronze-Krokodil im künstlerisch illuminierten Foyer des Luxushotels "Das Stue". Der WM-Held von 2014 ist nach langer Leidenszeit zurück - und er fühlt sich sofort wieder wie zu Hause.

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"Es ist schön, wieder dabeizusein. Es war eine lange Zeit", sagte Götze, der wegen einer Stoffwechselerkrankung monatelang ausgefallen war. Sein letztes Länderspiel ist fast genau ein Jahr her, der Dortmunder wurde schmerzlich vermisst. "Unglaublich wichtig" sei Götze, menschlich wie spielerisch, betonte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff am Dienstag. Wenn Götze (25) fit sei, "ist er für jede Mannschaft der Welt eine Bereicherung".

Bei Borussia Dortmund hat sich Götze seit seinem Comeback im August gut eingefügt. "Mario ist schon ein außergewöhnlich guter Spieler mit besonderen Qualitäten", lobt Bundestrainer Joachim Löw - doch diese sind inzwischen eher strategisch. Götze ist ein Schwimmer zwischen den Linien geworden, ein Lückensucher, ein Raumöffner. Er ist kein explosiver Dribbler mehr, der große Torgefahr ausstrahlt. "Er hat Potenzial nach oben und ist noch nicht ganz der Alte, aber der muss er auch gar nicht mehr werden", sagt sein Mitspieler Ilkay Gündogan, der ebenfalls nach einem Jahr Zwangspause wieder dabei ist.

Vogts sieht Götze im Vorteil

So oder so: "Mario war bei uns bislang immer wertvoll. Ich bin mit seiner Entwicklung sehr zufrieden", sagt Löw. Bei aller Dankbarkeit, vor allem wegen des entscheidenden Tores im WM-Finale 2014, darf sich Götze seines Platzes für Russland 2018 aber nicht sicher sein. Die Konkurrenz schläft nicht: Besonders Leon Goretzka drängte sich zuletzt für das offensive Mittelfeld auf, wo auch Julian Draxler, Thomas Müller oder Mesut Özil Ansprüche anmelden. 

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Ex-Bundestrainer Berti Vogts sieht das allerdings anders - und Götze zumindest gegenüber Emporkömmlingen im Vorteil: "Wenn der Bundestrainer zwei Spieler auf einem ähnlichen Niveau hat, wird er sich immer für den Siegtorschützen aus dem WM-Finale entscheiden - denn er weiß, dass er sich auf ihn verlassen kann, wenn es drauf ankommt. Das weiß er bei den Jungen noch nicht." 

Video: Götze ist wieder voll dabei

Götze wird ohnehin froh über die Nationalmannschaftsreise sein, die für ihn am Dienstag mit Werbefilmchen und der Trikotpräsentation schonend begann. Entsprechend gut gelaunt erschien er in weißen Turnschuhen mit Wollmantel zum Treffpunkt am Dienstagvormittag. Der BVB hat schließtlich zuletzt in vier Spielen elf Punkte auf Götzes Ex-Klub Bayern München verloren.  

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Bierhoff wünscht sich für das Sorgenkind des vergangenen Jahres nun "mit uns ein Erfolgserlebnis. Mario hat sehr konstant und kontinuierlich an seinem Comeback gearbeitet". Für Götze selbst wird etwas anderes wichtiger sein: Er ist wieder gesund. 

SID