Zusammenfassung

  • Leon Goretzka wechselt im Sommer von Schalke zum FC Bayern

  • 2013 wechselte er vom VfL Bochum zu den Königsblauen

  • Peter Neururer: "Er wird der Star des deutschen Fußballs"

Köln – Leon Goretzka geht den nächsten großen Schritt in seiner Karriere. Der Nationalspieler wird im Sommer 2018 vom FC Schalke 04 zum FC Bayern München wechseln. Bei den Königsblauen ist der 22-Jährige, der 2013 aus der 2. Bundesliga vom VfL Bochum gekommen war, zur unverzichtbaren Größe im Mittelfeld der Schalker avanciert und hatte in der Hinrunde maßgeblichen Anteil daran, dass die Knappen auf Platz 2 überwinterten. In der zweiten Halbserie will der Musterprofi noch einmal alles für seinen aktuellen Arbeitgeber in die Waagschale werfen.

Kämpferisch stark, dynamisch unterwegs und darüber hinaus noch extrem torgefährlich: Vier Treffer konnte der Nationalspieler in der Hinrunde erzielen, ist damit zweitbester Torschütze der Schalker. Im Sommer zum Vize-Kapitän ernannt übernimmt Goretzka immer mehr Verantwortung im Spiel des Ruhrpott-Clubs, geht als Anführer in den wichtigen Situationen voran. Als klassischer Achter im zentralen Mittelfeld vereint er die spielerische Komponente mit den Attributen, die auf Schalke gern gesehen werden: Intensiv geht Goretzka in die Duelle mit dem Gegner und zählt läuferisch zu den stärksten Akteuren bei den Königsblauen.

Video: Goretzka – Antreiber, Techniker, Vollstrecker

Eine Entwicklung, die sich für beide Seiten auszahlt: Goretzkas Reife zur Führungspersönlichkeit, zum Anführer des jungen Schalker Teams ist ein Qualitätsmerkmal des Aufschwungs bei S04. Eine Rolle, die dem 22-Jährigen durchaus behagt: "Ich war das auch schon in meinen Jugendteams und als Kapitän in Jugend-Nationalmannschaften. Das macht mir Spaß, und ich glaube auch, dass meine Position dafür prädestiniert ist", betont Goretzka, der in dieser Saison – wie sein Team – einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat. Gute Zweikampfwerte (54 Prozent gewonnene Duelle), starke Laufdaten (11,8 Kilometer, 76 intensive Läufe), vier Treffer in elf Partien: Der Aufwärtstrend auf Schalke schlägt sich auch statistisch nieder.

"Ich war auch schon Anführer in meinen Jugendteams und als Kapitän in Jugend-Nationalmannschaften. Das macht mir Spaß. Ich glaube auch, dass meine Position dafür prädestiniert ist!" Leon Goretzka

Das ist auch das Verdienst des neuen S04-Trainers Domenico Tedesco, der von Beginn an einen Draht zu seinem Schützling fand. Insbesondere in den Diskussionen um Goretzkas Planstelle im Schalker Spiel konnte der junge Coach den Mittelfeldspieler, der von der Position vor der Abwehr in eine offensivere Rolle strebte, von seinem Konzept überzeugen. "Ich habe gesagt: Danke, Leon, für deine Offenheit! Im Moment brauchen wir dich als Sechser. Aber ich verspreche: Wenn wir den nächsten Entwicklungs-Step geschafft haben, bist du Achter!“, erklärte Tedesco im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Auch wenn Goretzka seine Lieblingsposition weiter vorne sieht, auf Schalke geht es für ihn ebenso gerne eine Reihe weiter hinten zur Sache. Taktisch variabel, technisch beschlagen, dazu mit dem nötigen Killerinstinkt: Der Schalker gilt als Idealtypus des torgefährlichen Box-to-Box-Players.

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Mit nur 17 Jahren schafft Leon Goretzka den Durchbruch beim VfL Bochum © gettyimages / Jürgen Schwarz

Schon 2013, als er im Alter von 18 Jahren von seinem Heimatclub VfL Bochum zu S04 wechselte, war er heiß begehrt – gegen die hochkarätige nationale und internationale Konkurrenz konnten sich die Knappen im Werben um das "Jahrhunderttalent" Leon Goretzka allerdings behaupten. Auf Schalke wollte der ehrgeizige Youngster, dem viele schon in jungen Jahren eine Weltkarriere vorhersagten und mit Legenden wie Michael Ballack oder Lothar Matthäus verglichen, den nächsten Entwicklungsschritt gehen. Für den heimatverbundenen Mittelfeldmann die perfekte Lösung: Das Umfeld blieb dasselbe, nur der Verein wechselte. Gerade in so manch schwieriger Phase in den ersten Jahren bei den Knappen, als ihn die Vorschusslorbeeren und Verletzungsprobleme zu hemmen schienen, wirkte die gewohnte Atmosphäre Wunder.

Enge Verbundenheit mit der Heimat & dem VfL Bochum

Vergessen hat Goretzka seinen Heimatclub nie: Immer noch besitzt der Nationalspieler eine Dauerkarte beim VfL Bochum und schaut regelmäßig beim Zweitligisten vorbei. „Wenn ich die Zeit habe, dann bin ich auch da, zumal ich ja immer noch um die Ecke wohne“, betont er. Auch mit seinen Mannschaftskollegen aus früheren Tagen, die es nicht in den Profifußball geschafft haben, hält er weiterhin Kontakt – und ist sich auch nicht zu schade, bei Kreisligaspielen seiner Kumpels an der Seitenlinie als Zuschauer zu stehen. Wie eng die Verbindung zwischen Goretzka und seiner Heimat ist, zeigte sich bei der "Tor des Monats"-Verleihung im November: Der Schalker schickte liebevolle Grüße an den VfL, der sich überschwänglich bei seinem ehemaligen Ausnahmetalent für seine Unterstützung in finanziell schwierigen Zeiten bedankte. Ehrliche Gefühle, die die Leute im Ruhrpott zu schätzen wissen.

Das gilt auch für den Ehrgeiz, den Goretzka an den Tag legt. Um die Verletzungssorgen in den Griff zu bekommen, stellte er seine Ernährung um. Keine Kuhmilch, kein Schweinefleisch kein Gluten mehr – für den Aufstieg vom Talent zum Superstar geht der Mittelfeldmann ungewöhnliche Wege. "Schon nach zwei, drei Wochen merkte ich den Unterschied. Wenn man so ein Aha-Erlebnis hat, fällt es anschließend viel leichter, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten. Ich habe mehr Energie, bin viel seltener tagsüber müde", erklärt Goretzka die Wirkung seiner Ernährungsumstellung. Das ist auch auf dem Platz zu spüren, wo sich der torgefährliche Achter zunehmend in den Fokus spielt. Auch Bundestrainer Joachim Löw hat Gefallen an dem dynamischen Strategen gefunden – schon vor der WM 2014 stand Goretzka im erweiterten Kader.

Als Führungsspieler ist Leon Goretzka bei Schalke unverzichtbar © imago / DeFodi

"In der Bundesliga zu spielen, ist außergewöhnlich, doch die Nationalmannschaft ist ein Kreis, der noch elitärer ist. Man will zu den Besten gehören. Vor allem aber will man mit den Besten zusammenspielen", betont der ambitionierte Schalker, der seinen endgültigen Durchbruch auf internationaler Ebene im vergangenen Sommer feierte. Beim Confed-Cup in Russland führte er das junge deutsche Team zum Erfolg und überzeugte wie schon im Schalke-Trikot als formstarker Leader. Auch angesichts seiner Leistungen in der Bundesliga ist es kaum verwunderlich, dass Goretzka das Interesse vieler Topclubs auf sich zog: Obwohl auch namhafte internationale Clubs wie der FC Barcelona, Real Madrid oder der FC Liverpool an ihm Interesse zeigten, machte letztlich der FC Bayern das Rennen. "Wir wären im falschen Film, wenn wir uns mit einem deutschen Nationalspieler, der noch dazu ablösefrei ist, nicht auseinandersetzen würden", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wenige Tage, bevor der Wechsel verkündet wurde.

Schalke auf Kurs dank seines Anführers

In der Rückrunde, soviel ist sicher, wird Goretzka noch das königsblaue Dress tragen. Die Ziele sind groß bei 22-Jährigen: Er will sich mit Schalke unter den besten vier Teams der Bundesliga etablieren und sich zugleich für die anstehende Weltmeisterschaft in Russland empfehlen. Dass das funktionieren kann, zeigte das Jahr 2017 eindrücklich: S04 ist nach einer schwachen Vorsaison auch dank seines überragenden Führungsspielers zurück auf Kurs, Goretzka unterstrich seinen Wert mehrfach durch überzeugende Leistungen auf dem Platz. Zunehmend wird deutlich, was sich bereits in jungen Jahren angedeutet hat: Die Zukunft gehört Leon Goretzka! Geht es nach seinem früheren Förderer Peter Neururer, dann schlüpft sein ehemaliger Schützling in die Fußstapfen von Vorbildern wie Lothar Matthäus und Michael Ballack: "Leon gehört bereits heute zu den besten Spielern. Dabei hat er noch längst nicht sein Potenzial ausgeschöpft. Deshalb ist für mich klar, dass er DER Superstar des deutschen Fußballs wird."

Um in die Fußstapfen von Lothar Matthäus und Michael Ballack zu treten ist es freilich noch ein langer Weg, doch ab der kommenden Saison hat Goretzka immerhin schon einmal das passende Trikot dazu an.