Köln - Sechser, Achter, Zehner, oder auch mal Außenverteidiger: Kaum ein anderer Bundesliga-Spieler ist so flexibel wie Gonzalo Castro, der außerdem durch seine überragende Spielintelligenz auffällt. bundesliga.de stellt Castro näher vor und erklärt, wieso der 28-Jährige für Borussia Dortmund sehr wertvoll werden kann.

Seit 1999 spielte der gebürtige Wuppertaler für Bayer 04 Leverkusen, begann seine Karriere – nach Stationen in der Kindheit bei Viktoria Rott, SV Bayer Wuppertal und Post SV Wuppertal - in der Jugend der Werkself. Seinen ersten Profivertrag unterschrieb er 2005 – als 18-Jähriger.

Auf dem Boden geblieben

Abgehoben ist der Sohn spanischer Einwanderer trotzdem nie, bei Bayer absolvierte er ganz bodenständig eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann; privat geht er gerne angeln, spielt Tennis oder trifft Freunde.

Nach 16 Jahren ist für "Gonzo" nun Schluss in Leverkusen. Obwohl er dort über Jahre zu den wichtigsten Stammspielern zählte, standen jedoch meist andere im Rampenlicht. Castro ist eher der Mann, der "leise" im Hintergrund arbeitet und dem Spiel immer wieder seinen Stempel aufdrückt, egal auf welcher Position er eingesetzt wird.

Flexibler Spielgestalter

Auf der Sechser-Position agiert Castro als Spielgestalter, verteilt die Bälle, baut das Spiel von hinten auf und arbeitet auch defensiv mit. Aber auch offensiver fühlt er sich wohl. Auf der Acht setzt er nicht nur wichtige Offensivimpulse und nimmt immer wieder die Außenverteidiger mit, sondern beackert auch fleißig das restliche Spielfeld und stellt dabei seine Spielintelligenz unter Beweis.

Räume öffnen, sich nach vorne kombinieren, gefährliches Pressing: kein Problem für Castro. In der Offensivabteilung überzeugt er außerdem als Zehner im offensiven Mittelfeld.

Als wichtige Anspielstation für seine Mitspieler agiert er dort nicht nur als Vorlagengeber, sondern zeigt selbst immer wieder seinen Torriecher. Unvergessen sein überragender Auftritt gegen den Hamburger SV am 27. Spieltag der abgelaufenen Saison. Castro war als Spielmacher hinter Stefan Kießling an allen vier Toren beteiligt, netzte zwei Mal selbst ein und legte zwei Mal für den Mittelstürmer auf.

So einen braucht der BVB

Borussia Dortmund kann so einen flexiblen wie spiel- und technisch starken Spieler gut gebrauchen. 47 Tore und 42 Gegentore in der abgelaufenen Saison entsprechen nicht den Erwartungen der Borussia.

Ob als Staubsauger vor der Abwehr oder als offensiverer Sechser: Auf beiden Positionen ist Bedarf. In der Defensivabteilung hat Sebastian Kehl seine Karriere beendet, und beim erst 21-jährigen Matthias Ginter ist dort als gelernter Innenverteidiger noch Luft nach oben. Oliver Kirch ist – trotz kurzzeitigem Höhenflug – in der Zukunft auch keine wirkliche Option mehr. Lediglich auf Sven Bender ist auch weiterhin Verlass.

In der Zentrale ist der Verbleib von Ilkay Gündogan auch weiterhin ungewiss, nach seiner langen Verletzungspause hat der 24-Jährige außerdem noch nicht vollends zu seiner alten Form gefunden – genau wie Nuri Sahin, der verletzungsbedingt beinahe die ganze Saison verpasste. Nur sieben Mal kam er in der Bundesliga zum Einsatz.

Aber auch im offensiven Mittelfeld ist beim BVB Bedarf. Weder Henrikh Mkhitaryan noch Shinji Kagawa überzeugten vollends. Einer wie Castro, der geschickte Spielzüge zeigt, vorlagenstark ist und auch selbst immer wieder erfolgreich abschließt, könnte neuen Schwung in die erlahmte BVB-Offensive bringen und auch einen wie Ciro Immobile endlich in Szene setzen.

Für die anstehende Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und die angestrebte Europa League kann Castro der Borussia also auf jeden Fall weiterhelfen – auf fast jeder Position.

Helge Winter