Dortmund - Nach zwei Niederlagen hat sich der BVB mit dem klaren 4:1-Erfolg über den VfB Stuttgart zurückgemeldet (Spielbericht)– auch dank Gonzalo Castro, der immer stärker wird. Der Neuzugang führte die Borussia mit einem Treffer und einer Vorlage per Hacke auf die Siegerstraße. Nach der Partie erklärte der 28-Jährige im Interview, warum sich Borussia Dortmund trotzdem eine Halbzeit lang schwer getan hat, wie er seine eigene Leistung einschätzt und mit welchem Gefühl er jetzt in das Spitzenspiel gegen Wolfsburg geht.

Frage: Gonzalo Castro, am Ende ist es ein deutlicher 4:1-Sieg geworden – der aber trotzdem auch leicht hätte noch höher ausfallen können?

Gonzalo Castro: Das stimmt, aber es hätte auch in der ersten Halbzeit schon 2:2 stehen können. Letztlich sind wir froh, dass wir in der zweiten Halbzeit noch einmal eine Schippe draufgelegt haben. Wir haben das Spiel dann beherrscht und Stuttgart nicht mehr zu solchen Konterchancen kommen lassen wie in der ersten Hälfte. Klar hätten wir mit unseren ganzen Chancen auch noch höher gewinnen können. Aber der 4:1-Sieg ist am Ende auch in Ordnung.

"Man kann einen Hackentrick mal versuchen"

Frage: Sie selbst haben das erste Tor gemacht und den zweiten Treffer mit der Hacke klasse auf Pierre-Emerick Aubameyang vorgelegt.

Castro: Das war in diesem Moment intuitiv. Ich konnte den Ball zwar schon kontrollieren, habe aber auch den Gegner im Rücken bemerkt. Zugleich habe ich gesehen, dass Auba relativ frei war – also hab ich es einfach mal versucht. Wenn eine solche Aktion gelingt in dem Drittel, dann ist es eine Torchance. Wäre es schief gegangen, wäre nicht viel passiert. Da kann man so einen Hackentrick mal versuchen.

Frage: War dieses Spiel genau die richtige Reaktion auf die beiden letzten Niederlagen? Und wie wichtig ist das Ergebnis auch mit Blick auf die nächste Partie beim VfL Wolfsburg?

Castro: Wir wollten es unbedingt, das hat man gesehen. Wir haben von der ersten Minute an gezeigt, dass wir das erste Tor schießen wollten. Das haben wir auch geschafft. Jetzt können wir in dieser Woche mal ein bisschen durchschnaufen und uns ganz in Ruhe auf Wolfsburg vorbereiten. Und dann gehen wir am Samstag gut gewappnet in das große Spiel des Dritten gegen den Zweiten.

Frage: Ihre eigene Formkurve zeigt in den letzten Wochen stetig nach oben. Wie fühlt es sich an, wenn man jetzt beim BVB auch richtig ankommt?

Castro: Schön! Für die Leistung, die ich in den letzten Spielen gebracht habe, wurde ich auch geholt. Das freut mich natürlich sehr. Ich genieße sehr großes Vertrauen des Trainers und kann es jetzt auch mit entsprechend vielen Spielminuten zurückzahlen. Es ist schön, es läuft alles. Und wenn wir jetzt auch wieder gewinnen, dann ist wirklich alles prima.

"Haben die Qualität mehr Tore zu schießen"

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Frage: Trotzdem bleibt auch nach diesem Spiel die Frage, warum der BVB immer mal wieder trotz Dominanz und Überlegenheit solche Gegentreffer kassiert wie auch gegen den VfB.

Castro: Wenn wir das wüssten, dann hätten wir es vielleicht schon abstellen können. Man darf auch nicht vergessen, dass immer auch ein Gegner auf dem Platz steht. Und der VfB hat gerade offensiv enorme Qualität mit Didavi, Werner, Kostic oder auch Maxim. Das sind allesamt schnelle Spieler. Das haben wir zwar auch vorher gewusst, aber trotzdem bleiben sie im Spiel nach vorne immer sehr gefährlich. Leider konnten wir da nicht alles verhindern. Und in einer Phase, in der wir selbst nicht so zwingend und nicht so klar spielen, haben wir dann das Tor kassiert. Aber letztlich haben wir dann in der zweiten Halbzeit doch alles gezeigt, was wir können.

Frage: Im Spielsystem von Thomas Tuchel stehen die Verteidiger sehr hoch. Macht das den BVB anfälliger für solche Gegentore?

Castro: Das mag sein, aber das gehört zu unserem Spiel. Es bringt auch nichts, wenn unsere Verteidiger 40 Meter in der eigenen Hälfte stehen und wir mit dem ganzen Druck dann vorne alleine sind. Klar können wir so mal einen Konter kassieren und auch ein Tor fressen. Aber wir haben eben auch die Qualität, dann selbst ein, zwei oder auch drei Tore mehr zu schießen.

 

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte