München - "Er kommt über die Lust und über das Gefühl, ein bisschen tricky zu sein und Sachen zu machen, die andere nicht drauf haben. Er ist ein Spaßfußballer." Wenn man BVB-Coach Jürgen Klopp (in den "RuhrNachrichten") über einen seiner Spieler sprechen hört, denkt man fast automatisch an Shootingstar Mario Götze.

Knapp daneben - die Rede war von Jakub Blaszczykowski. Der Pole rückt jetzt in den Fokus, da der Nationalspieler bis zu acht Wochen ausfällt. Nur gut, dass Kuba gerade rechtzeitig in Bestform ist.

Ein besseres Bewerbungsschreiben als langfristiger Götze-Ersatz gibt es kaum, als das, das der Rechtsaußen am Samstag auf den Rasen zauberte. Zwei Tore selbst gemacht, ein weiteres vorbereitet und noch eines eingeleitet. Blaszczykowski lieferte bei der sein wohl bestes Spiel seiner Bundesligakarriere ab. Doch wie sieht es aus, wenn man die ganze Saison der beiden vergleicht? Kann Kuba Götze adäquat ersetzen? Woran fehlt es dem Polen, was hat er Götze vielleicht sogar voraus? bundesliga.de hat in die Datenkiste geschaut.

"Kuba hatte eine schwierige Phase"

Am Wochenende war Kuba der strahlende Held, doch die Hinrunde lief eigentlich nicht wirklich nach seinem Geschmack. Meist war er nur Einwechselspieler. "Kuba hatte eine schwierige Phase", sagte Klopp, "doch er hat das alleine hinbekommen. Er ist selbst aus dem Tal der Unzufriedenheit herausgekommen. Er hat sich in eine fantastische Form gebracht."

Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn: Wenn Superstar Götze in dieser Saison fehlte, sah es für Dortmund meist gar nicht gut aus. Zwei der drei Saisonniederlagen kassierte der Meister ohne den 19-Jährigen. Seine Spielintelligenz und das besondere Element, für das Götze sorgt, fehlten dem BVB - so wie jetzt. Kann Kuba erfolgreich in die Bresche springen?

Kuba steht Götze in (fast) nichts nach

Statistisch gesehen kann er jedenfalls fast mit dem Nationalspieler mithalten, beispielsweise bei der reinen Torgefahr. Götze, der Kuba bisher auf 14 Einsätze kam, war im Schnitt alle 105 Minuten an einem Treffer beteiligt, Kuba alle 138. Und rechnet man die Torschüsse auf die Einsatzzeit hoch, steht der polnische Auswahlkapitän dem deutschen Shootingstar ebenfalls - fast - in nichts nach. Götze gab alle 41 Minuten einen Torschuss ab, Kuba alle 42 Zeigerumdrehungen.

Auch bei den Torschussvorlagen pro Minute ist Kuba Götze ebenbürtig - beide bereiteten alle 23 Minuten eine Chance vor. In punkto Topspeed (33 Kilometer pro Stunde zu 32,4) war der 26-Jährige im bisherigen Saisonverlauf sogar besser als der Youngster.

Starke Zweikampf- und Flankenbilanz

Die Offensivbilanz spricht also schon für Kuba als perfekte Alternative. Doch in der Art und Weise, wie diese zu Stande kommt, unterscheiden sich die beiden. Götze zieht es immer wieder in die Zentrale, wodurch er auf deutlich mehr Ballkontakte kommt (69 zu 50 pro 90 Minuten). Außerdem wird er im Zentrum in mehr Zweikämpfe verwickelt - keine echte Stärke des Youngsters, hier spricht die Bilanz für Kuba, der mit 49 Prozent gewonnener Duelle fünf Prozent vor Götze liegt.

Beide sind Vorbereiter der Extraklasse, doch haben sie dies unterschiedliche Vorgehensweisen: Götze setzt Stürmer mit Steilpässen ein, zieht selbst in den Sechzehner und sucht den Doppelpass. Kuba beschwört eher Gefahr durch Flanken herauf: 38 Prozent der Hereingaben Blaszczykowskis führten zu einem Torschuss, zwei davon zu einem Tor. Götze bereitete mit Flanken in dieser Spielzeit noch gar keinen Treffer vor, und nur 16 Prozent wurden zu Torversuchen. Was Flanken angeht, sticht Kuba Götze also aus.

Für Klopp eine "Luxussituation"

Offensivaktionen, Zweikämpfe, Flanken: Die Statistiken zeigen, dass Kuba mit Götze durchaus mithalten kann und ihn, wie schon in Hamburg, würdig vertreten wird. Zumal seine Konkurrenten (Ivan Perisic, Mohamed Zidan, Lucas Barrios) alles andere als in Top-Form sind und gemeinsam gerade mal auf vier Torbeteiligungen kommen (Kuba auf sechs, Götze auf zehn).

Kuba selbst gab sich nach seiner Glanzleistung gegen den HSV jedenfalls diplomatisch: "Wir haben eine großen Kader mit vielen, vielen guten Spielern. Das haben wir in Hamburg wieder einmal bewiesen. Für den Trainer ist das natürlich eine Luxussituation", sagte er . In der Tat - wohl dem, der solche Alternativen hat.


Christoph Gschoßmann