Jerez - Hier ein Autogramm auf dem Trikot, dort ein Foto vor einer riesigen Palme: Wenn Mario Götze das Trainingsgelände verlässt, scharen sich die Anhänger im sonnigen Jerez de la Frontera um das Juwel des Herbstmeisters Borussia Dortmund.

"Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, ein herausragender Fußballer. Das weiß inzwischen jeder", sagte Michael Zorc, Sportdirektor des Bundesligisten.

Eingeschränktes Trainingspensum

Außergewöhnlich haben sich für das 18 Jahre alte Ausnahmetalent, das in den ersten Tagen des Trainingslagers wegen der Nachwirkungen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel ein leichtes Programm absolvierte, auch die Lebensumstände verändert. "Wenn mir das jemand vor einem Jahr vorausgesagt hätte, da war das alles sehr unrealistisch", sagt Götze. Erstes Profijahr, erstes Länderspiel und nun die erste offizielle Pressekonferenz als Hauptdarsteller.

"Wir Verantwortlichen haben uns bei der Beschreibung der Entwicklung von Mario bewusst zurückgehalten", ergänzte Zorc. Durch die vielen Lobeshymnen, zum Beispiel von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Bundestrainer Joachim Löw, sei eine riesige Erwartungshaltung entstanden. "Es ging bislang alles sehr schnell", lautet das Fazit von Götze, der in der vergangenen Saison sporadisch mit den Profis trainierte, aber seit Saisonbeginn das Vertrauen von Trainer Jürgen Klopp mehr als rechtfertigt. Inzwischen stehen 16 Einsätze in den Bundesliga, vier in der Europa League und das Debüt des einstigen U-17-Europameisters als siebtjüngster Spieler (17 Jahre und 167 Tage) im A-Nationalteam in der Statistik.

Immer mehr im Blickpunkt

Götze rückte immer mehr in den Fokus, so dass sich die BVB-Bosse entschlossen, den "Welpenschutz" für den Offensiv-Allrounder aufzuheben. "Er ist charakterlich gefestigt, allein schon durch das Elternhaus wird er stets geerdet", sagte Zorc. Klopp schätzt an dem 1,71 m großen Flügelspieler "das Spielverständnis, die Schnelligkeit und die für sein Alter außergewöhnliche Robustheit". Nicht zuletzt deswegen ist Götze wegen der Abwesenheit des Japaners Shinji Kagawa (Asien-Cup) beim Rückrundenstart am 14. Januar bei Bayer Leverkusen ein Kandidat für die Rolle hinter der Sturmspitze.

Ganz einfach war es nicht für den Youngster, sich an die Anforderungen in der Bundesliga anzupassen. "Die Umstellung auf das hohe Tempo im Vergleich zu den Juniorenteams war für mich am schwierigsten", sagt er. Aber daran habe er sich schnell gewöhnt, weil er ja schon als Jugendlicher ab und an mit den Profis trainieren durfte. Vor einem Jahr war er ein lediglich in Fachkreisen bekanntes
Talent, nun ist Götze ein Nationalspieler, der auf den Wunschlisten der großen europäischen Clubs steht. Doch das alles scheint Götze nicht zu irritieren, denn er steht bis 2014 bei der Borussia unter Vertrag.

"Ich genieße es"

Für den Rest der Saison hat er sich viel vorgenommen: "Wir sind leider aus der Europa League ausgeschieden und können uns nun voll auf die Meisterschaft konzentrieren." Er habe ohnehin noch viel vor in seiner hoffentlich langen Karriere und wolle viele Titel gewinnen.

"Doch derzeit genieße ich es, vor so vielen Zuschauern Fußball spielen zu dürfen, und weiß, dass ich noch viel an mir arbeiten muss", sagt der gebürtige Memminger, der lediglich durch die berufliche Veränderung seines Vaters, eines Uni-Professors im Fachbereich Datentechnik, aus dem Allgäu nach Dortmund kam. Für den BVB war dies ein Glücksfall.