Zusammenfassung

  • Serge Gnabry muss am 20. Spieltag gegen seine zukünftige Kollegen beim FC Bayern antreten

  • Vom Hoffenheimer Angreifer erwartet sich Trainer Nagelsmann noch mehr Tore

  • Der Vorbildprofi beschäftig private Coaches, um seine hohe Verletzungsanfälligkeit zu minimieren

Sinsheim - Für Serge Gnabry bedeutet das Auswärtsspiel der TSG 1899 Hoffenheim am Samstag beim FC Bayern München einen kurzen Ausflug in seine Zukunft - der Stürmer ist bis zum Ende dieser Saison vom deutschen Rekordmeister an die TSG ausgeliehen. Danach, so sieht es die Vereinbarung zwischen den beiden Clubs vor, soll der 22-Jährige seine Kunst in München zeigen.

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Für Gnabry sind die 90 Minuten in München also auch so etwas wie ein Empfehlungsschreiben beim neuen Club. Der schnelle Stürmer soll bei den Bayern ja einmal in jene Rolle hineinwachsen, die in den letzten Jahren die beiden Flügelflitzer Arjen Robben und Franck Ribery in München ausfüllten - unabhängig davon, ob die Routiniers ihre auslaufenden Verträge über diese Saison hinaus verlängern, oder nicht. Der aktuelle Bayern-Trainer Jupp Heynckes lobte nach dem Videostudium der letzten Hoffenheimer Partie gegen Leverkusen (1:4) den schnellen Angreifer: "Gnabry hat sehr gute Ansätze", findet Heynckes.

Seine Sprintermuskulatur sei anfällig

Diese Ansätze zeigt dieses große Talent schon viele Jahre, doch noch fehlt die Konstanz in seinen Leistungen. Häufig warfen ihn Verletzungen zurück, auch in dieser Saison: Zunächst fiel der Sprinter nach einer Sprunggelenksverletzung aus, bevor ihn eine Verletzung in der hinteren Oberschenkelmuskulatur lange zum Zuschauen zwang. Gnabrys Sprintermuskulatur sei sehr anfällig, erklärt Hoffemheims Trainer Julian Nagelsmann. Diese Anfälligkeit begleitet Gnabry schon seine ganze Karriere, die den in Stuttgart geborenen Sohns eines Ivorers und einer Schwäbin schon früh zum FC Arsenal in London gebracht hat. In England schaffte er den großen Durchbruch nicht, nach einer Leihe in Bremen spielt er nun für Hoffenheim, bevor er bei den Bayern ein neues Kapitel aufschlagen soll.

© gettyimages / DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images

Nagelsmann lobt Gnabry als "Qualitätsspieler". Und erwartet deshalb in dieser Rückrunde auch mehr von ihm, als dieser in der Vorrunde zeigte. In zehn Einsätzen kam Gnabry bislang auf zwei Tore und drei Vorlagen.  "Wir haben ihn schon geholt, damit er mehr als zwei Tore für uns mach", sagt Nagelsmann und hofft, dass Gnabry nun durch Training sich jene Fitness erarbeitet, um sein großes Potenzial endlich komplett auszuschöpfen.

Manchmal genügt ja eine Aktion, um das Potenzial zu erahnen, das in einem Spieler steckt. Gnabry zeigte diese beim Tor zum 3:0 gegen RB Leipzig (Endstand: 4:0). Ein Tor aus 40 Metern zu schießen, ist auch schon weniger talentierten Spielern gelungen: Aber wie schnell Gnabry nach einem harten Anspiel von Nadiem Amiri erkannte, dass Leipzigs Torhüter Peter Gulasci ein bisschen zu weit vor seinem Tor stand und er dann den Abschluss suchte, war beeindruckend. TSG-Trainer Nagelsmann verlangt mehr solcher Höhepunkte von seinem Spieler, der vergangenen Sommer mit der U 21 Deutschlands Europameister wurde und auch schon zwei Einsätze in der A-Nationalmannschaft feierte. Die TSG, zuletzt mit nur zwei Siegen in zehn Pflichtspielen, braucht in München einen Gnabry in Top-Form.

Gnabrys 40-Meter-Tor im Video

Gnabry steht in dem Ruf, ein eher schlampiges Genie zu sein. Nagelsmann sagt, während des Spiels müsse man diesem Könner schon ab und an in den Hintern treten, das habe ihm auch sein Trainerkollege Alexander Nouri so erzählt, unter dem Gnabry in der vergangenen Saison bei Werder gespielt hat. Aber, so Nagelsmann, Gnabry sei auch ein "total vorbildlicher Profi", der die Schwachstellen seines Körpers kenne und wisse, dass Verletzungsprophylaxe zu seinem Leben als Fußballer gehöre.

Gnabry beschäftige private Coaches, um seine Muskulatur zu stärken und zu pflegen. Läuft er im Tempo auf Abwehrspieler zu, ist er nicht zu stoppen, von einem auf den nächsten Moment kann er beschleunigen wie nur wenige und mit seiner Technik kann er sich aus kniffligen Situationen so geschmeidig befreien wie ein Entfesselungskünstler von seinen Fesseln. Aber er hat eben auch oft Phasen auf dem Platz, in denen er wie ein Unbeteiligter auf dem Platz wirkt. Gelingt ihm, diese Phasen im Spiel zu minimieren, seine Muskulatur in den Griff zu kriegen und konstant zu spielen, steht er vor einer großen Zukunft.

Gnabry will Bayern beweisen, dass seine Verpflichtung richtig war

Und genau darum hat ihn der FC Bayern ja auch verpflichtet. Am Samstag will Serge Gnabry den Bayern mit den ehemaligen Hoffenheimern Niklas Süle, Sebastian Rudy und Sandro Wagner durch eine Top-Leistung aber erstmal den Tag vermiesen und beweisen, dass seine Verpflichtung richtig war. Vielleicht ist für die schwächelnden Hoffenheimer ja ein gutes Omen, dass Julian Nagelsmann als Trainer der TSG noch nie gegen die Bayern verloren hat.

Tobias Schächter