München/Dortmund - Glückslos für Borussia Dortmund, heiße italienische Nächte für Bayern München mit einer "Alten Dame": Während Doublegewinner Dortmund gegen die spanische Überraschungsmannschaft FC Malaga in der Favoritenrolle ist, hat der deutsche Rekordmeister in Juventus Turin um Star Andrea Pirlo einen ganz unangenehmen Gegner für das Viertelfinale in der Champions League zugelost bekommen.

Immerhin kamen die beiden deutschen Topclubs bei der Zeremonie am Freitag im schweizerischen Nyon um ein direktes Duell herum. Zudem konnten sie zunächst dem FC Barcelona (bei Paris St.Germain) und Real Madrid (gegen Schalke-Bezwinger Galatasaray Istanbul) aus dem Weg gehen.

"Ein richtiges Kaliber"



"Juventus Turin ist im Moment die beste italienische Mannschaft. Das ist ein richtiges Kaliber, ein richtig schwerer Gegner", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes vor dem Hinspiel am 2. April in München (die Stimmen zur Auslosung). Das Rückspiel in Italien findet am 10. April statt.

"Für mich ist das nach Barcelona das unangenehmste Los. Wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen, werden wir weiterkommen. Aber wir brauchen zwei Topspiele", meinte Toni Kroos. Auch für Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist der amtierende und designierte italienische Meister "kein Traumlos. Wir müssen zwei gute Tage erwischen, um am Ende des Tages das Halbfinale zu erreichen."

Dagegen sieht der Bayern-Boss Konkurrent Dortmund auf dem Weg nach Wembley, wo am 25. Mai das Finale der "Königsklasse" stattfindet, gegen Malaga als "großen Favoriten". Davon wollte die Borussia zwar nichts wissen, doch der BVB registrierte das Los durchaus gelassen - zumal das Hinspiel am 3. April gegen die finanziell arg gebeutelten Spanier mit den Ex-Münchnern Martin Demichelis und Roque Santa Cruz auch noch in Malaga stattfindet.

Dortmund reagiert gelassen



"Das nehmen wir an. Jedenfalls besser als Barcelona, Madrid oder München", meinte ein entspannter Sportdirektor Michael Zorc. "Wir freuen uns über das Los und vor allem über die Tatsache, dass wir auswärts starten", ergänzte Kapitän Sebastian Kehl, auch wenn er natürlich ausschloss, "dass wir solch ein Kaliber im Viertelfinale der Champions League unterschätzen".

Für BVB-Trainer Jürgen Klopp treffen "zwei Überraschungsmannschaften der Champions League aufeinander, somit steht zumindest fest, dass es einen überraschenden Halbfinalteilnehmer geben wird". Es stecke "enorme Qualität in diesem Team". Deshalb dürfe man "keine Fehler machen", sagte auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und fügte an: "Alles, was jetzt noch kommt, ist das Sahnehäubchen obendrauf."

Den Bayern nötigt indes vor allem Juve-Routinier Andrea Pirlo gehörigen Respekt ab. "Die sind abgezockt und clever. Spieler wie Pirlo haben dazu noch überragende Fähigkeiten mit dem Ball. Das ist sehr gefährlich", warnte Bastian Schweinsteiger. "Der bekannteste Spieler, und für mich immer noch einer der weltbesten, ist Pirlo. Wie er in diesem Alter immer noch Fußball spielt, ist beeindruckend", lobte Superstar Arjen Robben.

Gute Erinnerungen ans letzte Duell



Am 33 Jahre alten Pirlo hatte sich erst im vergangenen Sommer bei der EM die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale (1:2) die Zähne ausgebissen. Besser sind dagegen die Erinnerungen der Bayern an das letzte Duell gegen Juve. Am 8. Dezember 2009 gewannen sie in Turin das letzte Gruppenspiel 4:1 und leiteten dadurch unter Trainer Louis van Gaal die Wende ein. Am Saisonende 2010 stand das Double und die Finalteilnahme in der Champions League.

Allerdings, so Robben, "ist die Situation ganz anders als bei unserem letzten Spiel gegen Juve. Die sind jetzt viel besser. Das wird eine sehr schwere Aufgabe." Neben Pirlo hat Juve in Torwart Gianluigi Buffon, Nicolas Anelka oder dem Ex-Leverkusener Arturo Vidal weitere große Namen im Team.

Für Sammer entscheidet die "Tagesform"



Keine große Bedeutung messen die Bayern angeblich der Tatsache bei, dass sie zuerst zuhause antreten müssen. "Wir sind auswärts genauso stark und in der Lage zu gewinnen", sagte Heynckes. Für Sport-Vorstand Matthias Sammer entscheidet ohnehin die "Tagesform". Er gewann dem Los Juve sogar eine positive Seite ab: "Für unsere Situation, für unseren Kopf ist so ein Kaliber genau richtig."

Die Halbfinal-Paarungen (23./24. April und 30. April/1. Mai) wurden im Gegensatz zu den vergangenen Jahren am Freitag nicht mitgelost.