Leverkusen - Der 1. FSV Mainz 05 hat den Auftakt in die Rückrunde verschlafen. Nach einer schlechten ersten Hälfte in Leverkusen kam die Aufholjagd im zweiten Durchgang zu spät. Am Ende verloren die Rheinhessen etwas unglücklich mit 2:3 und müssen sich nun weiterhin auf einen harten Abstiegskampf einstellen.

Der Trend der letzten Spiele vor der Winterpause setzte sich fort. Nach der dritten Pflichtspielniederlage in Folge wird es wieder eng für die "05er". Der Vorsprung auf den 16. Platz ist auf nur noch einen Punkt zusammengeschmolzen.

Standard-Gegentore ärgern Tuchel

Doch anders als beim 0:1 in Mönchengladbach und besonders beim blamablen Pokal-K.-o. in Kiel mangelte es den Mainzern bei der diesmal nicht in erster Linie an der Durchschlagskraft, sondern am eigenen Abwehrverhalten. Beim ersten der drei Gegentreffer in Leverkusen nahmen die Mainzer in Person des Unglücksraben Zdenek Pospech der "Werkself" selbst die Arbeit ab. Bei den beiden weitern Toren pennte die Defensive jeweils bei Eckbällen des Gegners.

"Bei Standardsituationen ist es keine Frage des Könnens oder der Zuordnung, sondern der Wachheit, der Konzentration und des Willens", kritisierte der Mainzer Coach Thomas Tuchel. "Es fehlte an Galligkeit, Leidenschaft, all die Dinge, für die wir eigentlich bekannt sind. Mit diesem emotionalen Niveau, wie wir es in Durchgang eins gezeigt haben, ist in der Bundesliga nichts zu holen."

Wieder ein Eigentor

Der Trainer war sichtbar angefressen über die Vorstellung seiner Mannschaft und erhielt dabei Rückendeckung von seinem Manager. "Wir waren kilometerweit weg davon, wie Mainz 05 Fußball spielen will", war auch Christian Heidel enttäuscht.

Mit einer Portion Sarkasmus fügte er hinzu: "Die Standardtore waren zu verhindern, das sind die billigsten Gegentore. So haben wir uns selbst bestraft. Das hat mit Konzentration und Lethargie zu tun. Hinzu kommt unser viertes Eigentor in dieser Saison. Da sind wir spitze."

Szalai mit starkem Comeback

Es ehrt die Mainzer, dass sie selbstkritisch ihr Spiel analysierten. Doch es gab auch durchaus Positives zu berichten. Die Moral des Vorjahres-Fünften ist intakt, die Reaktion und die Leistung im zweiten Spielabschnitt mit dem Doppelschlag zum zwischenzeitlichen 2:2 waren ordentlich und geben zu Hoffnung Anlass. Vor allem aber freuten sich die Mainzer über das Comeback von Adam Szalai.

Der 24-jährige Ungar sorgte nach seiner Einwechslung bei seinem ersten Bundesliga-Spiel nach einjähriger Verletzungspause für reichlich frischen Wind im Mainzer Angriffsspiel. "Es ist schon sensationell, auf welchem Level er schon wieder ist", freute sich der Mainzer Keeper Christian Wetklo. "Er kann uns sicher noch weiterhelfen. Man darf aber auch noch nicht zu viel von ihm erwarten."

Gegen Freiburg "noch kein Schicksalsspiel"

Erwarten darf man aber eine Leistungssteigerung des FSV beim kommenden richtungsweisenden Spiel gegen den SC Freiburg am nächsten Sonntag. Mit einem Sieg könnte sich Mainz etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen. Bei einer Niederlage würden die Breisgauer an den "05ern" vorbeiziehen und sie auf einen Abstiegsrang abrutschen lassen.

"Die Partie gegen Freiburg ist noch lange kein Schicksalsspiel", beschwichtigt Wetklo. "Wir haben danach immer noch 15 Spiele. Für die Moral und die Stimmung wäre ein Erfolgserlebnis aber wichtig." Das Hinspiel gewann der FSV mit 2:1. Seitdem gab es nur noch zwei Siege in den folgenden 16 Bundesliga-Spielen. In Mainz wird es Zeit, das zu ändern.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski