Mainz - Trotz guter Leistung verliert der 1. FSV Mainz 05 auch sein fünftes Heimspiel hintereinander und ist nach dem 1:3 gegen Werder Bremen in der Bundesliga nun seit schon neun Spielen ohne Sieg. "Es fällt schwer, der Mannschaft einen Vorwurf zu machen, es ist ja nicht so, dass die Spieler einen Herzkasper kriegen, wenn sie den Ball kriegen", sagte Manager Christian Heidel.

Dennoch müsse man vorsichtig mit Lob sein. Ein Blick auf die Tabelle verrät, warum: Die Rheinhessen haben nur neun Punkte und stehen auf Platz 15, punktgleich mit dem Hamburger SV auf Relegationsrang 16.

Trainer Thomas Tuchel war "maßlos enttäuscht" über die erneute Niederlage. "Wir sind wieder einmal in Führung gegangen und haben trotzdem am Ende wieder einmal nichts bekommen", haderte der 38-Jährige. Gegen die "Grün-Weißen" konnte seine Mannschaft schon zum fünften Mal in dieser Saison eine Führung nicht über die Ziellinie retten, zum dritten Mal ging sie danach sogar als Verlierer vom Platz.

Personeller Aderlass wiegt schwer

Seit fast zweieinhalb Jahren ist Tuchel Cheftrainer bei den Mainzer Profis, zuvor hatte er die U-19-Junioren zur ersten Deutschen Meisterschaft der Clubhistorie geführt. Es ging für ihn und die Mannschaft immer nur bergauf: Platz 9 im ersten Jahr, Rang 5 in der vergangenen Saison und die erste sportlich erreichte Europapokalteilnahme der Vereinsgeschichte fiel mit der Einweihung der neuen Coface Arena zusammen.

Erfolgreicher spielten die 05er nie zuvor. Doch der Aufbruch in eine neue Ära mit dem größeren Stadion haben sie sich anders vorgestellt, zum fünften Mal hintereinander verlor die Mannschaft ein Heimspiel. Mit einem derart tiefen Fall hatten die Mainzer trotz der Abgänge von Klassespielern wie Andre Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs nicht gerechnet.

"Müssen uns mit Abstiegskampf anfreunden"

Dennoch feierte das Publikum die Mannschaft am Samstag angesichts einer engagierten Leistung. Allein das Ergebnis war wieder schlecht, weshalb das Wort Abstiegskampf fiel. Stürmer Eric Choupo-Moting sagte: "Wir müssen uns momentan mit dem Abstiegskampf anfreunden." Trainer Tuchel will seine Spieler mit solchen Etiketten nicht zusätzlich belasten, er kann sich "keinen anderen Weg vorstellen, als über eine gute Leistung zu punkten".

Auf der Suche nach den fachlichen Gründen für die sportliche Misere gleichen sich die Analysen Woche für Woche. Vorne lassen die Mainzer regelmäßig beste Torchancen sowie letzte Anspiele aus und hinten steht der Weg zum Tor für den Gegner in den entscheidenden Situationen zu oft offen. "Wir bekommen keine Belohnung für unser Spiel. Das begleitet uns schon die ganze Saison", meinte Tuchel, der an das Ausscheiden in der Europa-League-Qualifikation gegen die Rumänen von Gaz Metan Medias erinnerte: "Da hatten wir 46:2 Torschüsse in zwei Spielen und sind trotzdem ausgeschieden."

"Zum Glück geht die Saison noch lang"

Manchmal beeinflussen bestimmte Szenen früh in einer Runde deren weiteren Verlauf für Spieler und Mannschaften. Vielleicht hätte Anthony Ujah gegen Werder am Samstag beim Stand von 1:2 nicht am Ball vorbeigetreten (49.), sondern zum Ausgleich ins Tor geschossen, hätte der erst 21 Jahre alte Nigerianer gegen Medias im Hinspiel nicht zwei klare Tormöglichkeiten vergeben. Vielleicht.

"Wir müssen unsere Spieler weiterentwickeln", sagte Heidel: "Zum Glück geht die Saison noch lang." Die Zugänge müssen alle noch effektiver werden. In Mainz sind sie auf der Suche nach dem verlorenen Matchglück. Tuchel hatte deshalb jener Startelf vertraut, die unter der Woche im DFB-Pokal mit 1:0 bei Hannover 96 gewonnen hatte, also auch Torwart Christian Wetklo für den bisherigen Stammkeeper Heinz Müller gebracht. Genutzt hat es nichts. Am Freitag gegen den VfB Stuttgart nimmt der FSV daher erneut Anlauf für die erhoffte Wende.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter