Seit Wochen begeistert 1899 Hoffenheim mit seinem offensiven Spaß-Fußball, doch erst die bestandene Geduldsprobe nach der wohl schlechtesten Halbzeit der Saison machte Ralf Rangnick richtig glücklich.

"Die Mannschaft hat sich ein Kompliment verdient", meinte der Chef-Trainer und -Kritiker nach dem 3:1 (0:1) beim VfL Bochum.

Die Mischung aus Zielstrebigkeit, Abgeklärtheit und Vertrauen in die eigene Stärke, mit der der Aufsteiger erstmals in der laufenden Spielzeit einen Rückstand zur Halbzeit in einen Sieg verwandelte, war in der Tat eines Tabellenführers und Titelanwärters würdig.

"Tabelle bleibt eine Momentaufnahme"

Doch auch der Umstand, dass der Club in seinem zehnten Bundesligaspiel offenbar den nächsten großen Entwicklungsschritt vollzogen hat, änderte nichts an Rangnicks Grundeinschätzung.

Schon gar nicht wollte der 50 Jahre alte Meister des Understatements seiner wenigen Wochen alten Aussage, dass die Tabelle erst nach dem zehnten Spieltag Aussagekraft besitze, zu viel Bedeutung beimessen. "Die Tabelle bleibt eine Momentaufnahme", sagte Rangnick, "aber wir stehen natürlich lieber auf Platz 1 als auf Platz 16."

"Immer weiter, immer reifer"

Fakt ist: Nur der 1. FC Kaiserslautern war in der Saison 1997/98, in der er bekanntlich Meister wurde und als bislang einziges Team in der Liga-Geschichte den Durchmarsch schaffte, als Aufsteiger zu diesem Zeitpunkt besser als Hoffenheim.

"Wir entwickeln uns immer weiter und werden immer reifer", meinte Marvin Compper, und die Aussage des Kapitäns muss der Konkurrenz längst wie eine Alarmglocke in den Ohren klingen. Selbst Rangnick wähnt seine Mannschaft auf einem "richtig guten Weg", den sie mit aller Konsequenz weitergehen müsse.

Probleme vor der Pause

Dabei hatte sein Team vor der Pause zunächst fast all' das vermissen lassen, was ihr bereits den schmeichelhaften Titel "FC Barcelona der Bundesliga" einbrachte. Gegen extrem aggressive Bochumer fanden die Gäste in einem hitzigen Duell keine Mittel und durften froh sein, dass es nur beim 0:1 durch Dennis Grote (3.) blieb.

Doch nach einer "klaren Ansage in der Halbzeit" (Andreas Beck) war die Wende nur eine Frage der Zeit, weil 1899 seiner spielerischen Linie konsequent treu blieb und den VfL im Stile einer Klassemannschaft von einer Verlegenheit in die andere stürzte.

Rangnick: "Kompliment!"

Innerhalb von acht Minuten entschied die Rangnick-Elf das Spiel durch einen sehenswerten Hackentreffer von Demba Ba (64.), einen verwandelten Foulelfmeter von Vedad Ibisevic (70.), der wie in bislang jedem Auswärtsspiel traf und sein insgesamt elftes Tor machte, sowie dem zweiten Saisontreffer von Carlos Eduardo (71.).

Doch nicht nur für die Tore gab's ein Sonderlob. "Wenn man wie gegen den Hamburger SV nach 30 Minuten 3:0 führt und von Anfang an Chef im Ring ist, ist alles relativ einfach. Diesmal war das anders", sagte Rangnick: "Kompliment, wie die Jungs dieses Spiel gedreht haben."