München - Eine optimale Vorbereitung auf eine Bundesliga-Saison sieht ganz sicher anders aus. Mit einem Rumpf-Kader hat der FC Bayern München lange trainieren müssen, ehe am 2. August noch elf (!) WM-Teilnehmer das Training aufgenommen haben – gut zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal gegen Germania Windeck.

Einige Experten halten einen Stotterstart des deutschen Rekordmeisters daher für nicht ausgeschlossen. Es werden sogar Vergleiche zur Bundesliga-Saison 1974/75 herangezogen: Damals wurden die Bayern mit einem halben Dutzend Weltmeistern, als amtierender Deutscher Meister und Champions-League-Sieger (ehemals Europapokal der Landesmeister) am Ende nur Zehnter. Am ersten Spieltag setzte es eine 0:6-Pleite bei den Offenbacher Kickers.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger über mögliche Probleme der kommenden Saison, über Hoffnungsträger und den wohl härtesten Konkurrenten.

bundesliga.de: Herr Nerlinger, in der Saison 1974/75 ist der FC Bayern im Anschluss an ein fast perfektes Jahr eingebrochen. Ist so etwas diesmal wieder möglich?

Christian Nerlinger: Das kann ich mir nicht vorstellen. Denn die Mannschaft ist so gereift und spielt auf ganz hohem Niveau. Natürlich ist die Vorbereitung sehr schwierig bei nur zweieinhalb Wochen Training für die Nationalspieler. Aber ich glaube trotzdem, dass wir ordentlich starten werden. Das, was wir letzte Saison erlebt haben und teilweise acht Punkte Rückstand hatten, hoffe und glaube ich diesmal nicht mehr zu erleben.

bundesliga.de: Liegen die möglichen Start-Schwierigkeiten für die Nationalspieler eher im Kopf oder in den Beinen?

Nerlinger: Grundsätzlich war das schon ein intensives Jahr für uns mit dem Champions-League-Finale, den zwei Titeln und der Weltmeisterschaft. Aber die Spieler haben drei Wochen Urlaub bekommen. Ich denke, das reicht aus, um zu regenerieren. Aber um körperlich wieder richtig fit zu werden, sollte man schon mehr als zweieinhalb Wochen Vorbereitung haben. Das ist sicherlich ein Thema, aber wir müssen das Beste draus machen und optimistisch denken.

bundesliga.de: Sind die Kader-Planungen abgeschlossen?

Nerlinger: Wir sind auf allen Positionen hervorragend besetzt, können aber auch reagieren, wenn etwas verletzungsbedingt passieren sollte.

bundesliga.de: Viele junge Spieler haben die Vorbereitung der Profis mitmachen dürfen. Ist da vielleicht ein neuer Thomas Müller dabei?

Nerlinger: Nein, das kann man immer nur schwer prognostizieren. Die Entwicklung, die Thomas Müller genommen hat, konnte keiner vorhersehen. Und keiner konnte damit rechnen, dass es so katapultartig stattfindet. Wir wollen dieses Jahr Diego Contento die Chance geben, als linker Außenverteidiger Fuß zu fassen. Wir hoffen natürlich, dass auch er ein wichtiger und wertvoller Spieler beim FC Bayern wird.

bundesliga.de: Sie treffen im Supercup auf den FC Schalke. Werden Sie im Laufe der Saison noch öfter mit den Schalkern zu tun haben?

Nerlinger: Felix Magath hat sich ja schon sehr selbstbewusst geäußert und Felix hat es in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass er Top-Mannschaften formen kann. Die deutsche Meisterschaft mit Wolfsburg ist ja auch noch nicht vergessen. Deswegen wird es sicherlich einen intensiven Kampf mit Schalke geben.