Die Pflicht in der Bundesliga erledigt, jetzt soll die Kür in der Champions League folgen: Nachdem der FC Bayern München seinen leichten Aufwärtstrend durch ein 2:1 (1:1) gegen Borussia Mönchengladbach bestätigt und das dritte Pflichtspiel in Folge gewonnen hatte, richteten sich umgehend alle Blicke auf das Gruppen-Finale in der "Königsklasse" bei Juventus Turin.

"Turin ist superwichtig für uns. Das ist ein Endspiel", sagte Trainer Louis van Gaal vor der abschließenden Partie der Gruppe A am Dienstag. Nationalspieler Mario Gomez sprach "vom wichtigsten Spiel der Hinrunde. Es geht für den Verein um sehr viel. Wir wollen dem gerecht werden, wofür der FC Bayern steht - und das ist sicherlich nicht ein Aus in der Vorrunde."

Bei Juve muss ein Sieg her

Die Ausgangslage für die Münchner ist klar: Sie müssen unbedingt gewinnen, um das Minimalziel Achtelfinale doch noch zu erreichen. Erst einmal waren die Bayern in der "Königsklasse" schon in der Gruppenphase gescheitert, dies war in der Saison 2002/03.

Der Erfolg gegen Gladbach hat den Bayern offensichtlich das nötige Selbstvertrauen für die schwere Aufgabe in Turin gegeben, wie auch Bastian Schweinsteiger verdeutlichte: "Wir können mit breiter Brust auftreten."

Für Ribery kommt das Duell gegen Turin wohl zu früh

Auch wenn die Bayern große Zuversicht zur Schau stellten, war die Leistung gegen die zuletzt fünf Mal ungeschlagenen Gladbacher nicht gerade dazu angetan, große Töne zu spucken. Einmal mehr blieben in der ausverkauften Allianz Arena ohne Franck Ribery spielerisch viele Wünsche offen. Der Franzose hat nach seiner Knieverletzung das Training zwar wieder aufgenommen, ein Einsatz in Turin kommt aber wohl zu früh.

Hoffnung machte den Münchnern jedoch das gelungene Comeback des ebenfalls lange Zeit am Knie verletzten Stareinkaufs Arjen Robben. Als der Niederländer in der 58. Minute für Ivica Olic eingewechselt wurde, kam Schwung in das Bayern-Spiel.

"Wir wissen, dass wir mit Ribery und Robben mehr Kreativität haben", meinte van Gaal. "Er reißt Löcher in eine Abwehr, das kann gerade in der Champions League sehr wichtig sein", lobte der starke Torwart Jörg Butt die Qualitäten Robbens, der maßgeblich am Siegtreffer beteiligt war. Nach einem Foul an Robben erzielte der junge Holger Badstuber in der 75. Minute mit einem sehenswerten Freistoß das 2:1.

Van Gaal: "Der Sieg war nicht verdient"

Dass dies überhaupt zu einem "Dreier" reichte, hatten die Münchner vor allem aber Butt zu verdanken, der in der ersten Hälfte etliche gute Chancen der Borussia zunichte machte. "Er hat überragend gehalten", würdigte van Gaal die Leistung des 35-Jährigen.

Mit dem Rest seiner Truppe war der Coach in der ersten Hälfte dagegen gar nicht zufrieden. Deshalb musste er eingestehen: "Wir haben Mühe gehabt, man kann den Sieg nicht verdient nennen. Wir spielen so wie vorher, der große Unterschied ist, dass wir jetzt Tore schießen."

Die Bayern waren durch Gomez' sechsten Bundesliga-Treffer in Führung gegangen. Roel Brouwers sorgte in der 28. Minute für den zu diesem Zeitpunkt hochverdienten Ausgleich.

Weiterhin nur ein Gladbach-Sieg in München

Dass nach "einer fantastischen ersten Hälfte von uns", wie Gladbachs Trainer Michael Frontzeck hervorhob, die schwarze Borussen-Serie in München anhielt, lag aber nicht nur an Butt. Die Gäste konzentrierten sich im zweiten Durchgang zu sehr auf die Defensive. "Etwas mehr Mut" und "gute Konter" hätte sich Frontzeck da gewünscht.

So blieb den Gladbachern die bittere Erkenntnis, dass es in München für sie nichts zu holen gibt. Im 42. Anlauf war es die 32. Niederlage bei erst einem Sieg überhaupt (14.Oktober 1995/2:1). Gegen keine andere Mannschaft hat der FC Bayern eine bessere Heimbilanz - weshalb Kapitän Mark van Bommel locker anmerken konnte: "Wir haben gemacht, was wir machen müssen. Jetzt kann Turin kommen."