München/Astana - Es war schon ein ganz besonderes Spiel für die deutsche Nationalmannschaft in Kasachstan. Nie zuvor musste ein DFB-Team für ein Qualifikationsspiel zu einer Europameisterschaft so weit fliegen - 4.316 Kilometer legte das Team von Frankfurt aus nach Astana mit dem Flugzeug zurück. Und dass eine Partie über zwei Tage ausgetragen wurde, das gab es in der Quali auch noch nicht: Die späte Anstoßzeit um 23 Uhr kasachischer Zeit machte es möglich.

Kein Wunder also, dass selbst die erfahrenen Nationalspieler den Auftritt in der Astana Arena nicht so schnell vergessen werden. "Das war eine große Erfahrung. Nicht nur für die jungen Spieler. Ich war gespannt, wie wir damit umgehen. Das war schon eine spannende Geschichte", erklärte Miroslav Klose nach dem Schlusspfiff.

Der Bayern-Stürmer zeigte sich auch gegen den 126. der Weltrangliste wieder einmal treffsicher. Mit dem 1:0 schoss er bereits seinen sechsten Treffer im vierten Spiel in der Qualifikation zur EURO 2012 - sein 58. Tor im 105. Länderspiel. Bitter für Klose: In der 55. Minute musste er mit Verdacht auf einen Muskelfaserriss im Oberschenkel ausgewechselt werden.

Löw ist zufrieden

Die Verletzung Kloses war aber der einzige "zählbare" Wermutstropfen beim Einsatz im entfernten Asien. Ansonsten sorgte der eher glanzlose Auftritt für ein wenig Missstimmung unter den Kritikern.

"Man kann nicht immer eine Gala erwarten", entgegnete Bundestrainer Löw und lobte die Leistung seiner Kicker nach vier Partien: "Wir haben die Aufgabe mit einem Sieg gelöst. Wir haben drei Punkte geholt und mit zwölf Punkten eine glänzende Bilanz. Das stellt mich zufrieden."

Gomez beendet Torflaute

Dabei konnte sich Löw fast schon traditionell auf die Spieler verlassen, die in der Bundesliga ihrer Form hinterherrennen. Lukas Podolski war mit zwei Torvorlagen und dem Treffer zum 3:0-Endstand der Spieler des Spiels. Überschwängliche Euphorie war "Prinz Poldi" aber nicht anzusehen. "Es zählen nur die Punkte, jetzt sind wir erstmal vorneweg", sagte der Kapitän des 1. FC Köln.

Mario Gomez beendete mit dem zweiten Treffer des DFB-Teams seine über drei Jahre andauernde Torflaute im Dress mit dem Adler auf der Brust. Dem Bayern-Stürmer fiel ein Stein vom Herzen.

"Ich habe mich sehr gefreut. Schon nach der Niederlage mit den Bayern in Dortmund habe ich gesagt, dass ich mich sehr, sehr gut fühle. Das hat mir keiner geglaubt. Das Tor gegen Kasachstan war wichtig, da es Ruhe in unser Spiel brachte", so Gomez.

Poldi analysiert nüchtern

Dank des sensationellen Erfolges von Aserbaidschan gegen die Türkei hat Deutschland nun schon nach vier Spieltagen ein komfortables Polster gegenüber der Konkurrenz auf dem Konto.

Von einer Vorentscheidung auf dem Weg nach Polen und in die Ukraine 2012 wollte Podolski aber erst einmal noch nichts wissen. Gewohnt sachlich und nüchtern analysierte er die Situation in der Gruppe A: "Wir haben zwölf Punkte aus den ersten vier Spielen geholt. Das war unser Ziel. Wir sind jetzt Erster. Alles andere ist unwichtig."

Michael Reis