In diesem Augenblick hätte Ronaldinho vorbeilaufen können. Der Brasilianer hätte nur bedingt die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Gefühlte zehn Meter, zahnweiß, aber mit goldenen Elementen, ein Chauffeur, wie man ihn sonst nur aus Comics kennt: übertrieben geschmückter Anzug, viel zu große Mütze und den Blick streng nach vorne gerichtet, als er die Türen öffnet.

Oddo da, aber keiner merkt's

Nicht zu vergessen das Kennzeichen - das in lateinischer Schrift geschriebene "Dubai" scheint zu funkeln. Ein Luxusschlitten, der gerade das Westin Grand Hotel in München verlässt.

Direkt dahinter ein Sportwagen - ebenfalls mit Dubaier Kennzeichen. Ein roter "Roadrunner", sieht aus wie... ach was, jede Beschreibung ist zwecklos. Der Glamour kennt hier keine Grenzen. Selbst dass Milans Massimo Oddo, letzte Saison noch beim FC Bayern unter Vertrag, vor dem Eingang sitzt, beschäftigt keinen weiter. Für die Veranstalter des Audi Cups ist es der perfekte Ort ihre Teilnehmer vorzustellen.

Ein Teppich wie eine Matratze

Was anderes käme bei Namen wie Bayern München, AC Mailand, Manchester United und Boca Juniors kaum in Frage. Nach Betreten des Hotels hätte man die Schuhe eigentlich auch ausziehen können. Der rotbraune Teppich fühlt sich mit Schuhwerk schon an wie eine Matratze - weich und gemütlich. Die Traumwelt wird aber schnell durch viel Hektik und Lautstärke gestört.

Journalisten aus Deutschland, England, Italien und Argentinien sowie zahlreiche Mitarbeiter von Audi, des Hotels und des FC Bayern bereiten sich auf die sportliche "Elefantenrunde" vor. Bayerns Trainer Louis van Gaal, Manchesters Sir Alex Ferguson, Leonardo vom AC Mailand und Alfio Basile haben sich für 13:30 Uhr angekündigt.

Sir Alex ist schuld

Doch sie lassen sich Zeit. "In fünf Minuten dürfte es losgehen", sagt Bayerns Kommunkationschef Markus Hörwick. Irgendwie scheint er sich zu wundern, dass ihn nicht alle verstehen. Zu diesem Zeitpunkt sind auch kaum deutsche Journalisten da. Vielmehr sind die auffällig zahlreich erschienenen Reporter aus Argentinien im Raum und freuen sich - besonders auf Sir Alex. Warum gerade er? Später weiß man es...

Die angekündigten fünf Minuten vergehen - wieder nichts. Hörwick macht den "Schuldigen" aus. "Alex Ferguson kommt mit dem Mannschaftsbus und ist noch nicht da. Dauert noch ein bisschen" - diesmal auf englisch, damit es auch alle verstehen. Und in diesem Augenblick kommt auch schon Ferguson. Locker mit rotem T-Shirt und schwarzer Trainingshose. Eine Umarmung für Hörwick - und schon ist er wieder verschwunden im Backstage.

Erinnerungen an 1999

In der Zwischenzeit ist der Presseraum voll besetzt - und als es allmählich langweilig wird, dimmt irgendein Unbekannter das Licht und startet auf zwei flachen Bildschirmen einen Film. Der zeigt die Entwicklung von Audi. Spannend, aber eigentlich wollen jetzt alle die Trainer sehen. Siehe - da kommen sie auch schon.

Milan-Trainer Leonardo ist neben Audi-Vorstand Peter Schwarzenbauer der einzige mit Anzug. Van Gaal in Weiß, Basile in Dunkelblau und Ferguson wie bekannt in Rot, haben sportliche Bekleidung bevorzugt. Die Stimmung bei den Trainern ist gut. Allen voran Ferguson ist sehr gut drauf, macht hier und da einen lockeren Spruch, erinnert immer wieder an das Champions-League-Finale 1999, als Manchester innerhalb von drei Minuten ein 0:1 drehte. Den Rest haben die Fans des FC Bayern bereits verdrängt.

Wie heißt Leonardo?

Doch dann das erste Problem! "Leonardo Nascimento de Ara...Aro...Ara..Ar...." Markus Hörwick will den wohlklingenden Namen des Brasilianers singen, scheitert an "Aurajo". "Only Leonardo is better", so der Brasilianer mit einem Lächeln. Danke. Eine muntere Runde. Viele Fragen, viel Gelächter und endlich Zeit für die argentinischen Kollegen, Sir Alex die Meinung zu sagen.

"Die argentischen Medien beherrscht seit Tagen das Thema Carlos Tevez. Was ist da los?", will ein Kollege wissen. Ferguson lächelt. Überlegt kurz. Und antwortet: "Weiß ich nicht, sagen Sie mir was in Argentinien los ist." Treffer! Doch die Fragen über Tevez lassen nicht nach. Irgendwann muss Ferguson seinen Ex-Schützling, der zum Erzrivalen Manchester City gewechselt ist, sogar loben.

Das andere System

Auch Louis van Gaal bekommt sein Fett weg. Wieso hat er vor Jahren, als er beim FC Barcelona gearbeitet hat, Juan Ramon Riquelme nicht spielen lassen? Der Niederländer musste lang überlegen. Juan? Ramon? Riquelme? Ah ja. "Er hat damals nicht mannschaftsdienlich gespielt." Da muss Boca-Trainer Basile, eine Mischung aus Rudi Assauer und Martin Jol, seinen Superstar verteidigen: "Wir spielen ein anderes System. Bei uns ist er wichtig."

Über welches System er spricht, verstehen die meisten Journalisten leider nicht. Der Simultanübersetzer kommt durcheinander und berichtet, dass "wir im 3-4-..ähhm...3-2-4...4-2-1-System...ähmm..spielen". Klar, dass Riquelme hier unersetzlich ist. Die Pressekonferenz neigt sich dem Ende zu. Noch drei Fragen sind erlaubt. Van Gaal und Ferguson freuen sich, dass es bald vorbei ist - keine Fragen mehr über argentinische Spielmacher.

Fahrdienst für van Gaal

Die letzten Fotos werden geschossen, draußen warten die charmanten Audi-Mitarbeiterinnen. Eine Mitarbeiterin des FC Bayern ruft einen Kollegen an: "Der Herr van Gaal braucht einen Fahrdienst." Diesen hat Alex Ferguson schon. In einem Kleinbus fährt er mit seinen unzähligen Assistenten davon.

Van Gaal muss noch warten, verteilt währenddessen fleißig Autogramme. Dann kommt endlich sein Wagen. Schwarz. Wohl gerade aus der Waschstraße entlassen. Sieht zwar schick aus, ist aber nicht gefühlte zehn Meter lang und schon gar nicht zahnweiß mit goldenen Elementen. Um dann doch mit einem Happyend abzuschließen: Einen Chauffeur hat der Niederländer aber auch...

Fatih Demireli




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