Mönchengladbach - Gladbachs Trainer Lucien Favre gab sich gewohnt bescheiden. "Es hat schon ganz gut geklappt. Wir sind in der Offensive nun variabler. Aber wir wollen weiter Fortschritte machen." Angesichts des Angriffswirbels, den sein neues Sturmduo Max Kruse und Raffael beim veranstaltet hat, scheinen die Fohlen auf einem ganz guten Weg zu sein.

Erst die Europa-League-Qualifikation mit Freiburg, dann die Berufung ins Nationalteam, nun die überragende Heim-Premiere. Maserati-Fahrer Max Kruse gibt weiterhin Vollgas und ist in Gladbach bereits angekommen. "Ich bin nicht der Typ, der eine lange Eingewöhnungszeit braucht. Ich mache mir auch keinen Druck", sagt der 25-Jährige, der in der vergangenen Saison Freiburg mit elf Treffen und acht Vorlagen nach Europa schoss und nun mit der legendären Netzer-Rückennummer 10 die Fohlen-Fans begeistern will. "Er ist eben ein lockerer Vogel", sagt Verteidiger Martin Stranzl über seinen Kollegen.

Kruse ein kompletter Spieler



Dessen erster Arbeitsnachweis in der neuen Heimat kann sich wahrlich sehen lassen: ein Tor erzielt, eins aufgelegt, einen Elfmeter herausgeholt und 69 Prozent der Zweikämpfe gewonnen. Schnell, dynamisch, trickreich und beidfüßig. Kruse bringt das komplette Paket mit, um Gladbachs Offensive variabler zu machen. Hinzu kommt, dass er nicht auf eine Position festgelegt ist. Mal spielt er im Zentrum, mal kommt er als hängende Spitze aus der Tiefe oder weicht auf die Flügel aus. Favre gibt ihm alle Freiheiten, solange alle Räume besetzt sind. Zudem beherrscht Kruse das schnelle Umschaltspiel hervorragend.

Gleiches gilt für seinen neuen Sturmpartner Raffael, mit dem er bereits zu Saisonbeginn gut harmoniert. "Ich bin froh, dass es schon so gut funktioniert. Das harte Training zahlt sich aus", erklärt Kruse. Gemeinsam mit Raffael, Neuzugang von Dynamo Kiev (zuletzt an Schalke ausgeliehen), will er die Fohlen wieder ins internationale Geschäft führen. "Unser Anspruch muss es sein, uns im oberen Tabellendrittel zu etablieren."

Raffael mit Lieblingstrainer vereint



Schließlich haben beide quasi dazu beigetragen, dass Gladbach zuletzt die EL-Quali verpasst hat. In der Schlussphase der vergangenen Spielzeit schoss Kruse Freiburg mit einem Doppelpack gegen Gladbach zum 2:0-Sieg und Raffael bereitete mit Schalke das entscheidende Tor durch Julian Draxler zum 1:0-Erfolg im Borussia Park vor. Zuvor hatte sich der Brasilianer bereits mit Kiev in der Champions-League-Qualifikation gegen die Borussia durchgesetzt.

Nach einer durchwachsenen Rückrunde mit Schalke - mit nur sieben Startelf-Einsätzen - will der 28-Jährige nun voll durchstarten, zumal er wieder mit seinem Lieblingstrainer vereint ist. Favre holte ihn einst zum FC Zürich, wo er zwei Mal Schweizer Meister wurde. Später arbeiteten beide zusammen bei Hertha BSC.

Tempofußball a la Favre



"Er ist ein sehr guter Trainer, aber ich bin nicht nur wegen Favre hier. Ich hoffe, dass ich der Spieler bin, der noch gefehlt hat, um mit dem Team den nächsten Schritt zu machen", sagte Raffael vor Saisonbeginn. Wie es scheint, eröffnet sich für Mönchengladbach nach einem Übergangsjahr wieder die Möglichkeit, aus einer kompakten Abwehr den von Favre so bevorzugten Tempofußball zu spielen.

Nach der Gala gegen Hannover sprach Raffael, dem dieses Mal trotz bester Chancen noch ein Treffer verwehrt blieb, gar von "Tiki-Taka" im Borussia-Park. Großen Anteil daran haben freilich auch Flügelstürmer Patrick Herrmann und Super-Linksfuß Juan Arango. "Mit Juan zu spielen, macht richtig Spaß", sagte Raffael. "Er wird in Mönchengladbach eine Persönlichkeit werden. Raffael ist ein guter Typ", erwiderte Arango, der enormes Potenzial in der neu formierten Mannschaft sieht: "Wir haben gezeigt, wozu wir in der Lage sind, aber es geht noch mehr."

"Zum Glück spielt er jetzt bei uns"



Sportdirektor Max Eberl ist von seinen offensiven Neuzugängen sowie von Mittelfeldspieler Christoph Kramer bereits sehr angetan. "Wenn man die Spielintelligenz von Raffael, das Selbstbewusstsein von Kruse und die Unbekümmertheit von Kramer sieht, hilft uns das weiter", sagt Eberl.

Auch Kapitän Filip Daems ist erleichtert: "Max Kruse hat es uns letzte Saison verdammt schwer gemacht. Nun spielt er zum Glück bei uns." Und zu Saisonbeginn, um es mit Lucien Favre zu halten, hat es ja schon mal "ganz gut geklappt".

Markus Hoffmann