Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach bleibt in dieser Saison eine Mannschaft der Extreme. Erst lief gar nichts zusammen, jetzt geht alles. Mit dem 3:1-Heimsieg gegen Schalke 04, dem fünften Sieg in Folge, kletterten die Fohlen schon auf Platz 7 in der Tabelle. Und die Aufholjagd soll weitergehen.

Rückblende: Am 19. September verlor die Borussia das rheinische Derby beim 1. FC Köln mit 0:1. Es war die fünfte Niederlage im fünften Spiel und bedeutete Platz 18 in der Tabelle bei 2:12 Toren. Einen Tag später trat Trainer Lucien Favre zurück. Seitdem sind gerade einmal fünf Wochen vergangen. Aber es scheint, als läge die Startmisere schon Jahre zurück. In der kürzest möglichen Zeit vollzog die Elf vom Niederrhein die totale Kehrtwende. So krass ist das noch nie in der Bundesliga-Geschichte einer Mannschaft gelungen.

Die Wende geschafft

Seit Andre Schubert also am 21. September seinen Dienst zunächst als Interimstrainer antrat, hat Gladbach alle fünf Bundesliga-Spiele gewonnen und dabei unglaubliche 17:5 Tore erzielt. Und die fünf Gegentore verteilen sich auf vier Elfmeter und ein Eigentor. Schubert hat einen beispiellosen Start als Bundesliga-Trainer hingelegt, die Gladbacher ihrem Rekordfehlstart eine Rekordserie folgen lassen. "Das ist schon eine sehr spezielle Statistik, wenn du erst fünf Mal verlierst und dann fünf Mal gewinnst. Aber alle Siege waren verdient", betont Sportdirektor Max Eberl.

"Momentan kommt die Mannschaft mit vielen Dingen klar, sie lässt sich nicht beirren oder umwerfen. Am Anfang der Saison haben uns Kleinigkeiten umgeworfen, jetzt nicht mehr. Das Selbstvertrauen ist gewachsen. Wir haben eine hohe Flexibilität, wir befreien uns aus dieser Situation. Und das mit Bravour", lobt Eberl weiter.

Xhaka blüht auf

Andre Schubert hat die Wende geschafft und dabei auf wenige gezielte Maßnahmen gesetzt. Die jahrelang einstudierte Philosophie seines Vorgängers hat er nicht über Bord geworfen, sondern nur punktuell Korrekturen angesetzt. "Er hat nicht so viel verändert, nur Kleinigkeiten. Das gefällt der Mannschaft", sagt Oscar Wendt. Der Trainer versucht, die Spieler auf ihren Lieblingspositionen einzusetzen. Lars Stindl steht exemplarisch dafür. Unter Schubert verteidigen die Außen etwas höher. Und der Coach ernannte Granit Xhaka zum Kapitän.

Der Lautsprecher der Mannschaft, der seinen markigen Sprüchen auch entschlossen Taten folgen lässt, beerbte den ruhigen Tony Jantschke, der zu Beginn der Saison mehr mit sich selbst beschäftigt war und der Mannschaft nicht richtig helfen konnte. Jantschke akzeptierte den Wechsel, Granit Xhaka blüht noch mehr auf und geht auch körperlich angeschlagen immer voran. "Schubert will, dass ich Verantwortung übernehme. Und er sieht, dass mir das gut tut", freut sich der Schweizer Stratege.

Verletzungspech schlägt zu

Es läuft richtig gut für die Borussia und das, obwohl das Verletzungspech in den letzten Wochen hart zugeschlagen hat. Zu den Langzeitverletzten Patrick Herrmann und Nico Schulz gesellte sich am Sonntagabend auch noch Andre Hahn, der nach einem schweren Foul des Schalkers Johannes Geis mit einem Schienbeinkopfbruch und Außenmeniskusriss mindestens bis Ende des Jahres aussfallen wird. Viel darf personell jetzt nicht mehr passieren.

Die Gladbacher wollen ihre Siegesserie nun auch auf den DFB-Pokal ausdehnen. Schon am Mittwoch steht das Wiedersehen mit den Knappen bevor, diesmal muss die Borussia im Pokal jedoch auswärts antreten. Danach folgt in der Bundesliga das Gastspiel beim Überraschungsteam Hertha BSC. Mit einem Dreier im Olympiastadion könnte Mönchengladbach auch an den Berlinern vorbeiziehen.

 

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski