Mönchengladbach - Mit einem breiten Grinsen klopfte Dante Bonfim Costa Santos seinem Mannschaftskameraden Roel Brouwers heftig auf die Schulter, als sich der Niederländer an den wartenden Journalisten vorbeischleichen wollte. "Wir müssen einander helfen, egal was passiert", sagte er über seinen Kollegen aus der Innenverteidigung - just als die Frage über den Ersatzmann für Martin Stranzl gestellt wurde.

Dante hatte allen Grund, den Zusammenhalt der "Fohlen" in den Vordergrund zu rücken. Brouwers fügte sich nahtlos in die Defensive ein, die seit der Installierung von Cheftrainer Luien Favre von einem offenen Scheunentor zur "Bank von England" mutierte. Nur drei Treffer kassierten die Borussen in den vergangenen acht Pflichtspielen - vor gut einem Jahr beim 0:7-Debakel in Stuttgart waren es in einer Partie mehr als doppelt so viele.

Sieg des Kollektivs

"Wir müssen immer Freunde bleiben, auch wenn wir uns um die Position im Team streiten", stellt Dante klar - und untermauert damit gleichzeitig das Motto seines Teamgefährten Brouwers. Dieser verriet anschließend, dass er vor der Partie im Mannschaftskreis die Kollegen mit dem alten Spruch der Musketiere heiß gemacht hatte: "Einer für alle, alle für einen!"

Keine Frage: Borussia Mönchengladbachs Traumstart mit dem 1:0 beim FC Bayern war ein Sieg des Kollektivs gegen noch nicht eingespielten Stars von der Isar. Doch statt den Sensationscoup genüsslich zu feiern, traten Spieler und Trainer schon kurz nach dem Schlusspfiff kräfig auf die Euphoriebremse - wohl wissend, was sich vor ziemlich genau einem Jahr alles ereignet hatte.

Paralelen zur vergangenen Saison

Am 2. Spieltag der vergangenen Saison ließ die Borussia mit einem spektakulären 6:3-Sieg in Leverkusen aufhorchen und versetzte damals nicht nur die Fans der Borussia in Verzückung. Schon wurden Vergleiche zu den legendären "Fohlen" gezogen und über Europapokalplätze geschrieben. Was dann kam, ist den Anhängern rund um den BORUSSIA-PARK noch schlecht in Erinnerung: Die Elf vom Niederrhein wurde bis ans Tabellenende durchgereicht - und retteten sich nur dank eines famosen Schlussspurtes vor dem Abstieg.

Kehrt nun die Angst vor einem neuen Absturz zurück? Brouwers, der im "Seuchenjahr" der Gladbacher durch viele Verletzungen zurückgeworfen wurde, lässt sich von derlei negativen Erinnerungen nicht beirren. "Wir müssen einfach unser Ding machen - wie wir es in der Vorbereitung und in den Monaten davor auch schon getan haben. Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen und müssen jetzt einfach weiterarbeiten. Es gibt noch viel zu verbessern", sagte der 29-Jährige gegenüber bundesliga.de.

"Keiner fängt an zu träumen"

Einer, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Team war, ist Marc-Andre ter Stegen. Der Borussen-Keeper, der mit sensationellen Paraden die Bayern-Stürmer zur Verzweiflung brachte, glaubt ebenfalls nicht, dass sich ein derartiger Crash wiederholt. "Ich habe das in der vergangenen Saison nicht hautnah miterlebt, weil ich zu dieser Phase ja noch die Nummer drei war", so ter Stegen.

"Aber es stimmt, dass wir damals nach diesem Sieg in der Tabelle ziemlich abgestürzt sind und uns erst gegen Ende der Saison wieder gefangen haben. Ich denke, dass alle daraus gelernt haben und aus dieser Erfahrung heraus jeder den Sieg in München richtig einordnen kann. Deswegen bin ich sicher, dass keiner bei uns im Team jetzt anfängt zu träumen."

Johannes Fischer