Zusammenfassung

  • Gladbach will künftig vermehrt vom etablierten 4-4-2 abrücken und weniger ausrechenbar sein
  • Mit Mittelstürmer Alassane Plea bieten sich in der offensive neue Optionen
  • Viel versprechen sich Hecking und Eberl langfristig auch von den Neuzugängen Michael Lang und Florian Neuhaus

Köln – Während der Trend in der Bundesliga immer mehr zu taktischer Variabilität geht, präsentierte sich Borussia Mönchengladbach in der letzten Saison zumeist im gewohnten 4-4-2. Mit Neuzugang Alassane Plea soll sich dies nun ändern.

"Unser bisheriges Spiel mit den entgegenkommenden Stürmern Lars Stindl und Raffael und dem anschließenden Tiefgang über die Flügel Patrick Herrmann und Thorgan Hazard hat sich abgenutzt", sagte Trainer Dieter Hecking jüngst in der "Süddeutschen". Tatsächlich lief die Borussia 2017/18 in 30 von 34 Bundesliga-Spielen in einem 4-4-2 auf, bei der sich auch zumeist die Startelf gut vorhersehen ließ: Im Tor Yann Sommer, davor in der Viererkette das Quartett Wendt/Vestergaard/Ginter/Elvedi, die Doppelsechs mit Zakaria und Kramer sowie die Doppelspitze um Raffael und Lars Stindl. Lediglich auf den offensiven Außenbahnen wurde neben dem gesetzten Thorgan Hazard öfter zwischen Patrick Herrmann und Jonas Hofmann rotiert.

So könnte Gladbach 2018/19 in einem 4-3-3-System auflaufen © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Doch so vielversprechend das Personal auch war, so ernüchternd die Erkenntnis, dass es am Ende nur zu Platz neun im Niemandsland der Tabelle reichte. Speziell im Angriff hakte es dabei, lediglich 1,38 Tore pro Partie konnten die Fohlen erzielen – zu wenig für die eigenen Ansprüche. Sportdirektor Max Eberl sagt: "In der vergangenen Saison haben wir gemerkt, dass wir ausrechenbar geworden sind, dass die Mannschaften uns zustellen, und dass wir dann keinen größeren Spieler haben, den wir auch mal lang anflanken können." Hinzu kommt, dass die nominellen Stürmer Raffael und Stindl ja eigentlich gelernte Mittelfeldspieler sind.

Plea als Schlüsselspieler

Die Suche nach einer richtigen Nummer 9, einem klassischen Stoßstürmer, hatte für Eberl also große Priorität in diesem Sommer. Und mit Alassane Plea scheint die Borussia genau den richtigen Mann gefunden zu haben. Mit seinen 1,81 Metern ist Plea zwar nicht besonders groß für einen Stürmer, dafür aber immens kopfballstark. Bei Nizza wurde er in den letzten beiden Jahren vom jetzigen Dortmund-Trainer Lucien Favre zu einem international begehrten Topstürmer geformt, der mit der Empfehlung von 16 Toren und sechs Vorlagen aus der vergangenen Spielzeit in der Ligue 1 nach Gladbach kommt. Er könnte der entscheidende Schlüssel im Gladbacher Spiel sein. Mehr als 14 Saisontore erzielte bei den Fohlen zuletzt Marco Reus in der Saison 2011/12.

Video: Die kuriosesten Tore 2017/18

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"Wir freuen uns sehr, dass dieser Transfer geklappt hat und wir uns in unseren Bemühungen um den Spieler gegen mehrere namhafte andere Clubs durchsetzen konnten“, so Eberl nach der Verpflichtung Pleas. Der 25-jährige Franzose ließ sich vor allem auch von Lucien Favre, zwischen 2011 und 2015 selbst höchst erfolgreicher Trainer der Borussia, vom Wechsel an den Niederrhein überzeugen.

Zwei vielversprechende Neuzugänge: Florian Neuhaus und Alassane Plea © imago / Uwe Kraft

Mit Plea, so deutet es sich aktuell an, wird das Gladbacher System umgestellt. Christoph Kramer sagt im Interview mit bundesliga.de: "Wir werden variabler sein, können nun statt einem 4-4-2 zum Beispiel auch ein 4-3-3 beziehungsweise ein 4-3-2-1 oder ein 4-1-2-3 spielen. Wir haben jetzt einen Spieler, der die Position des Mittelstürmers auch definiert wie ein klassischer Mittelstürmer. Das wird uns weniger ausrechenbar machen." Aktuell trainiert die Mannschaft oft ein 4-3-3 mit Plea als einziger Spitze. Lars Stindl, derzeit noch verletzt, würde dann möglicherweise wieder ins Mittelfeld zurückkehren.

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Aber auch die anderen Neuzugänge versprechen viel. Michael Lang vom FC Basel, in diesem Sommer mit der Schweiz bei der WM in Russland im Einsatz, könnte sich mit seinen Führungsqualitäten als neuer Mann auf der rechten Abwehrseite etablieren, der mit seiner offensiven Spielweise aber auch perfekt als rechter Mittelfeldspieler in einem System mit Dreierkette passen würde. Bis der Nationalspieler aber eingreifen kann, wird es noch ein wenig dauern, denn der 27-Jährige hat sich einen Teilriss des Außenbandes im rechten Knie zugezogen, Auch Keanan Bennetts, ein englisches Toptalent, das vorwiegend über Linksaußen stürmt und in der Vorbereitung bereits einen guten Eindruck hinterließ, soll die Borussia verstärken.

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Michael Lang bringt jede Menge Führungsqualitäten mit nach Gladbach, muss jetzt allerdings erst einmal pausieren © imago / Eibner

Die größten Hoffnungen ruhen aber auf Florian Neuhaus, den Max Eberl schon im Vorjahr vom Zweitliga-Absteiger TSV 1860 München verpflichtete, um ihm dann noch ein Jahr Spielpraxis bei Fortuna Düsseldorf zu gönnen. Dort war der 21-jährige zentrale Mittelfeldspieler einer der Garanten für den Aufstieg. Ihm ist jetzt eine ähnliche Karriere wie die seines künftigen Nebenmannes Christoph Kramer zuzutrauen, der sich auch als junger Stammspieler in der 2. Bundesliga beim VfL Bochum schnell in der Bundesliga akklimatisierte.

Fest steht jedenfalls: 2018/19 wird sich Borussia Mönchengladbach in einem neuen Gewand präsentieren.

Karol Herrmann